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Reichtum: Das Paradoxon des Glücks


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Warum immer mehr Geld nicht noch glücklicher macht

Der Schweizer Wirtschaftswissenschaftler Mathias Binswanger untersucht seit vielen Jahren den Zusammenhang zwischen dem subjektiven Glück der Menschen und den wirtschaftlichen Verhältnissen, in denen sie leben. Aus wissenschaftlich gut gesicherten Befragungen aus vielen Ländern der Welt lässt sich klar folgende These ableiten: Ab einer bestimmten Höhe bringt zusätzliches Einkommen und größerer Reichtum keine Steigerung des Wohlbefindens, sondern sogar mehr Probleme und mehr Stress.

Große internationale Unterschiede

Am unzufriedensten sind nach der World Values Survey die Menschen in den Staaten der Ex-UdSSR, dann kommen die Schwellenländer – unter denen die Lateinamerikaner noch am glücklichsten wirken – und dann die Wohlstandsländer der EU. Ostdeutsche sind weniger glücklich als die Westdeutschen. An der Weltspitze liegen Schweiz und USA.

Das gemeinsame Muster aller Länder: Bis etwa 15.000 Dollar Einkommen pro Kopf und Jahr steigt das Wohlbefinden seiner Bürger. Doch über die 15.000 Dollar hinaus wächst das Glücksgefühl verblüffend wenig. So sind die Schweizer deutlich glücklicher als Menschen in Moldawien, Ukraine oder Peru, wo das Pro-Kopf-Einkommen deutlich unter 15.000 Dollar liegt.

Hingegen unterscheidet sich das Glücksempfinden der Schweizer nicht wesentlich von dem der Menschen in Puerto Rico, Südkorea oder Taiwan, obwohl diese deutlich weniger verdienen – aber ihr Einkommen liegt bereits in der Nähe der 15.000-Dollar- Schwelle.

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Das Vergleichs-Syndrom

Anders sieht es aus, wie Arme und Reiche ihr Glücksniveau einstufen. In allen Ländern empfinden sich die Reichen deutlich mehr als „happy“ als ihre armen Mitbürger. Es ist wissenschaftlich erwiesen: Menschen fällen das endgültige Urteil über ihren Grad an Glück im Vergleich mit anderen. Die Gründe:

Der Eisbergeffekt: Die da oben im Licht sieht jeder bestens, weil unsere subjektive Sicht viel stärker nach oben als nach unten blickt. Diejenigen, denen es schlechter geht, blenden Menschen leichter aus. Fernsehen und Printmedien berichten bevorzugt über erfolgreiche Menschen mit interessanteren Tätigkeiten.

Das Mittelwert-Dilemma: Wer sich innerhalb der Einkommenspyramide mit dem Durchschnitt vergleichen will, fällt auf eine geometrische Binsenweisheit herein. Der Durchschnitt zwischen Sozialhilfeempfänger und Millionär liegt viel tiefer, als die meisten schätzen.

Die große Mehrheit empfindet sich in der unteren Hälfte und wertet sich ab, unabhängig vom Faktum: Das monatliche Nettodurchschnittseinkommen je Haushaltsmitglied liegt in Deutschland bei rund 1.200 Euro.

Motivationsbremse Neid

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Ein Experiment einer US-Universität zeigt, wie hemmend der vergleichende Blick auf die anderen wirkt. Die Befragten hatten die Wahl zwischen 2 Möglichkeiten: a) Sie verdienen 60.000 Dollar pro Jahr, Ihre Kollegen 50.000. b) Sie verdienen 80.000 Dollar pro Jahr (25 % mehr als in der ersten Option!), Ihre Kollegen hätten jedoch 90.000 Dollar.

Die große Mehrheit wählte überraschenderweise Option a), würde also auf 20.000 Dollar Mehreinkommen verzichten, nur um mehr zu verdienen als die Kollegen. Durch die vielen Vergleiche mit unseren Mitmenschen hören wir auf zu überlegen, wo Reichtum anfängt und wie viel wir brauchen.

Geld, die überschätzte Glücksquelle

David Kahnemann, Nobelpreisträger für Wirtschaft, untersuchte die Frage, welche Aktivitäten glücklich machen. 1.000 berufstätige texanische Frauen ließ er eine Art Glückstagebuch schreiben. Ergebnis: Auf den ersten 4 Positionen standen Tätigkeiten, die kaum Geld kosten (Sex, Freunde treffen, essen, entspannen). Finanzieller Reichtum ist für spontane Glücksmomente also nicht notwendig. Die 3 wichtigsten Unzufriedenmacher dagegen waren die Fahrt zur Arbeit, die Arbeit selbst und die Heimfahrt nach Hause.

Also lieber arbeitslos zu Hause? Oh nein! Ein Mensch, der seinen Beruf verliert, so der Psychologe und Glücksspezialist Edward Diener, wird dadurch sehr und vor allem langfristig unglücklich – sogar nachdem er wieder eine neue Stelle gefunden hat.

Einsamkeit, die unterschätzte Unglücksquelle

Der Glücksforscher Mihaly Csikszentmihalyi untersuchte, mit wem Menschen am liebsten zusammen sind. Spitzenreiter waren Freunde, Verwandte und der Partner. Am Ende der Skala fand sich wieder die personifizierte Arbeitswelt: der Chef. Noch schlimmer jedoch ist das Alleinsein. Obwohl sich viele Menschen nach des Tages Last und Mühen aufs Nichtstun und Alleinsein freuen – nichts senkt auf Dauer das Glücksempfinden so sehr wie das Übermaß an einsamer Muße.

Empfehlungen zum Glücklichwerden

  • Das Glückstagebuch ist einer der effizientesten Wege zu einer optimistischeren Weltsicht. Schreiben Sie mindestens 1-mal pro Woche auf, wofür Sie dankbar sein können, von den ganz kleinen Dingen bis zu den großen. Variieren Sie Ihre Einträge, dann bleibt Ihr positives Lebensgefühl frisch.
  • Gutes tun macht glücklich. Helfen Sie anderen, geben Sie Trinkgeld, engagieren Sie sich sozial, lassen Sie anderen den Vortritt ... mit jeder kleinen und großen Tat belohnen Sie sich selbst.
  • Schreiben Sie einen Dankesbrief an Ihren Lieblingslehrer von früher, an einen Mentor, dem Sie beruflich etwas verdanken. Besuchen Sie Menschen, die Meilensteine waren in Ihrem Leben.
  • Vergeben Sie den Menschen, von denen Sie verletzt oder betrogen wurden. Rachegelüste und feindselige Gedanken sind die zuverlässigsten Unglücklichmacher Ihrer Seele. Werfen Sie sie raus!
  • Tun Sie Ihrem Körper etwas Gutes. Genug Schlaf, genug Bewegung, genug Lachen und genug gesunde Nahrung. Das ist der Grundstock für ein glückliches Leben und der wirkliche Reichtum.
  • Entwickeln Sie Strategien für harte Zeiten, denn früher oder später werden welche kommen. Bereiten Sie sich vor. Nähren Sie Ihren religiösen Glauben, bauen Sie Ihr Netzwerk: Menschen, zu denen Sie gehen können, wenn es Ihnen einmal schlecht geht.
  • Finden Sie Ihren Glücksplatz. Seien Sie (z. B. im Beruf) lieber ein großer Frosch in einem kleinen Teich als ein kleiner Frosch in einem großen See!

 

 


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