Kommunikation

Kommunikation: Lebensmut


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So helfen Sie Menschen, die in einer tiefen Krise stecken mit der richtigen Kommunikation

Wenn Menschen aufgrund einer schweren Krankheit oder beim Tod eines geliebten Menschen ihren Lebensmut verlieren, möchte die Umwelt gern helfen – und fühlt sich doch überfordert und hilflos. Wir haben den Krankenhausseelsorger Martin Hezel gefragt, wie Sie anderen in solchen Krisensituationen beistehen können.

Zuerst: Aushalten und wahrnehmen

Das Gegenteil von Lebensmut ist Resignation. Der schwerkranke oder trauernde Mensch lässt sich hängen, zieht sich zurück und reagiert kaum noch auf Initiativen seiner Umwelt. Typische Äußerungen sind „Das bringt alles nichts mehr“ oder „Man muss es halt hinnehmen“.

Das Wichtigste in dieser Situation: Halten Sie aus, dass der andere resigniert hat, statt vorschnell mit Worten trösten und ermuntern zu wollen. Denn Menschen, die tief im Loch stecken, empfinden noch so gut gemeinte Worte oft als billigen Trost. Nehmen Sie wahr, wie es um den anderen steht, und zeigen Sie es ihm durch zurückhaltende Kommunikation, etwa durch ein schlichtes: „Ich sehe, heute geht es dir schlecht.“ Das Gefühl, verstanden zu werden, wird dem Betroffenen guttun.

Erst danach: Finden Sie gemeinsam Kraftquellen

Suchen Sie den Kontakt und das Gespräch. Fahnden Sie dabei gemeinsam nach den – derzeit verschütteten – Kraftquellen des anderen. Für den einen sind das etwa die Kinder oder Enkel, für den anderen der Glaube, für manche die Natur oder die Musik, für manche ein Projekt, für das sie sich engagieren. Auch der verstorbene Partner kann solch eine Kraftquelle sein. Zu einem Witwer können Sie beispielsweise sagen: „Ihre Frau hat sich immer dafür eingesetzt, dass es Ihnen gutgeht. Das ist ihr Vermächtnis. Sie will, dass es Ihnen auch jetzt gutgeht.“

Überschütten Sie den anderen nicht ungefragt mit Ihren Lebenserfahrungen oder Glaubensgewissheiten, aber verbergen Sie diese auch nicht krampfhaft. Bringen Sie in der Kommunikation Ihre eigenen Erfahrungen dort ein, wo diese an die Erfahrungen Ihres Gegenübers anknüpfen. Beispiel: „Meine Mutter ist während ihrer Krankheit oft zu einem bestimmten Platz am Fluss gegangen. Das war ihr Kraftort.“

Bei Schwerkranken: Sehen Sie Leben und Tod

Machen Sie einem Menschen, der an einer tödlichen Krankheit leidet, keine falsche Hoffnung auf dauerhafte Heilung. Lebensmut heißt hier: die (kurze) Zeit, die noch bleibt, lebenswert zu gestalten. Helfen Sie dabei! Schwerkranke möchten oft noch etwas Bestimmtes erleben, beispielsweise die Taufe des Enkelkindes. Manchmal sind es auch

Wünsche aus jungen Jahren, die nie erfüllt wurden: ein Abend in Venedig, ein Fußballspiel live im Stadion. Oft sprechen Kranke nicht über den Tod, weil sie glauben, ihre Umgebung, speziell ihre nahen Angehörigen, schonen zu müssen. Unterstützen Sie den Kampf gegen die Krankheit, aber zeigen Sie auch, dass Sie den Gedanken an den Tod aushalten. Viele Kranke machen sich Gedanken über ihre Beerdigung. Nutzen Sie das als Einstieg.

Übrigens: So mancher Schwerkranke wirkt keineswegs pessimistisch, sondern strahlt einen für Außenstehende merkwürdigen Optimismus aus. Nehmen Sie ihm in diesem Fall nicht die Hoffnung („Du weißt doch selbst, wie schlecht deine Chancen sind“). Lassen Sie ihm den Schutz, den ihm seine Verdrängung gewährt. Er wird von alleine zu dem Punkt kommen, an dem er sich seine Lage eingesteht.

Kampf dem Schmerz

Starke Schmerzen nehmen auch dem lebensfrohsten Menschen binnen kurzer Zeit den Lebensmut. Leidet jemand aus Ihrer Umgebung unter starken Schmerzen, so ermutigen Sie ihn, in eine Schmerzambulanz zu gehen oder sich über eine palliativ-medizinische Versorgung zu informieren. Erst wenn der Schmerz weg oder zumindest erträglich geworden ist, wird der Betroffene wieder empfänglich für Ihre Gesten der Mitmenschlichkeit sein.

Bei Trauernden: Bleiben Sie dran

Trauernde erfahren oft: Nach einigen Wochen mitfühlenden Umsorgtwerdens stehen sie bald ziemlich alleine da. Selbst wenn Ihre Einladungen oder andere Kontaktangebote einige Male abgelehnt wurden – bleiben Sie dran! Auch mit einem Anruf oder einer Karte zeigen Sie: „Ich bin da.“ Machen Sie Kontaktangebote, die vom anderen wenig Kraft und Überwindung erfordern. Laden Sie Ihren verwitweten Nachbarn nicht zum Familienfest mit dazu, sondern fragen Sie ihn, ob er mit Ihnen einen kleinen Abendspaziergang machen möchte oder ob Sie ihn am Wochenende auf den Friedhof begleiten sollen. Auch der Hinweis auf eine Trauergruppe, wie sie etwa von Pfarreien, Beerdigungsinstituten oder Hospizen angeboten wird, ist oft hilfreich.

Konkrete Hilfe

Bieten Sie einem trauernden Menschen Hilfestellung an bei etwas, das er ungern tut – und daher in seiner Verfassung gar nicht erst in Angriff nimmt. Beispiel: Ihre gerade verwitwete Kollegin klagt, sie habe einen Horror vor der Steuererklärung. Sagen Sie zu ihr: „Ich weiß jemanden, der Ihnen dabei helfen kann.“ Nehmen Sie ihr jedoch nicht alles ab. Geben Sie Ihr die Telefonnummer – anrufen muss sie selber. Nach ein paar Tagen haken Sie nach: „Haben Sie Frau Steuerhilfe schon angerufen?“

Trauer oder Depression?

Menschen brauchen unterschiedlich lange, um mit dem Verlust eines geliebten Menschen zurechtzukommen. Wenn Sie jedoch merken, dass eine Witwe/ein Witwer nach 1 Jahr immer noch sehr stark trauert, so leidet sie/er wahrscheinlich unter einer Depression und braucht professionelle Hilfe.

Natürlich gibt es auch nach dem „Trauerjahr“ immer wieder Stimmungstiefs – besonders an speziellen Tagen (Hochzeitstag, Geburtstag, Todestag). Wenn Sie ein solches Tief bemerken, nehmen Sie nach ein paar Tagen noch einmal Kontakt auf: Haben Sie jetzt den Eindruck, dass sich der/die Betroffene noch nicht gefangen hat, so ermutigen Sie ihn/sie zu einem Gespräch mit einem kompetenten Ansprechpartner. Das kann der Hausarzt oder die Telefonseelsorge sein.

Autorin: Dr. Ruth Drost-Hüttl


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