Kommunikation

Verbale Kommunikation mit "Sie" und "Du"


So werden Sie stilsicher für Ihre verbale Kommunikation

Noch vor wenigen Jahrzehnten herrschten relativ starre Konventionen in dieser Frage, und das "Sie" war unter Erwachsenen Standard. Heute kommt das "Du" vielen Menschen einfacher über die Lippen, aber der stilsichere Umgang damit für eine gelungene verbale Kommunikation ist dadurch eher schwerer geworden. Hier ein paar moderne Regeln.

Du ist nicht gleich Du

verbale_kommunikation_du

Vielleicht erinnern Sie sich noch an Situationen in Ihrer Kindheit, in der Ihre Eltern mit anderen Erwachsenen vom Sie zum Du übergingen. Dieses Zeichen persönlicher Freundschaft und Nähe wurde erst nach einem längeren Kennenlernprozess angeboten. Heute dagegen ist das Du in vielen Bereichen üblicher Bestandteil für eine freundliche verbale Kommunikation: in der Werbe- und Modebranche, unter Handwerkern, unter Müttern kleiner Kinder, in manchen Sport- und Musikgeschäften, auf der Berghütte („wir Sportler/Musiker/ Bergsteiger“).

simplify-Tipp: Interpretieren Sie das Du nicht automatisch als Zeichen von Vertrautheit, sondern wahren Sie die Distanz, die der Beziehung entspricht. Beispiel: Sie haben auf der Berghütte Ihren Hausarzt geduzt, weil dort das allgemeine Du galt. Er hat es Ihnen aber nicht ausdrücklich angeboten. Dann sollten Sie im Alltag wieder zum Sie zurückkehren.

Wer bietet wem das Du an?

Im Geschäftsleben ist es das Vorrecht des/der Vorgesetzten, bei Gleichrangigen kann jede(r) die Initiative ergreifen. Im Privatleben überlässt der/die Jüngere dem/der Älteren diesen Schritt. Geringe Altersunterschiede sind dabei allerdings egal, innerhalb einer Generation kann jede(r) den Vorschlag machen.

simplify-Tipp: Bietet Ihr Vorgesetzter Ihnen auf einer Betriebsfeier nach dem Genuss von reichlich Alkohol das Du an, so sprechen Sie ihn bei der nächsten Begegnung besser wie gewohnt per Sie an. Erst wenn er Sie daraufhin an das Du erinnert, sollten Sie das Angebot annehmen.

So machen Sie den 1. Schritt

Beim Angebot des Du handelt es sich um einen Wunsch, den Sie äußern. Formulieren Sie ihn so, dass der/die andere ihn auch abschlagen kann, ohne unhöflich zu wirken. Beispiel: „Wir arbeiten jetzt schon so lange intensiv und gut miteinander, dass ich mich freuen würde, wenn wir zum Du übergehen würden. Ich bin aber davon überzeugt, dass sich an unserer guten Beziehung nichts ändern wird, wenn Sie weiterhin das Sie bevorzugen.“ Wenn Ihr Gegenüber daraufhin ablehnt, wird das Ihrer guten Beziehung keinen Abbruch tun.

simplify-Tipp: Wer zu einer festen Gruppe neu dazu stößt, in der das Du üblich ist, tut sich manchmal schwer mit der richtigen Anrede. Besonders wenn er viel älter oder jünger ist als die anderen. Wenn Sie merken, dass der Neue die kühnsten sprachlichen Verrenkungen macht, um eine Festlegung zu vermeiden, helfen Sie ihm. Sagen Sie: „Sie haben schon gemerkt, wir duzen uns alle. Das ist aber kein Zwang, Sie dürfen das so halten, wie Sie möchten.“

Ablehnen erlaubt!

Wird Ihnen das Du angeboten, dürfen Sie selbstverständlich ablehnen. Lassen Sie sich jedoch zuvor zumindest ein paar Sekunden Zeit, darüber nachzudenken, ob Ihnen daraus Nachteile erwachsen könnten, vor allem im beruflichen Kontext. Und so geht’s diplomatisch: Bedanken Sie sich als Erstes für das Angebot und erklären Sie anschließend, warum Sie es nicht annehmen möchten. Verweisen Sie dabei nicht auf das persönliche Verhältnis zwischen Ihnen beiden (etwa mangelnde Sympathie), sondern auf grundsätzliche Prinzipien. Beispiel: „Wenn ich Ihr Angebot annehme, dann hätte ich es schwer, bei anderen Kollegen abzulehnen. Ich bin aber nicht der Typ, der sich mit so vielen duzen mag.“

simplify-Tipp: Das Angebot kommt Ihnen zu früh, Sie möchten das Du aber für die Zukunft nicht ausschließen. Dann bauen Sie jetzt schon vor: „Es hat nichts mit Ihnen persönlich zu tun, ich brauche immer etwas Zeit für diesen Schritt. Darf ich auf Ihr Angebot zurückkommen, wenn ich so weit bin?“

Vom Du zum Sie

In beruflichen Situationen kann es sinnvoll sein, temporär aufs Sie überzugehen, etwa für die verbale Kommunikation im offiziellen Schriftverkehr, vor Kunden oder in einer Besprechung, in der Sie auch alle anderen siezen. Ein Du tatsächlich zurückzunehmen, heißt dagegen in der Regel, die Beziehung nachhaltig zu stören.

simplify-Tipp: Anders liegt der Fall, wenn Sie jemanden von klein auf kennen. Dann ist es angebracht, den nunmehr Erwachsenen zu siezen. Ein guter Kompromiss ist die Variante „Sie plus Vorname“. Oder Sie lassen sich Ihrerseits duzen.

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