Kindererziehung

Kindererziehung und Geschwisterfolge


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Die Familienkonstellation prägt Ihre Persönlichkeit – ob Sie wollen oder nicht.

„Bei der Wahl seiner Eltern kann man nicht vorsichtig genug sein“, spottete der Schriftsteller und Psychiater Paul Watzlawick. Ähnliches gilt für Geschwister. Je klarer Sie sich Ihre eigene Rolle dabei machen, desto besser sind Sie dagegen gefeit, in eingefahrene Verhaltensmuster zu verfallen. Die Psychologinnen Salome Zahn und Anja Lange haben typische Geschwisterfallen erforscht und geben Eltern und Kindern Hinweise, wie sie in der Kindererziehung zu umschiffen sind.

Die älteste Tochter, der älteste Sohn

Sie werden gemeinhin als verantwortungsbewusst, zielstrebig und verlässlich gelobt – Eigenschaften, die vielen Ältesten Erfolg in Schule und Beruf bescheren. Weil sich die „Ersten“ besonders stark an Eltern und anderen Autoritätspersonen orientieren, gelten sie zuweilen als autoritätsgläubige „Streber“. Von Anfang an lernen sie aber auch, Rücksicht zu nehmen und andere zu beschützen. Deshalb gelten sie nicht selten als die Konservativen der Familie.

simplify-Tipp: Schreien Sie nicht immer gleich „hier“, wenn Arbeitsaufträge verteilt und Dinge organisiert werden müssen. Partner, Freunde und Kollegen sollen auch zum Zug kommen. Falls Sie selbst mehrere Kinder haben: Gönnen Sie Ihrem Ältesten zwischendurch ein wenig Nesthäkchen-Wärme. Auch Große genießen es, einmal auf dem Schoß zu sitzen oder die Schuhe gebunden zu bekommen. Gleichzeitig sollten Sie ihnen vermitteln, dass die Kleinen im Haushalt ebenfalls Pflichten und Rechte haben.

Das Solokind

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Kinder ohne Geschwister gelten als ähnlich verlässlich und an Erfolg und (erwachsenen) Autoritäten orientiert wie die Ältesten. Sie sind oft sehr selbstbewusst, was ihnen den Vorwurf von Verwöhntheit oder Egoismus einbringen kann. Noch stärker als Erstgeborene profitieren Einzelkinder davon, dass die elterliche Aufmerksamkeit und Zuwendung ganz auf ihnen ruht. Das macht sie leistungsfähig, setzt sie aber auch unter manchmal unerträglichen Erwartungsdruck.

simplify-Tipp: Wie konnten Sie als Kind am besten Ihren Willen durchsetzen? Und wie tun Sie das heute? Drohen Sie mit Liebesentzug? Überzeugen Sie hartnäckig mit Argumenten? Gelten Sie als Dickschädel? Wählen Sie als Erwachsener eine Methode, zu der Sie stehen können. Fragen Sie sich auch bei Ihrem eigenen Kind, auf welche seiner Verhaltensweisen Sie am ehesten reagieren (Weinen, Argumentieren, Trotzen, „Nerven“). Wollen Sie die tatsächlich honorieren?


Das Sandwich- Kind

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Mittlere Kinder sind Vermittler. Sie gelten als diplomatisch, kooperativ und gelassen, manchmal auch harmoniebedürftig und konfliktscheu. Oft fehlt ihnen ein „bester Freund“ oder eine „beste Freundin“. Weil sich viele mittlere Kinder weniger von Erwachsenen als von Gleichaltrigen beeindrucken lassen, sehen einige Psychologen sie als geborene Rebellen, die ihre eigenen Wege gehen. Auf alle Fälle lernen sie von Anfang an, hartnäckig zu sein und sich durchzusetzen.

simplify-Tipp: Selbst wenn Ihnen das Streit-Schlichten liegt – fühlen Sie sich nicht bei jedem Konflikt zum Aussöhnen aufgefordert. Stehen Sie zu Ihrer eigenen Position, und die ist bestimmt nicht immer in der „Mitte“. Vermitteln Sie als Erziehende(r) Ihrem Sandwich-Kind in der Kindererziehung so oft wie möglich, wie einzigartig es für sie ist. Versuchen Sie, zumindest 1-mal pro Woche 1 Stunde exklusiv nur mit ihm zu verbringen.

Das Nesthäkchen

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Wie die mittleren, gelten auch jüngste Kinder als gesellig und charmant, sie lassen sich aber im Gegensatz zu den Sandwich-Kids gern verwöhnen. Sie haben häufig eine niedrige Frust-Toleranzschwelle, wenn einmal etwas nicht klappt. Dann neigen Nesthäkchen besonders schnell dazu, die Verantwortung bei anderen zu suchen.

simplify-Tipp: Übernehmen Sie Verantwortung – etwa für die Organisation einer Fete oder für den Ablauf einer Vortragsreihe. Dadurch gewinnen Sie Erfahrung und Vertrauen in die eigene Leistung. Stärken Sie auch bei Ihrem eigenen Nesthäkchen die Eigenverantwortlichkeit, anstatt es über Gebühr zu beschützen. Denken Sie daran, was Ihre „Große“ im selben Alter alles schon allein gemacht hat.

Komplementäre Partnerschaft

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Oft findet sich die Geschwisterkonstellation auch bei Paaren wieder: Ein älterer Bruder tut sich z. B. mit einer Frau zusammen, die eine jüngere Schwester ist, oder eine ältere Schwester mit einem jüngeren Bruder. Eine solche Beziehung kann sehr stabil sein, weil beide Partner ihr gewohntes Verhalten beibehalten können. Das kann eine Ehe aber auch langweilig machen. Liebende sind ja nicht Brüderchen und Schwesterchen. Zu starke Vertrautheit kann das Feuer der Sexualität verkümmern lassen.

simplify-Tipp: Gehen Sie auf die Suche nach neuen Seiten Ihrer Partnerin oder Ihres Partners, die mit den Eigenschaften Ihrer Geschwister nichts zu tun haben.

Parallele Partnerschaft

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Mehr Konfliktstoff gibt es dagegen, wenn sich 2 Älteste oder auch 2 Jüngste zusammenfinden. Wenn beide wie gewohnt den Ton angeben wollen, entsteht Streit. Überprüfen Sie deshalb immer wieder Ihre Position. Möchten Sie das Hotel aussuchen, weil Sie sich im Urlaubsland besser auskennen oder weil Sie es einfach so gewohnt sind? Oft gibt schon diese Überlegung der Diskussion eine konstruktivere Richtung.

Autor: Tiki Küstenmacher


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