Kindererziehung

Kindererziehung: Aber bitte mit Tugend!


Wie Sie sich selbst und jungen Menschen wirklichen Reichtum schenken

„Die besten Dinge im Leben sind nicht die Dinge.“ Auf dieser einfachen Einsicht beruht die Arbeit der amerikanischen Pädagogin Linda Kavelin-Popov. „Eltern sind bestrebt, ihren Kindern materielle Sicherheit zu geben. Doch sie übersehen, wie viele wertvolle nicht materielle Schätze sie ihren Kindern in der Kindererziehung vermitteln können.“ Das Wertvollste, was sich im Kern aller Kulturen, Traditionen und Religionen findet, sind nach Kavelin-Popovs Erfahrung die Tugenden.

Tugenden statt Werte oder Ziele

Werte sind zum großen Teil kulturspezifisch, und die Ziele vieler Religionen sind gegen andere Religionen gerichtet. Worin sich die verschiedenen Kulturen aber erstaunlich ähneln, sind die guten Charakterqualitäten, die vom einzelnen Menschen erwartet werden. Sie werden in jeder Kultur auf unterschiedliche Weise praktiziert, aber über diese Grenzen hinweg gewürdigt und eignen sich in einer multikultureller werdenden Welt als Maßstäbe der Kindererziehung. Kavelin-Popov hat das Virtues Project gegründet und 5 Strategien entwickelt, mit denen Familien, Kindergärten und Schulen auch bei „schwierigen“ Kindern erstaunliche Fortschritte erzielen.

1. Sprechen Sie Tugenden aus

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Die Sprache prägt den Charakter. Mit der Wahl Ihrer Worte können Sie Kinder ermutigen und inspirieren. Die Sprache der Tugenden hilft, Beschimpfungen und Verletzungen durch gegenseitigen Respekt und gesundes Selbstbewusstsein zu ersetzen.

Beispiel: Sagen Sie als Lob nicht einfach: „Das hast du toll gemacht.“ Benennen Sie die gute Eigenschaft des Kindes mit dem klassischen Tugendbegriff: „Das war mutig von dir.“ „Ich finde, hier hast du wirklich Großzügigkeit bewiesen.“ So werden grundsätzliche Tugenden alltägliche Begleiter in der Kindererziehung.

2. Erkennen Sie Tugend-Momente

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Gerade Auseinandersetzungen, Streit und Konflikte bieten die besten Möglichkeiten, um Ihren eigenen Charakter und den von Kindern zu kultivieren und die Kindererziehung voranzubringen. Voraussetzungen dafür sind die Demut und das Vertrauen, dass wir aus unseren Fehlern lernen können. Dann wird aus einem Stolperstein eine Stufe.

Beispiel: 2 Kinder streiten mit den Fäusten darüber, wer Recht hat. Sie trennen beide, verurteilen mit klaren Worten die Gewaltbereitschaft und ermahnen sie streng. Heben Sie aber am Schluss bei jedem der Beteiligten eine Tugend hervor: „Du hast großes Selbstbewusstsein bewiesen, indem du nicht nachgegeben hast. Und du hast deine Meinung mit Entschlossenheit verteidigt.“

3. Schärfen Sie Ihren Tugend-Blick

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Gesellschaft und Tradition setzen heute weniger Grenzen als früher; die Verantwortung des Einzelnen wird immer wichtiger. In den Gemeinschaften muss das geübt werden: Familie, Schule, Kindergarten, Gemeinde, Firma. Je mehr sie von Tugenden getragen werden, umso sicherer, gesünder und glücklicher fühlen sich deren Mitglieder. Je mehr die Kinder bereits durch die Kindererziehung mit Tugenden in Kontakt kommen, desto sicherer fühlen sie sich in ihrem späteren Leben wenn es um wichtige Entscheidungen oder das persönliche Verhalten geht.

Beispiel: Beurteilen Sie die Lieblings-TV-Serien, Idole und PC-Spiele der Kinder nicht nur von außen, sondern betrachten Sie sie durch die verständnisvolle Brille der Tugenden. Entdecken Sie, dass der tollpatschige Spongebob die Tugenden der Herzensreinheit und Freundschaft verkörpert (und dadurch in schreckliche Situationen gerät). Oder dass die Helden der martialischen Ballerspiele die Tugenden der loyalen Treue und Einsatzbereitschaft hochhalten.

4. Würdigen Sie verborgene Tugenden

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Beginnen Sie jede Begegnung mit einem anderen Menschen (gleich welchen Alters) mit dem Respekt vor seiner Würde. Sehen Sie im anderen nicht in erster Linie seine Begrenzungen, seine Schwächen und Probleme, sondern seine Möglichkeiten, seine (vielleicht verborgenen) Talente und seine Schönheit.

Beispiel: Im Mittelalter war es Brauch, dass sich der Lateinlehrer morgens vor seinen Schülern verbeugte, weil vor ihm zukünftige Bürgermeister, Professoren, Ärzte und Gelehrte saßen.

5. Bieten Sie spirituelle Begleitung

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Bleiben Sie aufmerksam, hören Sie mit Mitgefühl und Anteilnahme zu. So helfen Sie anderen, dass Beste in sich zu entdecken und an eine gute Zukunft zu glauben. Sie ermutigen dazu, Konflikte friedlich zu lösen, und bewahren damit Menschen vor Depressionen, Zorn und Trauer.

Beispiel: Zum Virtues Project gehört die „Tugend der Woche“. Damit werden im Lauf eines Jahres alle guten menschlichen Eigenschaften und Möglichkeiten benannt und in den Blick genommen. Lassen Sie sich nicht abschrecken durch anfängliche Ablehnung oder Gekicher. Jedes Kind hat ein Recht darauf, die guten Möglichkeiten seiner Seele zu erfahren und dann auch an sich selbst zu entdecken.

www.virtuesproject.com ist von Kirchen und anderen Organisationen unabhängig. Es wird angewendet und gesponsert von Ministerien, öffentlichen Einrichtungen sowie Organisationen in den USA, Kanada und Ozeanien.

Das Tugenden-Spiel

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„Pure Notwendigkeiten“ heißt ein Spiel für Eltern und Kinder (1 oder mehrere). Setzen Sie sich zusammen, mit einem großen Zettel in der Mitte, und fragen Sie: „Ein Mensch braucht Wasser und Sonne und was noch?“ Bei älteren Kindern kann die Frage lauten: „Welche Sachen machen das Leben lebenswert?“ Dann schreibt jeder reihum etwas auf den Zettel in der Mitte. Wenn die Liste nur materielle Objekte enthält, leiten Sie die Kinder an, darüber hinauszudenken: „Was bringt dir Freude? Was tut dir gut?“

Wenn die Liste fertig ist, fragen Sie andersherum: „Worauf könntet ihr notfalls verzichten?“ Dann wird reihum diskutiert und gestrichen, bis am Ende nur noch 1 Punkt dasteht – das Wichtigste im Leben. Wetten, dass alle sehr gespannt sind, was das ist?

Die Liste der Tugenden

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Das Virtues Project zählt 52 Tugenden, die sich aber ähneln und bei der Übersetzung ins Deutsche auch überschneiden. Bei der Übersetzung sind wir gekommen auf:

Anstand, Begeisterung, Bescheidenheit, Dankbarkeit, Durchhaltevermögen, Durchsetzungsvermögen, Ehrlichkeit, Einsatzbereitschaft, Entschlossenheit, Fleiß, Flexibilität, Freude, Freundlichkeit, Freundschaft, Friede, Fürsorge, Geduld, Gerechtigkeit, Großzügigkeit, Güte, Herzensreinheit, Hilfsbereitschaft, Hingabe, Höflichkeit, Idealismus, Kooperation, Kreativität, Liebe, Loyalität, Mitgefühl, Mut, Ordnung, Qualitätsbewusstsein, Respekt, Selbstdisziplin, Selbstbewusstsein, Sorgfalt, Takt, Toleranz, Treue, Verantwortungsbewusstsein, Verständnis, Vertrauen, Vertrauenswürdigkeit, Verzeihung, Weisheit, Zufriedenheit und Zuverlässigkeit.

 

Doch Mutter und Vater sind nicht die einzigen, die den Kindern Tugenden vermitteln können: Die Großeltern tun dies oft ohne dass sie sich extra darum bemühen müssen. Daher wird die Kindheit durch aktive und präsente Großeltern oft besonders bereichert!

 


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