21.08.2012

Auf Frauenfang – die zweite


Wer nicht hören will, muss fühlen, sagt ein altes Sprichwort. Ich will nicht behaupten, dass Andrea nicht hören wollte, dass „ihr“ Mark ein Scammer sein könnte. Die Sache ist ganz einfach und strategisch durchdacht: Ist ein Single auf der Suche nach einem Partner erst einmal emotional auf „Empfang“ eingestellt, ist es schwierig, diesen Modus komplett abzuschalten. Sprich: Andrea hoffte insgeheim, dass Mark kein Betrüger sei, sondern doch nur ein ehrlich an ihr interessierter Goldhändler-Witwer aus Belgien. Schließlich versprach er auch, in wenigen Tagen mit dem Flieger bei ihr zu landen.


Ich hatte mir vorgenommen, mich zurückzuhalten, damit die Sache bei ihr „wirken“ konnte. Bis Andrea wenige Tage nach unserem aufdeckenden Gespräch bei mir anrief. „Du glaubst es nicht!“, sagte sie. „Er hat mir heute rote Rosen, Pralinen, ein Kuscheltier und eine Flasche Wein geschickt!“ Schon wieder oh weia! „Hast du ihm deine Adresse gegeben?“ „Ja, nachdem er mir seine gegeben hat!“ Die sei zwar komisch gewesen, weil dort hinter seinem Nachnamen noch ein weiterer gestanden hätte, aber das wäre alles schon gewesen, bevor ich mit ihr darüber geredet hätte. Sie habe auch das Haus gegoogelt und es würde ganz anders aussehen als das Domizil, von dem er ihr ein Foto zugeschickt hätte.

Nun wurde ich wieder aktiv und bat Andrea, sich ernsthaft mit Scamming auseinanderzusetzen. Ich sagte ihr, ich würde ihr dazu gleich ein paar Internet-Links schicken. Ich recherchierte schnell ein paar Seiten zusammen, las quer und landete auch beim Stichwort „Identitätsklau“, der mithilfe von ein paar persönlichen Daten relativ einfach sei. Ich hatte sogleich irgendwelche Szenarien im Kopf: Andrea soll plötzlich Rechnungen für Einkäufe bezahlen, die auf ihren Namen getätigt wurden und ähnliches.  Ich griff sofort zum Hörer: „Andrea! Sag ihm keinesfalls, dass du sein Geschenk bekommen hast! Oder hast du’s ihm schon gesagt?“ „Nein.“ Uff! Glück gehabt. Ich habe zwar keine Ahnung, ob Mark mit der Adresse und dem Geburtsdatum alleine irgendetwas anfangen könnte. Aber ich fand es angemessen, ihm nicht zu bestätigen, dass ihre Adresse richtig ist.

Das alles traf Andrea hart. Und es arbeitete in ihr. Sie las sich in die Geschichten anderer Scamming-Opfer ein und musste zugeben, dass es Parallelen zu ihren Erlebnissen gab. Aber solange er kein Geld von ihr einforderte, wollte sie sich ein Fünkchen Hoffnung bewahren ... Morgen geht’s weiter mit dieser Geschichte!


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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