Kommunikation

Kommunikation: Die Wahrheit über die Wahrheit


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Warum eine absolut ehrliche Kommunikation für Firma und Angestellte das Beste ist

Über 90% aller Angestellten geben zu, regelmäßig am Arbeitsplatz zu lügen, so eine weltweit durchgeführte Studie der Unternehmensberatung Fast Company. Wir stellen Firmenchefs vor, die absolute Ehrlichkeit zum inner- und außerbetrieblichen Prinzip gemacht haben. Und das mit großem Erfolg.

Schieben Sie die Wahrheit nicht hinaus

Jim McCann, Chef des weltweit größten Blumenversands 1-800-FLOWERS, erzählt, wie er einen Mitarbeiter - mit dem er befreundet war - unbedingt entlassen musste. Der Mann weigerte sich, die für den Umgang mit dem Internet erforderlichen Kurse zu besuchen, aber der Chef traute sich nicht, ihm die Wahrheit zu sagen. Da traf McCann den berühmten Präsidenten von General Electric, Jack Welch, und erzählte ihm den Fall. Welch: „Wann hat das letzte Mal jemand zu Ihnen gesagt: Ach, hätte ich den unmöglichen Typen doch nur 6 Monate später gefeuert?" Diese Antwort motivierte McCann, seinem Freund sofort die Wahrheit zu sagen. Diese Kommunikation war hart und schmerzte, aber, so McCann, „dieser Schmerz ging für beide schnell vorbei, verglichen mit der qualvoll langen Zeit davor mit meiner gespielten Freundlichkeit. Wahrheit tut kurz weh, Unwahrheit lange. Inzwischen hat der Kollege einen neuen Job, und wir sind immer noch Freunde."

Sagen Sie den letzten Satz zuerst

Seitdem lautet McCanns Regel Nr. 1 für die Kommunikation: „Rücken Sie gleich mit der Wahrheit heraus. Beginnen Sie mit dem Satz, den Sie nach langer Einleitung als letzten sagen wollten." Das gilt für alles: Besprechungen, E-Mails, Memos, Werbung und Reden. Bei Präsentationen mit Folien fragt McCann den Vortragenden, ob er eine Folie hat, auf der alles zusammengefasst ist. Die lässt er sich dann als erste zeigen und bespricht von dort aus die Details.

 

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Verblüffen Sie durch Ehrlichkeit

Chuck House, Chef der Firma Dialogic, begann seine Karriere bei Hewlett-Packard und galt dort als „Mr. Wahrheit". Er ging jeden Morgen ins Büro „mit dem Willen, sich feuern zu lassen". Er redete niemals diplomatisch um den Brei herum und verblüffte Kunden mit ehrlichen Antworten, wenn seine Firma einen Fehler gemacht hatte. Seine Grundregeln:

Bauen Sie ein zwangloses Netzwerk von Leuten in der Firma auf, die Ihnen jederzeit und unverblümt die Wahrheit darüber sagen, wie gut Ihre Arbeit ist.

Sagen Sie die harte Wahrheit auf weiche Weise. Houses Lieblingstechnik war dabei das Szenario: „Was passiert, wenn wir ..."

Tun Sie's. Auch wenn noch nicht alles bis ins Letzte ausdiskutiert ist - fällen Sie eine Entscheidung. Menschen mögen Menschen, die handeln.

Schaffen Sie eine wahrheits-freundliche Atmosphäre

Manche Lügen werden durch die Art der Fragestellung provoziert. Wenn der Chef fragt: „Wie finden Sie meinen Vorschlag?", ruft das womöglich höfliche Unwahrheiten hervor. Die Wahrheit erfährt er eher mit der Aufforderung: „Wie können wir das verbessern?" oder: „Sagen Sie offen, wo es noch klemmt."

Achten Sie darauf, dass der andere zuhört

Wir werden mit so vielen Informationen überschüttet, dass wir häufig nur das hören, was wir hören wollen - der so genannte Videoclip-Effekt. Nutzen Sie diesen Effekt nicht aus. Wenn Sie merken, dass Sie die ungeteilte Aufmerksamkeit Ihres Gegenübers haben, dann sprechen Sie ehrlich und kommen Sie sofort auf den Punkt.

Tragen Sie die Wahrheit mit Leidenschaft vor

Viele Menschen denken, schlechte Nachrichten überbringt man am besten ruhig und analytisch. Debra Speight, Chefin der Krankenversicherung Harvard Pilgrim, rät genau das Gegenteil: „Ich lasse mich am ehesten von Menschen kritisieren, die meine Aufmerksamkeit erregen, die Emotionen zeigen und mich anregen."

Machen Sie Zahlen zugänglich

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Wissen ist Macht - das hältJack Stack, Chef der SRC Holding, für die größte Lüge im Geschäftsleben. Aus dem irrigen Glauben daran halten Mitarbeiter Informationen zurück, anstatt sie allen zur Verfügung zu stellen. „Wer nicht sagt, was er weiß, lügt auch. Und dadurch wird er nicht mächtig, sondern schwach." In Stacks Firma sind die aktuellen Verkaufszahlen, der Gewinn und alle Daten für alle zugänglich. „Wissen ist nicht Macht, sondern eine Bürde. Wenn Sie Wissen teilen, teilen Sie auch die Belastung."  

Trauen Sie sich!

Durch nichts werden so viel Arbeitsstunden, Gelder und Möglichkeiten verschwendet wie durch unwahre Kommunikation. Das ist die Überzeugung des Unternehmensberaters Brad Blanton, der seine Firma daher Radical Honesty Network (Netz der total Ehrlichen) genannt hat. In 25 Jahren Beratung hat er nur 2 Fälle erlebt, in denen ein Mitarbeiter entlassen wurde, weil er offen die Wahrheit gesagt hat. In allen anderen Fällen hat die Wahrheit zwar weh getan, der Chef hat mit Entlassung gedroht - aber meist wurde der unbequeme Mitarbeiter noch im selben Monat befördert und bekam eine Gehaltserhöhung. Blanton: „Stumme Kuscher fallen nicht auf, auch nicht positiv."  

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Stellen Sie einen Schutzengel ein

Warum fällt es vielen Menschen so schwer, die Wahrheit zu sagen? „Weil Menschen sachliche Kritik immer persönlich nehmen", meint William Rosenzweig von der kalifornischen Venture Strategy Group. Deswegen werde bei der Diskussion von Fehlern viel geschönt und geschwindelt. Das zu ändern sei sehr schwer. Rosenzweig hat deshalb das Amt des „Schutzengels" eingeführt: ein ehemaliger Mitarbeiter, der als Ruheständler bei allen wichtigen Meetings dabei ist. Er ist völlig unabhängig, bekommt kein Geld, hat aber Interesse am Dabeisein, weil er die Erfahrungen zum Verfassen von Fachbüchern nutzt. Rosenzweig: „Seit unser Schutzengel unverblümt die Wahrheit sagt, hat sich das Klima in unserem Unternehmen sehr verbessert."

So kritisieren Sie ehrlich und fair

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  1. Kommen Sie bei der Kommunikation sofort zum Thema und spannen Sie den anderen nicht mit Smalltalk auf die Folter.
  2. Sagen Sie klar und ohne Schönreden: „Das muss ich kritisieren, weil ..."
  3. Geben Sie nach mindestens 2 Minuten dem Kritisierten Gelegenheit, sich zu äußern.
  4. Verlangen Sie nicht, dass der andere Ihrer Kritik zustimmt. Er muss „nur" verstehen, dass Sie das Recht und die Pflicht haben, Kritik zu äußern.
  5. Legen Sie gemeinsam fest, was geändert werden muss und bis wann.
  6. Vereinbaren Sie, wer das kontrolliert und wann.
  7. Schließen Sie die Kommunikation positiv: „Sie schaffen das."

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