Kommunikation

Verbale Kommunikation: Gewinnen Sie Freunde mit Ihrer Stimme


So lernen Sie, wie Sie andere mit wenigen Tricks besser von sich überzeugen können.

Die Sache ist eigentlich einfach: Wenn Sie interessante, sympathische Menschen kennen lernen möchten, sollten Sie selbst sympathisch und interessant sein. Nur - oft wirken Sie nicht so, wie Sie eigentlich sind. Die amerikanische Kommunikationstrainerin Lillian Glass hat sich darauf spezialisiert, Menschen so wirken zu lassen, wie sie innerlich sein möchten. Und sie tut das mit handfesten Mitteln für die verbale Kommunikation.

Das wichtigste Merkmal: Ihre Stimme!

Das herausragende Erkennungszeichen eines Menschen bei der Beurteilung durch andere ist der Klang seiner Stimme. Sie werden weniger nach dem beurteilt, was Sie sagen als danach, wie Sie es sagen. Deswegen ist es lohnend, sich hiermit besonders intensiv zu befassen.

Sprechen Sie laut

Artikulieren Sie Ihre verbale Kommunikation deutlich und nuscheln Sie nicht. Menschen, die schwer zu verstehen sind, sprechen meistens nicht mit ihrem Luftstrom. Die richtige Sprechweise lässt sich auf einfache Weise trainieren:

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Atmen Sie 2 Sekunden lang durch den Mund ein. Dehnen Sie dabei die Bauchmuskulatur übertrieben aus, ohne den oberen Teil der Brust zu bewegen. Atmen Sie etwa 10 Sekunden lang durch den Mund aus. Wiederholen Sie das mehrmals und sagen Sie dabei „Aah", „Ooh" oder „Uuh". Wenn Sie gespürt haben, wie der Luftstrom Ihre Stimme trägt und ohne Anstrengung verstärkt, wird Ihnen das bald auch beim normalen Sprechen in Fleisch und Blut übergehen.

Modulieren Sie Ihre Stimme

Reden Sie abwechslungsreich: mal kräftig, mal zurückhaltend, mal ernst, mal heiter – auf keinen Fall darf Ihre verbale Kommunikation aber monoton klingen. Führen Sie zum Training folgende Übung durch: Sprechen Sie „Aah" oder einen kurzen Satz („Heute wird es früh dunkel") in verschiedenen Stimmungen (gelangweilt, überrascht, traurig, freudig, ängstlich, mit Mitgefühl, zweifelnd, wütend). Sie werden staunen über Ihre eigenen Möglichkeiten! Trauen Sie sich, Ihre Gefühle in Ihrer Stimme zu zeigen. Damit werden Sie interessanter und attraktiver für andere.

Vermeiden Sie nasales Sprechen

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Umfragen haben ergeben, dass eine nasale Stimme als besonders unsympathisch bei der verbalen Kommunikation empfunden wird. Die entsteht, wenn Sie beim Sprechen den Mund nicht weit genug öffnen.

Dagegen hilft die „Schimpfübung": Öffnen Sie den Kiefer und sagen Sie in schimpfendem Tonfall etwa 10-mal hintereinander in einem Atemzug jeweils die Laute „Jajajajajajajajajaja", „Jejejejejejejejejeje", „Jojojojojojojojojojo" und „Jujujujujujujujujuju". Das weitet Ihren inneren Mundraum und entspannt den Kiefer - gut nicht nur gegen nasales, sondern auch gegen undeutliches Sprechen.

Sprechen Sie in tiefer Tonlage

Frauen mit hoher Stimme wirken naiver und unglaubwürdiger, Männer gestresster und unglaubwürdiger. Je entspannter und „bauchiger" Sie atmen, umso ruhiger und tiefer wird Ihre Stimme klingen. Das trainieren Sie so:

Singen Sie zur Übung zunächst die ersten 3 Töne der Tonleiter: „c d e", das ist etwa der normale Melodieumfang unserer Sprechstimme. Sprechen Sie dann 3-Wort-Sätze und gehen Sie bei jedem Wort 1 Ton hinunter: „Schau (e) mich (d) an (c)." Achten Sie darauf, unter Anspannung nicht in der hohen „e"-Tonlage zu sprechen, sondern auf dem tieferen Grundton „c". Gehen Sie am Ende des Satzes mit der Stimme nicht (wie sonst meistens) hinauf, sondern hinunter. Probieren Sie es bei nächster Gelegenheit in der Praxis aus: Der melodisch abfallende Schluss gibt Ihrer Aussage mehr Gewicht und wirkt Vertrauen erweckend.

So sehen Sie Ihr Gegenüber richtig an

Starren Sie dem anderen nicht immer in die Augen; das kann vereinnahmend und provozierend wirken. Blicken Sie Ihrem Gegenüber stattdessen während der verbalen Kommunikation ins Gesicht: auf den Mund, die Nase, das Kinn. Stellen Sie sich vor, Sie müssten dieses Gesicht aus Ton nachmodellieren – was wäre besonders typisch und auffallend, was besonders liebenswert? Wenn Sie Ihren Blick ausruhen lassen wollen, sehen Sie auf den Boden oder auf Ihre Hände, nicht aber zu lange auf andere Menschen oder in die Ferne. Das kann unaufmerksam und verletzend wirken.

Vergessen Sie diese Regeln!

Befrachten Sie sich nicht mit Verhaltensmaßregeln und Verboten, wenn Sie das nächste Mal unter Menschen sind. Es genügt, wenn Sie während des Lesens dieses Artikels alle beschriebenen Laute und Bewegungen 1-mal ausgeführt haben. Dann hat Ihr internes Bewegungsgedächtnis sie abgespeichert und wird sich daran erinnern, wenn es nötig ist.

Ergänzung: So "bauchatmen" Sie richtig

Seit vielen Jahren korrigiere ich den Atemablauf bei Menschen, die einige Zeit die „Bauchatmung" geübt haben. Manche Menschen kommen mit der Anweisung „Atme mit dem Bauch" (im Abschnitt „Sprechen Sie laut") gut zurecht. Andere jedoch (besonders körperlich schwächer gebaute) verfallen dabei in eine paradoxe Atembewegung. Sie schieben den Bauch heraus, indem sie mit den Flanken oder dem Brustkorb nachhelfen und an diesen Stellen enger werden. Die Lunge wird dabei nicht optimal geweitet, die Sauerstoffaufnahme verringert. Es kann auch zu Druck auf den Kehlkopf kommen, die Stimme klingt gepresst.

Man könnte Ihre Anleitung zum Einatmen vor den Stimmübungen so ergänzen: Atmen Sie 2 bis 3 Sekunden lang durch den Mund ein. Dehnen Sie dabei die Bauchmuskulatur und die Flanken übertrieben aus. Gestatten Sie, dass sich der Brustkorb leicht weitet. Lassen Sie die Schultern locker nach hinten und unten sinken. Die Flankenweitung und der leicht geweitete Brustraum ergeben eine optimale Ausgangslage für die so genannte „Stütze" beim Sprechen, durch die die Luft langsam an die Stimmbänder steigt. Diese können dann gut schwingen. Strömt zu viel Luft an die Stimmbänder, spannen sie sich zu stark an und bremsen den Luftstrom. Das ergibt einen kratzigen, knarrenden oder gedrückten Klang. Oder die Stimmbänder werden schlaff und lassen die viele Luft vorbeistreichen - das ergibt einen verhauchten, kraftlosen Klang.

Mein Beitrag zur Stimmschulung wird ein Kassetten-Übungsprogramm sein, welches in nächster Zeit fertig wird und das Üben für die Sprechstimme einfacher machen wird. Vielen Dank für Ihre Anregungen!

Cornelia Schlandt, Göttingen


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