15.06.2011

„Achtung!“ Ihr Navi weiß nicht mehr weiter …


Ich erinnere mich noch gut an die Meldung, dass ein Autofahrer so sehr seinem Navi vertraut haben soll, dass er mit dem Wagen in einen See fuhr. „Mir kann das nicht passieren“, dachte ich damals. Und erst neulich schrieb ich darüber, dass ich auch ohne Navi ganz gut den Weg finde.

Doch in der heutigen Zeit bleibt es nicht aus, dass auch ich meine Erfahrungen mit der Navigation „von oben“ mache. So geschehen an Christi Himmelfahrt und an Pfingstsamstag. Aber der Reihe nach:

Am Vatertag machte ich einen Ausflug ins Nachbarland Frankreich. Wir besuchten Bekannte auf einem Campingplatz. Auf dem Hinweg fuhren wir diesen hinterher, für den Rückweg bekamen wir ein Navigationsgerät geliehen. Ich war eigentlich dagegen, hatte ich mir die Route ja vorher schon auf der Karte angeschaut und für unkompliziert befunden. Aber meine sicherheitsbedürftige Mitfahrerin sagte: „Nee, nee, wir nehmen das Navi mit – das ist besser!“

Und was soll ich sagen? Das Gerät führte uns einwandfrei nach Hause! Ich ließ mich unterwegs zwar kurz täuschen und folgte lieber den Wegweisern anstelle der weiblichen Computerstimme – aber dank der vielen Kreisverkehrslösungen in Frankreich hatten wir uns schnell wieder um 180 Grad gedreht und brav dem Navi angeschlossen. Das einzige, was ich an diesem Abend nicht vertrug, waren die vielen „Achtung!“-Rufe des Navis. Ich zuckte jedes Mal zusammen und erschrak, weil ich gar nicht wusste, wo ich bei „Achtung!“ hinzugucken hatte. Dieser Ruf kam quasi aus dem Nichts … Ich lernte dann mit der Zeit, dass diese Warnungen dann ausgesprochen wurden, wenn ich zu schnell fuhr. Machte nichts. Ich erschrak trotzdem.

Dann die zweite Navi-Erfahrung, die weitaus prägender war: Weil ich auf der Fahrt zu einem Seminarort innerhalb kürzester Zeit viermal die Autobahn wechseln musste, lieh mir mein Vater sein Navi. Das sagt übrigens nicht „Achtung!“, sondern gibt nur einen dezent-warnenden Ton von sich, wenn ich zu schnell fahre. Sehr angenehm.

Ich konnte mich also schön zurücklehnen, mein Ortungssystem im Kopf abschalten und mich navigieren lassen. Bis zu dem Schild, das mir anzeigte, dass meine Autobahnabfahrt gesperrt sei. Ich musste eine Abfahrt früher raus. Und ich vertraute meinem Navi. „Jetzt links abbiegen, dann gleich rechts abbiegen.’“ Zu dumm nur, dass das Land dort gerade eine Ortsumgehung baut. Ich fuhr links, ein Rechts gab es nicht, und so fuhr ich gefühlt in die falsche Richtung. Ich bekam aber kein „Bitte wenden!“, weshalb ich brav weiter den Anweisungen folgte. Im nächsten Ort gab es netterweise noch eine Baustelle, aber mein Navi führte mich ohne mit der Wimper zu zucken „rechts in die Bahnhofstraße, dann gleich rechts in die Albert-Schweitzer-Straße“. Ich dachte: „Na, das ist ja wenigstens die richtige Himmelsrichtung.“

Dann kam: „Jetzt rechts in die Körnerstraße.“ Ich verschaffte mir kurz einen Straßenschilder-Überblick und erhaschte, dass es sich bei der Körnerstraße – wegen der Baustelle – um eine Sackgasse handelte. In Gedanken bedankte ich mich bei meiner Navigation und nahm das Steuer ab da wieder selber in die Hand. Ich fuhr den ganzen Weg bis zur Autobahnausfahrt zurück und dann in die Richtung, von der ich dachte, dass dort mein Ziel liegt. Seltsamerweise hielt sich das Navi auf dieser Rückfahrt sehr bedeckt. Ich hörte keinen Ton. Erst wieder 50 Meter vor dem Ziel sagte es: „Sie haben Ihr Ziel erreicht.“

Mein Fazit: Ich komme eine Viertelstunde zu spät, obwohl ich auf der Autobahn noch absolut in der Zeit war. Ich wäre alle Straßen in diesem mir unbekannten Ort abgefahren, hätte ich weiter auf das Navi gehört. Ich freue mich, dass ich vor der Fahrt doch mal einen Blick auf den Straßenatlas geworfen hatte. Aber ich muss auch eingestehen, dass es einfach war, aus Frankreich herauszufinden und von einer Autobahn auf die andere zu wechseln. Noch habe ich ja kein eigenes Navi. Wenn ich mal eines haben sollte, wähle ich (hoffentlich) die Mischform: erst auf die Karte schauen, um grob die eigene Orientierung zu haben, dann vom Navi leiten lassen und bei Bedarf den Kopf wieder einschalten.


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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