Kommunikation

Kommunikation: Die Kunst der Kritik


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Wie Sie in der Kommunikation mit anderen optimal einstecken - und austeilen

Einen Rüffel vom Chef, eine Szene vom Partner - das ist niemals angenehm. Aber es lässt sich mehr Gutes daraus machen, als Sie ahnen.

Fassen Sie sich an die eigene Nase

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Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche.

Robert Gernhardt

Sehen Sie es positiv: Auf den Gebieten, in denen Sie selbst Fehler machen, kennen Sie sich am besten aus. Der beste Trainer zum Thema „Schreibtisch aufräumen" ist nicht ein Ordnungsfanatiker, sondern ein Chaot, der an sich gearbeitet hat.

Die Falle: Was Sie an sich selbst nicht mögen (beispielsweise Unpünktlichkeit), kritisieren Sie gern auch an anderen. Das erschwert die Kommunikation und die Zusammenarbeit.

Besser: Als Spezialist für Unpünktlichkeit müssten Sie doch auch den einen oder anderen Trick dagegen entwickelt haben. Den können Sie weitergeben. Trumpfen Sie mit der eigenen Kritik nicht auf, sondern solidarisieren Sie sich: „Das Problem kenne ich, das ist mir auch schon passiert. Dann bin ich auf folgende Lösung gekommen ..."

Wenn Sie selbst kritisiert werden: Nehmen Sie das Sprichwort wörtlich, und fassen Sie sich tatsächlich an Ihre eigene Nase, während Sie getadelt werden. Es ist eine uralte Demutsgeste, die der andere unbewusst versteht. Außerdem erinnern Sie sich dadurch selbst daran, bei der Kommunikation nicht gleich Kontra zu geben, sondern kurz „in sich zu gehen".

Übersehen Sie das Gute nicht

Prüfet alles, und das Gute behaltet.

Apostel Paulus (1.Thessalonicher 5,21)

Kritik ist kein Wert an sich, sondern sollte dazu dienen, die Spreu vom Weizen zu trennen. Trennen Sie (wie es in der Theologie heißt) „Werk und Person". Jemand, der sich nicht ausreichend wäscht, ist deswegen kein schlechter Mensch. Außerdem hat jede schlechte Eigenschaft eine gute Kehrseite. Vielleicht ist der, der immer zu spät kommt, ein sehr engagierter und hilfsbereiter Mensch, der nur schlecht nein sagen kann?

Wenn Sie andere kritisieren: Fragen Sie sich: Was lohnt sich zu behalten? Beenden Sie jede Kritik mit einem kleinen Lob.

Wenn Sie selbst kritisiert werden: Stellen Sie sich vor, Sie hätten einen Mantel mit einem hässlichen Fleck an, und Ihre Kritiker sprächen nur von Ihrem Mantel. Ziehen Sie in Gedanken den schmutzigen Mantel aus, und versprechen Sie, ihn reinigen zu lassen. So vermeiden Sie, dass die Kritik der anderen Ihre Persönlichkeit verletzt.

Selber machen oder Platz machen für den, der es besser kann?

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Das ist die klarste Kritik der Welt, wenn neben das, was ihm missfällt, jemand was Eigenes, Besseres stellt.

Immanuel Geibel

Grundregel, wenn Sie jemanden kritisieren: Geben Sie ihm (oder ihr) die Chance, den Fehler selbst wiedergutzumachen. Dazu braucht er (sie) Ihre Geduld, Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung. Treffen Sie über alle 3 Punkte klare Absprachen. Erst wenn der Betroffene es auch dann nicht schafft, sollte er Platz machen für jemanden, der es kann.

Wenn Sie selbst kritisiert werden: Vermeiden Sie einen Problemstau. Bitten Sie um Hilfe, wenn Sie sich überfordert fühlen. Schauen Sie dem Helfer dann beim Helfen zu, um Ihre Lernbereitschaft zu demonstrieren.

Machen Sie's mit Humor

Je ernster ein Kritiker seine Kritik nimmt, desto kritischer wird er seinen Ernst nehmen.

Christian Morgenstern

Kritik muss weder todernst noch verletzend sein. Kritik, die mit einem ehrlichen Lächeln, einem heiteren Ton und einem Schuss Selbstironie gewürzt ist, wird besser aufgenommen.

Wenn Sie jemanden kritisieren: Bringen Sie Ihr Gegenüber wenigstens einmal zum Lachen. Das klappt nur, wenn der Witz nicht auf Kosten des Kritisierten geht, sondern wenn Sie eine kleine eigene Schwäche karikieren.

Wenn Sie selbst kritisiert werden, gilt eigentlich das Gleiche: Bringen Sie Ihren Kritiker zum Lachen, indem Sie einen Witz auf eigene Kosten machen. Sie müssen sich dabei nicht demütigen, aber der andere sollte erkennen, dass Sie eine gesunde Distanz zu sich selbst haben und lernfähig sind.

Tuten Sie nicht in das Horn der anderen

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Was die Menge hasst, musst du prüfen. Was die Menge liebt, musst du prüfen.

Konfuzius

Vorsicht bei pauschalen Urteilen! Mitläufer haben keinen eigenen Kopf.

Wenn Sie jemanden kritisieren: Maßen Sie sich nicht an, mit Ihrer Kritik für die Allgemeinheit zu sprechen. Sagen Sie: „Ich finde, dass ..." und nicht: „Die gesamte Belegschaft ist der Meinung ..."

Wenn Sie selbst kritisiert werden: Lassen Sie sich nicht auf Pauschalierungen ein. Wenn sich Ihr Kritiker hinter der angeblichen Meinung der Masse versteckt („Ich finde Ihre Arbeit ja ganz gut, aber die meisten hier ..."), lenken Sie die Kommunikation auf die persönliche Ebene: „Was würden Sie jetzt an meiner Stelle tun?"

Beachten Sie die magischen 2 Minuten

Nehmen Sie die Menschen so, wie sie sind. Andere gibt's nicht.

Konrad Adenauer.

Kritik ist eine punktuelle Sache, keine Dauereinrichtung. Optimal ist die 2-Minuten-Kritik: So lange kann man gut sachlich bleiben und inhaltlich alles klar auf den Tisch bringen. Danach sollte Schluss sein. Wer länger kritisiert, wird meistens unsachlich und färbt sein Urteil zu stark emotional ein.

Wenn Sie jemanden kritisieren: Stellen Sie sich innerlich die Uhr. Spätestens nach 2 Minuten sollte der andere zu Wort kommen. Legen Sie die Messlatte nicht zu hoch. Akzeptieren Sie, dass Irren eine Eigenschaft des Menschen ist und kein Verbrechen.

Wenn Sie selbst kritisiert werden: Verteidigen Sie sich mindestens 2 Minuten lang nicht, sondern erlauben Sie Ihrem Kritiker, Dampf abzulassen. Holen Sie nach den 2 Minuten nicht zum Gegenschlag aus, sondern überzeugen Sie in der Kommunikation durch Ihre Standfestigkeit.

Werden Sie ein Meister der Behutsamkeit

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Ich hatte ungeheuer vieles noch nicht gesehen und nicht bemerkt an diesem Menschen, den ich bereits verurteilte.

Fjodor M. Dostojewskij

Verletzen Sie mit Ihrer Kritik niemals die Würde eines anderen Menschen. Gute Kritiker haben ein ausgeprägtes Feingefühl für die Grenzen der eigenen Urteilskraft. Jedes Urteil ist vorläufig. Drücken Sie Ihrer Kritik nicht den Stempel des Endgültigen auf. Wenn Sie dabei etwas völlig abgelehnt oder ausgeschlossen haben, ist Ihr Handlungsspielraum dahin.

Differenzierte Kritik in 3 Stufen

Einen schlechten Autor tadelt man gar nicht; mit einem mittelmäßigen verfährt man milde, gegen einen großen ist man unerbittlich.

Gotthold Ephraim Lessings Stufenregel der Kritik lautet also: Je unerfahrener und jünger, desto mehr Schonung darf man erwarten.

1. Stufe: Anfänger, Auszubildende, Neulinge oder Schüler brauchen anfangs nur Lob und möglichst gar keine Kritik.

2. Stufe: Je fortgeschrittener man ist, desto mehr sollte man auch mit Kritik in milder Form klarkommen. Kritik dient der persönlichen Weiterentwicklung, wenn sie Hand in Hand mit positiver Unterstützung geht.

3. Stufe: Wer auf einem Gebiet Meister werden will, kann von genauer und unerbittlicher Kritik profitieren und auch mit sehr kritischem Urteil konstruktiv umgehen - vorausgesetzt, sein Selbstvertrauen ist nicht zuvor auf Stufe 1 oder 2 zerstört worden.


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