Weitere Finanztipps

Entstressen Sie Ihre Finanzen


Herr Nix ist frustriert, weil er bei der Gehaltserhöhungsrunde mal wieder leer ausgegangen ist. Frau Börsig überwacht auch im Urlaub täglich ihre Aktien. Herr und Frau Spar streiten permanent mit ihren Teenagern über deren Einkaufsfreude. Unabhängig von der Höhe ihres Einkommens – das Thema „Geld“ sorgt bei vielen Menschen für Stress. Die beiden Amerikaner Dr. Brad Klontz und Dr. Ted Klontz (Vater und Sohn) haben viele Menschen in puncto Finanzen beraten – hier das Herzstück ihrer Erkenntnisse.

Kennen Sie Ihre finanzielle Komfortzone?

Ihre finanzielle Komfortzone ist wie ein Wohnviertel, in dem Sie sich zu Hause fühlen. In dieser Komfortzone gelten bestimmte Ansichten: Wie sind „Schlechtverdiener“ und „Gutverdiener“ definiert? Wofür sollte man sein Geld ausgeben? Ist es o.k., Schulden zu machen? In Ihrer Kindheit wird Ihre finanzielle Komfortzone geprägt. Verdienen Sie später entscheidend mehr oder weniger, ziehen Sie um in ein Wohnviertel, in dem es völlig anders zugeht – und fühlen sich dort entsprechend fremd.

simplify-Rat: Notieren Sie stichpunktartig möglichst frühe und konkrete Erlebnisse. Wie haben Sie sich dabei gefühlt? Welche Lehre haben Sie daraus gezogen? Beispiel: Als Sie sechs waren, hat Ihre Mutter Sie in den weit entfernten Laden geschickt, weil die Butter dort 10 Pfennig billiger war. Gefühl: verwundert. Lehre: Sparsamkeit ist wichtig!

Hinterfragen Sie Ihre Geldüberzeugungen

Betrachten Sie solche Einsichten wie ererbte Möbelstücke. Entscheiden Sie, welche Sie davon behalten und welche Sie durch neu gekaufte Möbel ersetzen wollen. Ihre Wohnung wird auch gewinnen, wenn Sie das eine oder andere Erbstück verrücken oder für andere Dinge nutzen. Beispiel: Lautet Ihr Grundsatz: „Ich zeige meine Zuneigung, indem ich finanziell großzügig bin“, müssen Sie ihn nicht ersetzen durch: „Geld hat mit Beziehung gar nichts zu tun“. Überprüfen Sie, in welchen Situationen der alte Satz noch gilt, weil Ihre Großzügigkeit anderen tatsächlich guttut. Wann ist er fehl am Platz? Etwa wenn Sie Ihrem Teenie „einfach so“ ein neues Smartphone spendieren, nachdem er das alte verloren hat. Oder wenn sich Ihre Freunde unwohl fühlen, weil sie Ihre teuren Essenseinladungen nicht erwidern können.

simplify-Rat: Ein guter Test für Ihre Überzeugungen ist die Frage, ob Sie diese Möbelstücke an Ihre Kinder weitervererben wollen.  

Sind Sie ein Geldvermeider?

Typisch: „Geld, das ich nicht selbst verdient habe, gehört mir nicht richtig.“ – „Geld korrumpiert.“ – „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“ Geldvermeider lassen sich in 4 Typen (mit Überschneidungen) einteilen:

1. Sie ignorieren Geld möglichst. Sie sehen keine Bankauszüge an, überlassen die finanzielle Verantwortung Ihrem Partner, reden mit Ihren Kindern nicht über Geld, kümmern sich nicht um Ihre Altersvorsorge.

2. Sie lehnen Geld ab. Sie verhandeln nie über Ihr Gehalt, verkaufen sich als Freiberufler unter Wert, geben Ihr Geld rasch aus, damit Ihr Konto leer bleibt.

3. Sie geben möglichst wenig Geld aus. Es kommt Ihnen falsch vor, Wohlstand zu genießen.

4. Sie vermeiden finanzielles Risiko. Sie investieren nur in Staatsanleihen, kaufen keine Wohnung (obwohl Sie es sich leisten könnten), weil Sie keinen Kredit aufnehmen wollen.

simplify-Rat: Machen Sie Geld zum Thema – zu Ihrem Thema. Erweitern Sie Ihr Wissen, kontinuierlich. Lesen Sie jeden Tag einen Artikel aus dem Wirtschaftsteil Ihrer Zeitung, dessen Überschrift Sie anspricht. Managen Sie Ihre Finanzen: Kontrollieren Sie an einem monatlichen Geldabend Ihre Bankauszüge. Vereinbaren Sie mit sich, ab welcher Summe auf dem Girokonto Sie Geld anlegen, statt es dort anzuhäufen. Machen Sie sich in puncto Altersvorsorge schlau. Kaufen Sie von Ihrem Erbe etwas Bleibendes. Reden Sie in der Familie über Geld – anlässlich eines gemeinsamen Einkaufs, im Rahmen Ihrer Urlaubsplanung oder einer Mieterhöhung. Verhandeln Sie über Ihr Gehalt – nicht, weil Sie unbedingt mehr brauchen, sondern weil es eine Würdigung Ihrer guten Arbeit darstellt. Zeigen Sie Ihrem Geld, dass Sie es schätzen, indem Sie es für etwas Sinnvolles verwenden.

Oder ein Geldliebhaber?

Typisch: „Wenn ich nicht gut verdiene, bin ich nichts wert.“ – „Was ich wirklich möchte, werde ich mir niemals leisten können.“ – „Ich bin eben ein Gewinnertyp.“ – „Geld ist zum Ausgeben da.“ Auch hier lassen sich 4 Typen unterscheiden:

1. Sie kaufen, kaufen und kaufen, weil Ihnen die Dinge Sicherheit geben.

2. Sie werfen Ihr Geld zum Fenster hinaus – weil Ihnen das Geldausgeben an sich Freude macht.

3. Sie sind ein Workaholic, der seinen Wert über seine berufliche Position und sein Gehalt definiert.

4. Sie sind ein Zocker – sei es bei der Geldanlage oder beim Lotto, in Spielbanken oder im Internet.

simplify-Rat: Finden Sie heraus, was Ihr Umgang mit Geld Ihnen bringt – Sicherheit, Selbstwertgefühl, Freude, Spannung ... Wie können Sie sich all das ohne Geldausgeben holen? Beispiele: Bauen Sie sich ein gutes Netzwerk von Freunden auf, und betrachten Sie das als Ihre Sicherheitsgarantie. Engagieren Sie sich in Ihrer Freizeit für Menschen in Not, und erfahren Sie dabei, dass Sie als Mensch zählen und nicht als Top-Verdiener. Machen Sie sich immer wieder einmal einen schönen Tag mit wenig Geld (z. B. Familienpicknick statt Ausflugsgaststätte). Suchen Sie sich Nervenkitzel, der Sie nicht finanziell in große Gefahr bringt. Achtung: Fügt Ihr Verhalten Ihnen ernsthaften Schaden zu (finanziell, Gesundheit, Beziehungen), sollten Sie sich professionelle Hilfe holen (z. B. bei einer Schuldner- oder Spielsuchtberatung).

Oder sind Ihre Beziehungen geldgesteuert?

Typisch: „Je teurer mein Geschenk, desto mehr ist mir die Person wert“ (und umgekehrt). – „Hier bestimme ich, schließlich verdiene ich das Geld.“ – „Wenn ich die Verwandtschaft finanziell nicht unterstütze, wird man mich nicht mehr mögen.“ Die 4 Typen:

1. Sie sind in puncto Geld unehrlich gegenüber Ihrem Partner. Sie behaupten, für eine persönliche Anschaffung weniger bezahlt zu haben, als es tatsächlich gekostet hat.

2. Sie manipulieren Ihre Kinder übers Geld, etwa indem Sie sie als Botschafter bei finanziellen Auseinandersetzungen mit Ihrem Ex-Partner nutzen.

3. Sie sind gegenüber anderen finanziell stets großzügig – und erwarten, dass die das honorieren.

4. Sie sind vom Geld eines anderen Menschen abhängig. Sie verlassen sich z. B. darauf, dass Ihr Partner Karriere macht, während Sie in einem schlecht bezahlten Beruf hängen bleiben.

Typ 3 und Typ 4 setzen „Geld“ oft mit „Liebe“ gleich.

simplify-Rat: Trennen Sie Geld und Beziehung. Schenken Sie Zuneigung, indem Sie sich Zeit nehmen – durch Komplimente oder ehrliches Interesse. Stehen Sie zu finanziellen Zusagen, auch wenn Sie sich über Kind/Ex-Partner/Mitarbeiter geärgert haben. Bei häufigem Geldärger in der Partnerschaft hilft es, „mein“ und „dein“ Geld klarer zu trennen. Eröffnen Sie getrennte Konten, und legen Sie gemeinsam fest, wer für was finanziell verantwortlich ist.

 

Autorin: Ruth Drost-Hüttl


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