Kindererziehung

Kindererziehung: Kleine Genies fördern


Denn früh übt sich, wer ein Meister werden könnte

Die größten Lernenden sind die Kleinsten. Kinder fragen nicht danach, was es ihnen nützt, wenn sie die Welt entdecken. Sie sind neugierig auf alles, was sie sehen, hören, fühlen. „Wüchsen die Kinder fort, wie sie sich andeuten, wir hätten lauter Genies“, bemerkte schon Johann Wolfgang von Goethe. Um dem Wissensdurst der Kleinen gerecht zu werden, brauchen Sie keine teuren Materialien und zeitaufwändigen Kurse. Reservieren Sie einfach täglich eine halbe Stunde dafür, zusammen mit Ihrem Kind Antworten auf seine brennenden Fragen zu suchen – durch Zuhören, Hinsehen und Experimentieren.

Sonne, Mond und Sterne

„Warum wird es jetzt hell?“ Eine solche Frage lässt sich nicht in einem Satz beantworten. Schon gar nicht früh morgens, wenn der kleine Frager in den Kindergarten und Sie zur Arbeit müssen. Lassen Sie die Frage Ihres Kindes trotzdem nicht unbeantwortet im Raum stehen. Sagen Sie ihm, dass Sie die Sache wichtig finden, dass sich damit auch Wissenschaftler beschäftigen. Improvisieren Sie kurz mit Ihren beiden Fäusten, wie sich die Erde um die Sonne dreht – und zeigen Sie, wie dabei immer eine Seite der äußeren Faust von der Sonne (oder auch von der Badezimmerlampe) angeleuchtet wird und eine nicht. Wenn Ihr Kind mehr dazu wissen will, prima. Vereinbaren Sie mit ihm, zu einem späteren Zeitpunkt (z.B. nach dem Kindergarten, vor dem Schlafengehen) weiter zu reden, ein Lexikon zu Rate zu ziehen oder eine Person zu fragen, die sich auskennt.
Was lernt Ihr Kind? Meine Fragen sind wichtig, und sie interessieren nicht nur mich. Auch Erwachsene wissen nicht alles. Deshalb gibt es Bücher, in denen man nachschlagen kann. Es macht Spaß, einer Frage gemeinsam nachzugehen.

Alltagsphänomene

Dass die Zahnpasta Streifen hat, haben Sie vielleicht noch nie bewusst wahrgenommen. Dafür aber Ihr Kind! Falls es Sie fragt, woher die Streifen kommen: Schneiden Sie gemeinsam die nächste leere Tube auf. Eine Sekunde, und Sie sehen direkt hinter der Tubenöffnung das kurze Rohr, durch das die Zahnpasta gedrückt wird. Am Rand hat es kleine Ritzen – genau so viele, wie farbige Streifen auf der Zahnpasta sind. Denn durch diese Ritzen kommt aus einer kleinen Außenkammer die bunte Farbe auf die weiße Zahncreme – egal, wo Sie die Tube auch drücken.
Was lernt Ihr Kind? Es lohnt sich, Dinge auseinander zu nehmen und genau hinzugucken. Ich sehe dann besser, wie sie funktionieren.

Unterwegs

Versuchen Sie, alltägliche Wege so oft wie möglich zu Fuß zurückzulegen. So kann Ihr Kind seine Umwelt vielfältiger wahrnehmen. Und Sie haben reichlich Gesprächsstoff. Warum stinkt es so, wenn der Bus vorbeifährt? Weil er seine Kraft dadurch bekommt, dass er Benzin verbrennt. Warum reißen die Bauarbeiter die Straße auf? Sie reparieren vielleicht Strom- oder Wasserleitungen, man kann es sehen, ein Teil der Rohre ist freigelegt. Wo führen Sie wohl hin? Warum fallen im Herbst die Blätter von den Bäumen? Wenn es kalt wird und der Boden friert, kriegen die Baumwurzeln nicht mehr genügend Wasser. Damit der Baum im Winter nicht vertrocknet, müssen die Blätter vorher abfallen, denn über sie „schwitzt“ der Baum Wasser aus.
Was lernt Ihr Kind? Es macht Spaß, genau hinzusehen. Ich erfahre dabei eine Menge über die Welt um mich herum. Die wenigsten Sachen passieren „einfach so“, für fast alles gibt es einen Grund.

Experimentieren

Der Zuckerwürfel, den wir in unseren Tee werfen, löst sich auf. Ist der Zucker also „weg“? Nein, er hat sich nur mit dem Wasser verbunden, der Tee schmeckt süß. Ist ein „leeres“ Glas wirklich leer? Nein, es ist Luft drin. Wir merken es, wenn wir das Glas über eine brennende Kerze stülpen. Die Flamme brennt genau so lange weiter, bis sie den Sauerstoff im Glas verbraucht hat. Dann geht sie aus.
Was lernt Ihr Kind? „Nichts“ gibt es nicht, und nichts „verschwindet“ einfach, wie die Chemieprofessorin Gisela Lück in ihrem Buch „Leichte Experimente für Eltern und Kinder“ (Herder Verlag) betont. Und: Ich kann das selbst ausprobieren und nachprüfen. Von hier aus ist es z.B. nur noch ein kurzer Weg zu der ökologischen Erkenntnis, dass auch unser Müll auf der Deponie nicht „verschwindet“.

Zuhören

Auch wenn Sie Ihr Kind tagsüber wenig oder nur in Eile sehen. Spätestens beim Schlafengehen geht es vielleicht doch noch ans Eingemachte, mit Fragen wie „Warum musste die Oma sterben?“ oder „Woher weißt du, dass es Gott gibt?“. Wenn Sie von der Ernsthaftigkeit einer solchen Frage überwältigt sind oder Ihnen spontan die Worte fehlen – zeigen Sie das ruhig. Sagen Sie nichts, von dem Sie nicht wirklich überzeugt sind.
Denken Sie zusammen mit Ihrem Kind über die Frage nach. Dann lernt Ihr Kind von Ihnen das Allerwichtigste: Dass auch Sie Ihr Leben lang Spaß am Lernen haben.


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