27.06.2012

Begegnungen - oder: Was man von Fremden so alles erfährt


Es ist früher Nachmittag. Ein Mann sitzt bei einem schönen Sommertag alleine im Straßencafé und isst. Zwei Frauen fragen ihn, ob sie sich an seinen Tisch setzen dürfen – alle anderen Tische sind belegt. Er stimmt zu und widmet sich wieder seinem Salatteller. Er wird nun unfreiwillig Zeuge ihres Gespräches. Zunächst erfährt er, dass die beiden unabhängig voneinander zum Einkaufen in der Stadt sind. Was sie bereits erledigt haben und wo sie noch hinwollen. An dieser Stelle klinkt er sich kurz in das Gespräch der beiden ein. "Einen Bio-Supermarkt gibt es auch direkt hier ums Eck", meint er zu einer der Frauen. Diese antwortet ihm freundlich. Die Stimmung scheint aufgelockert, auch wenn man sich nicht kennt.

Danach wird’s persönlicher. Die Frauen erzählen im Zeitraffer, was sich in den vergangenen Jahre in ihrem Leben ereignet hat. Sie kennen sich, haben sich aber lange nicht gesehen oder gehört. Als sich das Gespräch um Beziehungen jedweder Art dreht – zu Kindern, Eltern, Schwiegereltern oder Haustieren – holt er sein Smartphone heraus und beginnt, sich damit zu beschäftigen. Mit halber Aufmerksamkeit bekommt er mit, welche Werkzeuge es gibt, um Krisen im Alltag zu bewältigen. Er hört, wie beide sich ihren Namen wieder in Erinnerung rufen, sieht, wie Visitenkarten ausgetauscht werden. Dann wird es Zeit, sich zu verabschieden.

Einige Minuten dieses Tages hatte dieser Mann mit uns an einem Tisch gesessen. Wir werden ihm vermutlich nie wieder begegnen. Wir werden auch nie erfahren, ob sich an diesem Tag etwas verändert hat für ihn. Vielleicht hat er den anderen Bio-Supermarkt aufgesucht, von dem meine Bekannte erzählt hat – und dort etwas entdeckt, was ihn glücklich machte. Vielleicht hat er sich vorgenommen, nie wieder alleine essen zu gehen. Oder niemanden mehr an seinen Tisch zu lassen. Vielleicht hat er eines der „Werkzeuge“ in sein Smartphone eingetippt, um sich später daran erinnern zu können und es für sich selbst zu nutzen. Vielleicht war es ein Tag wie jeder andere, und erst ein halbes Jahr später erinnert er sich zurück und kommt zu einer Erkenntnis. Vielleicht hat sich nichts verändert.

Wie sagte meine Bekannte so schön: „Dass ich ausgerechnet dich heute getroffen habe! Das hatte bestimmt seinen Sinn!“ Unsere letzte Begegnung hatten wir, als ich gerade schwanger war. Sie liegt also viele Jahre zurück. Wir waren vor langer Zeit enger befreundet, haben uns dann aber wegen Job-Wechsel, Familie etc. aus den Augen verloren. Ich erkannte sie beim Stadtbummel, ging auf sie zu, und sie fragte spontan: „Hast du Lust, einen Kaffee zusammen zu trinken?“ So kamen wir zu einem Tisch, an dem bereits ein Mann saß ...

Die großen und kleinen Begegnungen des Alltags sind sehr wertvoll. Manch einem haben sie sogar schon das Leben gerettet. Täglich begegnen wir anderen Menschen und lösen in ihnen möglicherweise etwas aus, ohne es zu wissen. Das tun wir alle, ob wir es nun beabsichtigen oder nicht!

Mich hat die Begegnung mit meiner Bekannten gefreut, die mit dem Mann nachdenklich gemacht. Zu Ende gedacht habe ich jedoch noch nicht ...


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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