Kommunikation

Verbale Kommunikation ohne verletzte Gefühle


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6 kluge Fragen gegen unbedachte Worte

Ein witzig gemeinter Spruch, harmloser Klasch und Tratsch, ein Zornausbruch oder eine gedankenlose Bemerkung: Sind Worte einmal ausgesprochen, lassen sie sich nicht mehr zurückholen. Ein amerikanisches Autorentrio um den Psychologieprofessor Richard Heyman hat 6 Fragen entwickelt, die Ihnen helfen, solche peinlichen Situationen für Ihre verbale Kommunikation zu vermeiden. Oft hilft es bereits, sich 1 oder 2 der Fragen zu stellen.

1. Mit wem spreche ich?

Denken Sie an die Beziehung, die Sie mit Ihrem Gegenüber verbindet. Besonders dann, wenn es eine Person ist, die Sie lieben. Denn dann ist die Hemmschwelle für verletzende Worte meist weitaus niedriger als bei Menschen, zu denen Sie ein eher distanziertes Verhältnis haben.

Beispiel: Bevor Sie Ihren Sohn mit „Nur ein Vollidiot macht 3-mal denselben Fehler!“ abbügeln, halten Sie einen Moment inne und sagen sich innerlich: „Ich spreche mit meinem Sohn, den ich sehr liebe und dem ich helfen will, die Schule zu bestehen.“

2. Was habe ich (noch) nicht wahrgenommen?

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Dunkeln und haben ein großes Gemälde vor sich, von dem Sie mit Ihrer Taschenlampe einen kleinen Ausschnitt beleuchten. Richten Sie die Lampe auf andere Bereiche des Bildes, z. B. auf die Gründe Ihres Gegenübers für sein Verhalten, auf seine Persönlichkeit oder auf seine momentane Situation. Welche weiteren Personen sind mit auf dem Bild und damit von Ihren Worten indirekt betroffen?

Beispiel: Eine flapsige Bemerkung über die Augenringe Ihrer Kollegin („Du siehst aus, als hättest du am Wochenende gut gebechert!“) liegt Ihnen schon auf der Zunge? Denken Sie daran, welche weniger erfreulichen Gründe es für eine schlaflose Nacht geben könnte.

3. Wie wird mein Gesprächspartner reagieren?

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Viele Menschen sind so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass sie wenig Gedanken darauf verschwenden, wie ihr Gegenüber ihre Worte aufnehmen wird. Fragen Sie sich, ob Ihre Worte tatsächlich das erreichen werden, was Sie bewirken wollen.

Beispiel: Sie möchten, dass Ihre Nachbarin ihren Putzdienst in Treppenhaus und Keller gründlicher macht. Wird eine detaillierte Aufzählung all ihrer Versäumnisse Ihre Nachbarin dazu bringen („Endlich weiß ich, was zu tun ist“), oder werden Sie dadurch eine Abwehrreaktion erzeugen („Der kann ich ohnehin nie etwas recht machen!“)?

Oft wirken aber auch gut gemeinte Worte verletzend.

Beispiel: Mit Komplimenten wie „Für dein Alter siehst du großartig aus“ oder „Ich hätte nie gedacht, dass du das schaffst“ werden Sie eher Verstimmung als Freude hervorrufen.

4. Wohin könnten meine Worte führen?

Mit dieser Frage schauen Sie über die unmittelbare Reaktion Ihres Gesprächspartners hinaus auf mögliche längerfristige Konsequenzen. Welchen Einfluss werden Ihre Worte auf Ihre Beziehung zu dieser Person und zu anderen Menschen haben?

Beispiel: Wenn Sie Ihre Kollegin Monika vorab und im Vertrauen über Ihre Kündigung informieren, wird sie sich wahrscheinlich geschmeichelt fühlen. Erzählt sie die Nachricht jedoch weiter, werden andere Kollegen vermutlich enttäuscht darüber sein, es nicht direkt von Ihnen gehört zu haben.

5. Warum muss ich überhaupt etwas sagen?

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Oft werden Sie feststellen: Es geht auch ohne!

Beispiel: Worüber Sie sich gestern aufregten, kommt Ihnen heute lächerlich vor. Der niedergeschlagene Freund ist schon dadurch getröstet, dass Sie seinen Klagen aufmerksam zugehört haben – ganz ohne große Worte! Sie kommen mit Ihren Kolleginnen auch dann klar, wenn Sie sich nicht an der Gerüchteküche beteiligen.

6. Wann sage ich es am besten?

Der beste Zeitpunkt ist, pragmatisch gesehen, der, zu dem Sie am ehesten Gehör finden. Achten Sie nicht nur auf Ihre eigene Stimmung („Kann ich ruhig sprechen?“) und das Befinden des anderen, sondern auch auf den äußeren Rahmen, z. B. eventuelle Zuhörer.

Beispiel: Kritisieren Sie Ihre Kinder nicht vor deren Freunden. Reden Sie in der Öffentlichkeit nicht über andere Menschen. Reißen Sie in größerer Runde keine Witze, mit denen Sie die religiösen Gefühle anderer verletzen könnten.

June Paris/Rachel Small/Richard Heyman: But I Didn’t Mean That. New Harbinger Publications, Oakland 2007. ISBN-13: 978—1-57224-488-7, 18,21 €.

Autorin: Dr. Ruth Drost-Hüttl


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