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Wenn Sie genug geredet haben ...


Natürlich gibt es sie noch: die autoritären Chefs und „Keine Widerrede“-Eltern. Die Paare, die ihre Konflikte totschweigen. Die Teams, in denen sich der Austausch auf ein Minimum beschränkt. Doch viele Menschen sind eher genervt davon, dass zu viel geredet wird: dass alles bis ins letzte Detail diskutiert, aber keine Entscheidung getroffen wird; dass jeder mitreden will, aber niemand etwas tun möchte; dass Konflikte endlos besprochen werden, aber die Stimmung sich dadurch eher verschlechtert als verbessert. Eine gute Kommunikationskultur bedeutet eben nicht, so viele Worte wie möglich zu machen. Hier unsere Tipps, wie Sie selbst der Redefalle entgehen:

Lösen Sie Konflikte durch Zuwendung

„Schatz, wir müssen miteinander reden.“ Wenn eine Frau das sagt, bringt das den Mann meist in Alarmstellung. Die US-Psychotherapeuten Patricia Love und Steven Stosny haben diesen Sachverhalt erforscht und sind zu einem erstaunlichen Resultat gekommen: Mehr miteinander zu reden ist bei Ehekonflikten häufig kein guter Rat.

simplify-Tipp: Schaffen Sie Kontakt, bevor Sie ein Streitthema angehen. Berühren Sie sich, kuscheln Sie sich aneinander, geben Sie sich einen Kuss, oder tun Sie etwas gemeinsam. Stosnys Grundregel: „Hören Sie auf, eine Verbindung mit Worten erreichen zu wollen. Lassen Sie stattdessen Ihre Worte aus der Verbindung entstehen.“ Wenn Sie sich einander nahe fühlen, fällt es Ihnen leichter, die Dinge zu klären. Und manches wird sich sogar wie von selbst klären!

Bitten Sie, statt zu argumentieren

Die Überzeugung, recht zu haben, ist die Ursache vieler fruchtloser Diskussionen – auch in der Partnerschaft. Denn dadurch glaubt jeder, er könne den Partner früher oder später durch gute Argumente zur Einsicht bringen.

simplify-Tipp: Verzichten Sie darauf, Ihren Partner so lange mit Argumenten zu „bearbeiten“, bis der (genervt oder widerwillig) nachgibt. Erkennen Sie stattdessen an, dass Ihr Partner ein anderes Bedürfnis / eine andere Einstellung / eine andere Priorität hat: „Ich weiß, dass du am Samstag nicht gerne in die Stadt gehst.“ – „Mir ist klar, dass es praktisch für dich ist, die Gartenabfälle in der Garage zwischenzulagern.“ Trotzdem dürfen Sie um das bitten, was Ihnen wichtig ist. Sagen Sie ganz einfach: „Bitte tu’s mir zuliebe.“ Geht Ihr Partner darauf ein, würdigen Sie das ehrlich als Liebestat, statt über Ihren „Sieg“ zu triumphieren.

Setzen Sie auf beredtes Schweigen

„Das habe ich Ihnen/dir schon zehnmal gesagt!“, haben Sie sicher schon öfter einmal genervt gesagt – und waren dennoch bereit, Ihre Botschaft auch noch ein elftes Mal zu verkünden. Doch auch dann bekommen Sie meist nicht die Reaktion, die Sie sich wünschen: Auch beim nächsten Termin vergisst der Kollege wieder die Abstimmung mit Ihnen, und die Tochter fragt bei nächster Gelegenheit wieder, warum Sie ihr die Abifahrt ins All-inclusive-Resort nicht finanzieren.

simplify-Tipp: Registrieren Sie, wenn Ihr Reden, Argumentieren, Erklären offensichtlich nichts hilft, und ändern Sie Ihre Taktik. Halten Sie beim nächsten Mal keine lange Rede, sondern treffen Sie maximal eine kurze Feststellung („Von dem geplanten Vorgespräch habe ich per Zufall heute Morgen erfahren“). Schweigen Sie danach, und schauen Sie Ihr Gegenüber an.

Lassen Sie Ihr Handeln sprechen

Nicht nur gegenüber Kindern, auch unter Erwachsenen ist konsequentes Handeln oft wirkungsvoller als jede Rede.

simplify-Tipp: Setzen Sie durch freundliches Handeln Grenzen. Sie müssen Ihren Junior jeden Morgen fünfmal wecken und werden dabei noch angeblafft? Stellen Sie ihm einen Wecker hin, und ermutigen Sie ihn: „Ich bin sicher, du managst das!“ Ihr Nachbar lässt seine leeren Getränkekästen oft tagelang im Hausfl ur herumstehen? Dann belegen Sie den Platz demnächst mit einem hübschen Blumentopf.

Verkürzen Sie Diskussionen

„Es ist schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem“, heißt ein Spruch aus der Bürowelt. Ob Abteilungsleiter-Meeting, Klassenelternabend, Eigentümerversammlung oder Pfarrgemeinderatssitzung: Ufert eine Besprechung aus, liegt das oft am Geltungsbedürfnis der Teilnehmer.

simplify-Tipp: Tragen Sie diesem Geltungsbedürfnis als Besprechungsleiter Rechnung. Der erste Diskussionsteilnehmer setzt oft den Maßstab für alle anderen. Schwingt er eine lange Rede, beanspruchen auch die anderen entsprechend viel Zeit. Lassen Sie daher zu Beginn einen Teilnehmer zu Wort kommen, der sich kurzzufassen weiß. Teilen Sie die große Runde für einzelne Themen in kleinere Gesprächskreise, in denen jeder ausführlicher zu Wort kommen kann; anschließend bringt jeder Gesprächskreis im Plenum eine kurze Zusammenfassung. Lassen Sie beim Brainstorming die Ideen stichpunktartig auf einzelne Zettel schreiben, lesen Sie diese vor, und kleben Sie sie – bereits thematisch geordnet – an eine Stellwand (Metaplan-Methode).

Legen Sie die Besprechungsziele fest

Worüber gesprochen werden soll, ist bei Meetings meist in einer Tagesordnung festgehalten. Doch was dabei herauskommen soll – darüber herrscht oft keine Klarheit: Geht es darum, Informationen zu geben, Erfahrungen auszutauschen, ein Meinungsbild zu erstellen, einen Beschluss zu fassen, Aufgaben zu verteilen ...?

simplify-Tipp: Machen Sie als Gesprächsleiter am besten schon in der Tagesordnung Ihre Zielvorgaben zu den einzelnen Punkten sichtbar. Beispiel: „Top 1: Gehweg. 1a) Erstes Meinungsbild: Soll der Asphaltboden durch Platten ersetzt werden?) 1b) Wer beschafft Informationen?“ Um als normaler Teilnehmer darauf hinzuwirken, dass Ziele gesetzt bzw. kommuniziert werden, fragen Sie z. B.: „Geht es heute nur um einen Austausch, oder soll bereits ein Beschluss gefasst werden?“

 

Autorin: Ruth Drost-Hüttl