04.02.2012

Behaarte Beine


Mit großen Schritten, wenn auch in dicke Winterstiefel eingepackt, schreiten wir momentan aufs Frühjahr zu. Und was findet dann bekanntermaßen statt? Richtig: Frühjahrsputz! So manche Spinnwebe, die sonst unerreichbar scheint, wird entfernt. Vielleicht bekommt auch das eine oder andere Möbelstück einen neuen Platz.

Ich persönlich gehöre zu den Menschen, die immer mal wieder neue Standorte für Schränke und Regale testen. Nach meiner letzten Umräumaktion liefen plötzlich erstaunlich viele (drei an der Zahl) und erstaunlich große Spinnen frei in meiner Wohnung herum. So gehäuft und überhaupt in dieser Größe waren mir hier noch keine begegnet. Also befragte ich das Internet dazu. Ich las, dass die Tiere (vermutlich Große Winkelspinnen) beim Möbelrücken wohl ihren angestammten Platz verlieren und sich einen neuen suchen.

So lange wollte ich natürlich nicht warten. Ich fing sie mit einem leeren Marmeladenglas und entließ sie übers Fenster in die freie Natur. Nun habe ich auch gelesen, dass die Achtbeiner möglicherweise wieder zurückkommen, weil sie so treue Mitbewohner sind. Beim Lüften ist es ja schnell passiert, dass eine Ex-Mitbewohnerin wieder zu mir hereinklettert. Ein paar Tage nach meiner Aktion wurde mir allerdings von meiner Nachbarin im Stockwerk unter mir bestätigt, dass mindestens zwei davon ein anderes Fenster gewählt haben: „Uah! Bei mir saßen neulich so zwei große Spinnen mit haarigen, schwarzen Beinen im Wohnzimmer!“, erzählte sie mir angeekelt. „Ich weiß, woher die kommen ...“, dachte ich bei mir.

Übrigens gibt es auch Neuigkeiten von Spinnenforschern hierzulande: Frankfurter Arachnologen des Senckenberg Forschungsinstitutes haben verstärkt zwei neue Spinnenarten in Deutschland nachgewiesen. Und diese kommen – wie könnte es anders sein – mit dem Bus an. Der Arachnologe Dr. Peter Jäger entdeckte z. B. eine neue Zitterspinnenart in einem Kölner Parkhaus unter einem Euro-Busbahnhof. „Hier kommen Busse direkt aus Mittelmeerländern an, Gepäck wird ausgeladen, eventuelle blinde Passagiere finden in dem frostfreien Habitat 'Parkhaus' eine erste Bleibe“, erklärt Dr. Jäger seinen Fund. Anfang dieses Jahres dokumentierte er im Parkhaus am Mainzer Theater eine weitere Population der Zitterspinnen, die vor allem an den Leuchtstoffröhren ihre Netze spannte.

Angst braucht man vor der eingewanderten Art nicht zu haben: Die Spinne ist ungefährlich und vertilgt hauptsächlich Insekten. Übrigens ist auch die fast ausschließlich in Gebäuden vorkommende „heimische“ Zitterspinne mit großer Wahrscheinlichkeit ein Einwanderer. Eine weitere eingeschleppte Art wiesen die Wissenschaftler in Gebäuden in Frankfurt am Main, Mainz, Mannheim, Heidelberg, Heilbronn, Metzingen, Freiburg sowie Bonn, Köln, Düsseldorf und Bremen nach. Die Kräuseljagdspinne hat eine Körperlänge - diese wird ohne die Beine gemessen - von bis zu 2 Zentimetern (!). Die gedrungenen Tiere jagen nachts frei in Gebäuden und werden daher sensiblen Wohnungsinhabern eher auffallen, als die schlanke, langbeinige Zitterspinne ...

Giftig sind sie jedenfalls nicht, das haben Baseler Forscher im Selbstversuch herausgefunden. Danach wurde ein Biss als „nicht nennenswert“ bezeichnet. „Ich habe es noch nicht mal geschafft, die großen Weibchen der Art so zu reizen, dass sie mich überhaupt beißen“, beruhigt Dr. Jäger. Na, dann!

Allerdings, so räumen die Arachnologen ein, sind auch die giftigen Schwarzen Witwen im Anmarsch: Sie werden aus Belgien, vereinzelt auch aus Deutschland gemeldet. Bisher sind hier allerdings keine Populationen, die sich fortpflanzen, bekannt. Ein Glück!


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