Kindererziehung

Kindererziehung: Wenn das Nest plötzlich leer ist


kindererziehung_partnerschaft

So meistern Sie den Auszug der Kinder

Schmieden Sie manchmal Pläne für die Zeit „danach“? Wenn die Kinder groß sind und Sie wieder Dinge tun können, die Sie über Jahre und Jahrzehnte vernachlässigt haben? Viele tun das. Und doch entpuppt sich dieser Lebensabschnitt häufig als ganz schön schwierig. Die New Yorker Buchautorin Linda Burghardt gibt einige Tipps für so genannte „Leer-Nest-Eltern“.

Partnerschaft pflegen

In vielen Ehen haben sich während der langen Stressphasen der Elternzeit und der Kindererziehung ungelöste Konflikte und Spannungen angesammelt. Solche Unstimmigkeiten lösen sich angesichts der neuen Perspektiven nicht einfach auf. Schaffen Sie deshalb Raum für diese Konflikte. Das heißt nicht, dass Sie sich auf der Stelle zusammensetzen und alles klären müssen. Unternehmen Sie mehr gemeinsam: Spaziergänge, kulturelle Veranstaltungen, einen Tanzkurs, ruhig auch gemeinsame Fernsehabende. Das schafft Anlässe genug, um über das eigene Miteinander zu reden. Scheuen Sie sich nicht, gemeinsam eine Beratungsstelle aufzusuchen. Sie sind nicht die einzigen, die in dieser neuen Lebensphase wieder zueinander finden müssen. Wenn Sie dafür aktiv etwas tun, ist das ein gutes Zeichen.

Trauer gehört dazu

Dass die Jahre der engsten Bindung zu den Kindern vorbei sind, das kann auch traurig oder gar depressiv machen. Diese Trauer ist normal. Unabhängig von allem anderen, was passiert ist, haben die Kinder und die Kindererziehung Ihrem Alltag Jahre lang einen Sinn gegeben. Aber sehen Sie nicht nur den Verlust, sondern auch die Chancen, die daraus für alle in der Familie erwachsen.

Neue Horizonte

Nutzen Sie Ihre neue Freiheit, um Dinge zu tun, die Sie lange Zeit aufgeschoben haben. Vielleicht wollten Sie schon seit Jahren mal wieder nach Herzenslust gärtnern, fotografieren, wandern oder im Chor singen. Setzen Sie sich nicht unter Druck. Stellen Sie sich vor, Sie wären im Urlaub und geben Sie sich zunächst die innere Erlaubnis, einfach mal nichts „Bestimmtes“ zu tun.

Enttäuschung zulassen

Falls Sie an Aktivitäten anknüpfen, die Sie vor vielen Jahren aus Zeitmangel aufgegeben hatten, kommen vielleicht bittere Gefühle in Ihnen hoch. Sie fragen sich, weshalb Sie bestimmte Seiten Ihrer Persönlichkeit verkümmern ließen. Verlieren Sie sich nicht in der Vergangenheit, sondern greifen Sie den Faden von damals wieder auf. Lassen Sie Ihre scheinbar verschollenen Persönlichkeitsanteile wieder frei. Auch wenn Sie sich anfangs beim Malen, Musizieren, Töpfern usw. stümperhaft vorkommen: Machen Sie Ihre Erfolge vor sich selbst nicht klein. Geben Sie sich ein halbes Jahr Zeit, bevor Sie Ihre Fortschritte bewerten.

Neue Freundschaften

Suchen Sie sich einen neuen Freundeskreis. Auch wenn Sie über Ihr Engagement für Schule oder Jugendarbeit nette Bekannte gefunden haben: Solche Bekanntschaften fallen oft auseinander, wenn der tägliche Anlass fehlt. Nehmen Sie über andere Kanäle Kontakt zu neuen Leuten auf – über die Kirchengemeinde, Vereine oder ehrenamtliches Engagement im Stadtteil.

Kein Museum

Auch wenn Ihr Kind oder Ihre Kinder noch ab und zu ein Wochenende bei Ihnen verbringen – funktionieren Sie das alte Zimmer so um, dass es zu Ihrem neuen Haushalt passt. Machen Sie einen Fitnessraum daraus oder ein Arbeitszimmer. Oder halten Sie dort eine Schlafgelegenheit für alle Gäste bereit – Für ihre Kinder, aber auch für andere gern gesehene Besucher. Das signalisiert Ihrem Kind: Du bist uns herzlich willkommen. Aber wir freuen uns, dass du erwachsen und selbstständig bist und inzwischen dein eigenes Heim hast.

In Verbindung bleiben

Niemand wird von einem Tag auf den anderen erwachsen und unabhängig. Auch wenn die Kindererziehung abgeschlossen scheint, bleiben Sie trotzdem ein wichtiger Bestandteil des Lebens Ihres Kindes. Ihr Kind durchläuft einen Prozess, den Sie nicht steuern, aber begleiten können, indem Sie weiterhin Kontakt halten, vor allem per E-Mail. Die Feministin Gloria Steinem schreibt: Frauen ab 50, die keinen Computer benutzen, sind wie ihre Mütter, die sich eine Generation zuvor vor dem Autofahren sperrten. Sie kommen nur beschränkt zurecht (gilt natürlich auch für Männer).

Telefonieren Sie – ruhig kurz, aber regelmäßig. So bleiben Sie auf dem Laufenden, was Ihre Tochter oder Ihren Sohn so umtreibt. Besuchen Sie die Website der Ausbildungsstätte oder des Arbeitgebers Ihres Kindes, um sich in seine neue Umgebung einzudenken. Tun Sie das aber nur, wenn Sie sicher sein können, dass Ihr freundliches Interesse nicht als Einmischung oder Spioniererei verstanden wird.

Nicht klammern

Ihr Kind ist jetzt erwachsen. Wenn Sie ihm einen Besuch abstatten, kommen Sie auf keinen Fall unangemeldet – das kann wie ein Kontrollbesuch wirken. Stöbern Sie nicht in seinen Sachen oder machen Sie gar sauber. Den Haushalt führen und seine Wäsche waschen kann und muss Ihr Sprössling jetzt allein. Zollen Sie Ihrem Kind Respekt für seine neue Umgebung, auch wenn sie nicht Ihren Wunschvorstellungen entspricht. Ihr Kind wird Ihnen Ihr Vertrauen danken.


zum nächsten Artikel
zum vorherigen Artikel

Gratis E-Mail Newsletter

Gratis Download:

Best of simplify Gratis-Download

Jetzt für kostenlosen Newsletter eintragen und Sofort-Download sichern. 100% Gratis!