07.10.2011

Alt und in Rente: Wie das wohl sein wird?


„Alte an die Arbeit! Können wir uns Rentner noch leisten?“ So lautete das Thema der ARD-Talkshow mit Günther Jauch am vergangenen Sonntag, die ich komplett mitverfolgt habe. Irgendwann ging es um Zeitkonten: Ältere Menschen leisten einen Beitrag für die Gemeinschaft, kriegen ihre Zeit angerechnet und später vergütet, wenn sie selbst fremde Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Dazu gab es ein Filmbeispiel aus Riedlingen in Baden-Württemberg, wo ein solches Modell seit 20 Jahren erfolgreich gelebt wird.

Ich machte mir an diesem Abend so meine Gedanken über meine Arbeit und meine Rente, und ich ließ das Ganze wirken. Dann las ich folgende Meldung des „Senioren Ratgebers“ – ihn hatte Jauch in seiner Sendung wegen seiner hohen Auflage in die Kamera gehalten: Menschen, die sich in ihrer Freizeit ohne Bezahlung für andere einsetzen, sind für die Gesellschaft sehr wichtig. Dies zu betonen werden Politiker nicht müde. Doch ein solches Engagement kostet Zeit und die fehlt mitunter. Wie eine repräsentative Umfrage des "Senioren Ratgeber" zeigt, finden zwar drei Viertel (75,7 Prozent) der Befragten, dass es ein wesentlicher Bestandteil christlicher Nächstenliebe sei, sich für Schwächere einzusetzen und sich sozial zu engagieren. Fast die Hälfte (47,5 Prozent) gibt aber auch an, durch berufliche oder familiäre Verpflichtungen so stark belastet zu sein, dass keine Zeit für zusätzliche gemeinnützige Aktivitäten bleibe.

Wie interessant! Für Zeitkonten haben viele gar keine Zeit! Dazu passt die Bemerkung eines Ehepaars, dass uns vor kurzem besucht hatte: „Wenn wir gewusst hätten, dass wir so sehr eingespannt sind, hätten wir uns nie mit unserem Sohn auf demselben Grundstück niedergelassen.“ Beide sind schon seit einiger Zeit in Rente, aber durch die räumliche Nähe zu den Enkelkindern in ständiger Ruf- und Hilfsbereitschaft. „Könnt ihr montags und donnerstags auf die beiden aufpassen?“, heißt es von der einen, „Hallo Oma, darf ich heute bei dir fernsehen?“ von der anderen Seite. Und irgendwie kommen die beiden nicht zu dem, was sie sich eigentlich für ihren Ruhestand erhofft und vorgestellt hatten. Doch auch sie leisten einen Beitrag, einen sehr wichtigen, wie ich finde.

In meiner Kindheit und meinem damaligen Umfeld war es selbstverständlich dass die „Alten“ auf die „Kleinen“ achtgaben. Ob dabei die persönlichen Grenzen und Ziele geäußert und geachtet wurden, kann ich nicht beurteilen. Ich kenne Menschen, die sehnen sich danach, im Alter für eine (fremde) Familie da sein zu können und diese mit ihrem persönlichen Einsatz zu unterstützen. Mehrgenerationenwohnen ist für sie ein vielversprechender Weg. Projekte dieser Art gibt es in deutschen Städten und auf dem Land immer häufiger anzutreffen.

Noch vor 15 Jahren habe ich mir als Planerin während des Studiums Gedanken über die klassischen Wohnformen gemacht – es ist spannend, welcher Wandel sich in dieser Zeit vollzogen hat. Und ich bin selbst gespannt, wie wir leben, wenn ich auf das Rentenalter zugehe.


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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