Kommunikation

Verbale Kommunikation mit Schwerhörigen


Hilfreiche Tipps für das Gespräch mit hörgeschädigten Menschen

Der Kollege leidet unter den Folgen eines schweren Hörsturzes. Das Gehör der 85-jährigen Nachbarin hat in den letzten Jahren kontinuierlich nachgelassen. Der 18-jährige Azubi ist Walkman- und Disco-geschädigt. Rund 15 Millionen Deutsche haben Probleme mit dem Gehör, Tendenz steigend. Ihr Hauptproblem: mangelnde Integration in das Geschehen um sie herum. So können Sie als normal Hörender Schwerhörigen den Alltag durch die richtige verbale Kommunikation erleichtern:

Klarer Beginn

Sprechen Sie einen hörgeschädigten Menschen nicht von hinten an. Denn er hört Sie oft nicht kommen und erschrickt vor Ihrer Stimme. Nehmen Sie Blickkontakt auf, bevor Sie zu sprechen beginnen.

simplify-Tipp: Achten Sie auch während der Unterhaltung darauf, dass Ihr Gesprächspartner Ihr Gesicht, speziell Ihre Mundbewegungen, sehen kann und nicht etwa durch Gegenlicht geblendet wird. Unterstreichen Sie Ihre verbale Kommunikation mit Gesten, Mimik und Körpersprache.

So kommt das Gesagte an

Machen Sie kurze Sätze und artikulieren Sie deutlich, ohne zu übertreiben.

simplify-Tipp: Verzichten Sie auf Pfeife, Zigarette, Kaugummi oder Bonbon im Mund.

Achten Sie auf die Mimik Ihres Gegenübers. Meist zeigt sie Ihnen, ob Sie verstanden werden. Hilfloses Lächeln signalisiert, dass der andere nicht mitkommt, sich aber scheut, das zuzugeben. Setzen Sie nicht auf eine höhere Lautstärke für verbale Kommunikation, denn Schreien verzerrt die Sprache und macht Sie noch schwerer verständlich. Hörgeschädigte sind außerdem oft besonders lärmempfindlich.

Jeder Schwerhörige hat andere Hörprobleme – dem einen entgehen etwa die hohen Töne, dem anderen die tiefen. simplify-Tipp: Testen Sie, wen die schwerhörige Tante am Telefon am besten versteht – die helle Frauenstimme oder die dunkle Männerstimme?

Schriftlich

Geben Sie wichtige Informationen oder schwer verständliche Daten wie Adressen, Telefonnummern oder Daten stets auch schriftlich weiter. Damit stellen Sie sicher, dass auch Schwerhörige Ihren Namen richtig verstehen, Ihrer Präsentation folgen können und die nächsten Termine mitbekommen.

simplify-Tipp: Rücksichtnahme auf ein Handikap ist zwar eine Selbstverständlichkeit. Dennoch haben die meisten gehandikapten Menschen nicht gern das Gefühl, besonders behandelt zu werden. Überreichen Sie Ihre Visitenkarte mit einem allgemeinen Hinweis: „Hier haben Sie auch gleich meine sonstigen Daten.“

Optimale Bedingungen

Sorgen Sie für eine möglichst geringe Geräuschkulisse. Wenn Sie mit einem unter Tinnitus Leidenden ins Restaurant gehen, wählen Sie das ruhige Nebenzimmer und dort einen Tisch am Rand. Mancher Schwerhörige hat eine Seite, auf der er besser hört. Sie sollte dem zugewandt sein, der sich hauptsächlich mit ihm unterhalten möchte. Je mehr Leute anwesend sind, desto schwieriger wird es für Schwerhörige, dem Gespräch zu folgen. Etwas Erleichterung bringt die Gesprächsgrundregel: Lassen Sie einander ausreden.

simplify-Tipp: Sich über eine längere Zeit zu unterhalten, erfordert von Menschen mit Hörproblemen extrem viel Konzentration. Für die verbale Kommunikation gilt daher, beruflich wie privat: lieber kürzer, dafür öfter. Sorgen Sie für Erholungspausen.

Fühlen Sie sich ein

Besonders kränkend für Menschen mit Hörproblemen: Obwohl sie nur akustisch nicht verstehen, werden sie behandelt, als seien sie schwer von Begriff. Oft lässt nach einiger Zeit auch die Geduld nach, all die bisher genannten Regeln immer wieder zu beachten.

simplify-Tipp: Sehen Sie die schwerhörige Person dann wenigstens an und versichern Sie ihr ohne Worte, dass zwischen Ihnen alles in Ordnung ist.

Autor: Tiki Küstenmacher


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