Kindererziehung

Kommunikation: Umgang mit Lästereien


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Was tun, wenn Sie in ein intimes Geheimnis eingeweiht werden?

„Wusstest du eigentlich, dass unser Chef seine Frau mit der Buchhalterin betrügt?“ – „Peter benimmt sich in letzter Zeit so merkwürdig, wenn wir zu zweit sind.“ – „Dir kann ich’s ja sagen: Unser Chorleiter ist schwul!“ Was Ihnen da nebenbei zugetuschelt wurde, kann Sie schnell in ausweglose Situationen führen. Hier die Strategie, mit der Sie richtig mit Lästereien umgehen und einem möglichem Schlamassel entkommen:

Stoppen Sie’s

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Vielleicht will der andere wirklich nur ein Wissen aussprechen, das ihn selbst belastet, oder einen Rat von Ihnen hören. Meist will er aber etwas anderes: eine 3. Person bei Ihnen schlechtmachen. Oder sogar (auch wenn ihm das selbst nicht unbedingt bewusst ist) Sie als Mitwisser in eine Position bringen, die es ihm später erlaubt, Druck auf Sie auszuüben. Das beste Gegenmittel: Lassen Sie es gar nicht erst so weit kommen.

simplify-Rat: Zeigen Sie sich uninteressiert. Wenn in der Kantine, am Kopierer, neben der Kaffeemaschine oder sonst wo jemand mit Ihnen über andere Menschen sprechen (und meist auch herziehen) will: Wechseln Sie das Thema. Wenn das nicht gelingt, sagen Sie’s direkt: „Ich will nicht über Leute reden, die nicht dabei sind.“

Ist es schon passiert, nehmen Sie den intimen Plauderer ebenso konspirativ beiseite, und flüstern Sie ihm zu: „Ich vergesse alles, was du mir erzählt hast.“ Damit signalisieren Sie: Ich werde nichts von diesen Informationen weitergeben und kann dadurch von dir auch nicht erpresst werden.

Vergessen Sie’s

Zum Mitwisser gemacht zu werden ist zunächst höchst schmeichelhaft: Donnerwetter, der andere vertraut mir so sehr, dass er mir das erzählt! Nur: Wem ist damit geholfen? Lassen Sie sich nicht hineinziehen! Natürlich können Sie etwas Gehörtes nicht löschen. Aber es gibt durchaus Wege, das Gedächtnis auszutricksen.

simplify-Rat: Beenden Sie das Gespräch so schnell wie möglich. Beschäftigen Sie sich danach mit etwas ganz anderem. Geben Sie sich keine Zeit zum Grübeln. Reden Sie mit vielen anderen Menschen über völlig verschiedene Sachgebiete. So überlagern Sie die brisante Neuigkeit mit neuen Eindrücken.

Behalten Sie’s für sich

Eigentlich selbstverständlich: Wenn Sie ein pikantes Gerücht über einen anderen Menschen gehört haben, dürfen Sie es nicht weitererzählen. Doch der innere Druck, weitere Menschen einzuweihen – zumindest einen engen Freund oder den Lebenspartner –, ist meist sehr groß. Vielleicht nur deshalb, weil Sie die Last eines unguten Geheimnisses nicht allein tragen wollen. Aber vielleicht auch deshalb, weil Sie denjenigen, um den es geht, nicht leiden können. Klatsch & Tratsch sind ein bewährtes (wenn auch kein adäquates) Ventil für solch eine Abneigung!

simplify-Rat: Teilen Sie es keinem anderen Menschen mit, aber schreiben Sie es sich von der Seele – am besten in Ihr Tagebuch. Oder schreiben Sie einem der Betroffenen einen Brief – den Sie nie abschicken, sondern wegwerfen. Wenn Sie das Gerücht erst einmal schwarz auf weiß vor sich sehen, wird Ihnen vieles klarer werden. Vielleicht – dass es gar nicht stimmt!

Glauben Sie’s nicht

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Viele Gerüchte über andere Menschen sind schlicht unwahr. Aber die Top-secret-Situation lässt so manche windige Vermutung wie ein felsenfestes Faktum wirken.

simplify-Rat: Leider lässt sich der Wahrheitsgehalt meist nicht überprüfen. Denn wenn Sie nach einer Bestätigung suchen, indem Sie andere Leute fragen („Sag mal, wieso duzen sich der Chef und Frau Meier neuerdings?“), heizen Sie die Gerüchteküche erst recht an. Machen Sie’s wie vor Gericht: Dort hat „Hörensagen“ auch eine wesentlich geringere Beweiskraft als ein direkter Zeuge.

Durchschauen Sie’s

Eine besondere Form von intimem Geheimnis sind persönliche Bekenntnisse. Da verrät Ihnen jemand etwas über sich selbst. Etwas, das er bisher noch keinem gestanden hat. Etwas, das keiner wissen darf. Fakt ist: Für Menschen mit bestimmten sexuellen Vorlieben ist es schon ein erotischer Akt, über diese Vorlieben mit anderen zu sprechen. Wer das Geheimnis des anderen kennt, wird damit zu einer eigenartigen Form von Sexualpartner. In den USA bezeichnet man solche intimen Geständnisse als „emotionalen Missbrauch“.

simplify-Rat: Vertrauen Sie Ihrem Gespür: Worum geht es dem anderen – um Ihr offenes Ohr oder um eine unangebrachte Intimität? Machen Sie im letzteren Fall deutlich: Ich durchschaue deinen Trick. Über die Sache zu reden ist für dich wie die Sache selbst. Deshalb breche ich das Gespräch ab. Entfernen Sie sich, auch räumlich. Vermeiden Sie eine Zeit lang den Kontakt.

Die 3 Siebe des Sokrates

Eines Tages kam einer ganz aufgeregt zu Sokrates: „Hast du gehört, was dein Freund getan hat? Das muss ich dir gleich erzählen!“ Da unterbrach ihn der Weise: „Hast du, was du mir sagen willst, durch die 3 Siebe gesiebt?“

„3 Siebe?“, wunderte sich der andere. „Das erste Sieb ist die Wahrheit“, sagte Sokrates, „hast du alles geprüft, ob es wahr ist?“ „Eigentlich nicht, ich hörte es irgendwo …“ „Oh. Aber sicher hast du es mit dem Sieb der Güte geprüft. Ist das, was du mir erzählen willst – wenn es schon nicht sicher wahr ist – wenigstens gut?“ Zögernd sagte der andere: „Nein, eher das Gegenteil.“ „Aha!“, unterbrach Sokrates, „So lass uns das dritte Sieb noch anwenden und fragen, ob es notwendig ist, mir das zu erzählen?“ „Nein, notwendig ist es nicht.“ „Dann“, so lächelte der Weise, „lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit.“

Autorin: Dr. Ruth Drost-Hüttl


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