09.11.2011

Bin ich zu unflexibel für diese Welt?


Stillstand hat die Qualität eines Rückschritts, so ähnlich formulierte es eine Kundin bei unserem letzten Telefonat. Sie hat mich beauftragt, einen Text über ihren Laden zu verfassen. „Bei uns verändert sich dauernd etwas. Damit tun sich manche Kunden schwer“, meinte sie. Diese Aussage machte mich nachdenklich.

Denn als Dienstleisterin und als Mensch bin ich selbst bestrebt, mich ständig weiterzuentwickeln. Aber als Kundin – sei es im Drogerie-, Supermarkt oder beim Frisör –  brauche ich eine gewisse Beständigkeit. Das ist mir ganz besonders in den vergangenen zehn Jahren aufgefallen. Früher kaufte ich mein Haarspray, meine Zahnpasta, mein Deo und meinen Tee regelmäßig im selben Geschäft ein. Meine Produkte waren fix und verlässlich. Dann gab es einen Umschwung: Plötzlich musste alles trendiger heißen und aussehen. Eigenmarkenprodukte verdrängten meine guten Klassiker mit der Zeit aus den Regalen. Um mein Deo und meinen Lieblingstee noch zu bekommen, muss ich heute weit fahren. Das gefällt mir nicht. Ich habe den Eindruck, dass Produkte heute viel kurzlebiger sind. Habe ich mich gerade auf eines eingeschossen (ich bin ja gezwungen zu wechseln), ist es auch schon nicht mehr da.

Viel schlimmer finde ich, dass ich mangels Angebot zu einem neuen Produkt greifen muss, das ich bisher gar nicht kenne. Die Auswahl ist riesengroß, das erschwert die Entscheidung. Ich kaufe eins, teste es und stelle fest, dass es nicht hält, was es verspricht, oder dass ich es nicht vertrage oder dass es nicht schmeckt, scheußlich riecht usw. Im Klartext heißt das: Ich kaufe etwas für die Mülltonne. Da ich ja nach wie vor mein Lieblingsprodukt nicht mehr kriege, teste ich das nächste aus ..., und die Spirale dreht sich weiter.

Ich habe deshalb schon einige Gespräche mit Sortimentsverantwortlichen und Einkäufern geführt. Einer der „älteren“ Generation verstand mich. Er erzählte mir die Geschichte eines Haarsprays, das wieder ins Regal kam, nachdem etliche Kunden sich darüber beklagt hatten, es nicht mehr kaufen zu können. Ein Einkäufer der „jüngeren“ Generation sagte: „Die Welt verändert sich eben. Alte Produkte müssen gehen, damit neue kommen können. Da ist Flexibilität gefragt.“ Mich als Kundin machte das betroffen. Das Prinzip verstehe ich. Auch kapiere ich, dass Innovationen ihren Platz im Markt brauchen.

Doch irgendwie komme ich mit meinen 38 Jahren bei dem regen Sortimentswechsel nicht mit. Ich habe auch schon festgestellt, dass es produkt- oder diensleistungsabhängig ist: Bei Zahnpasta setze ich auf die gute alte Qualität, beim Duschgel bin ich experimentierfreudiger. Im Endeffekt führt es dazu, dass meine Lieblingsmärkte immer weniger Umsatz mit mir machen, weil ich meine Hamsterkäufe weit draußen auf der grünen Wiese erledigen muss.

Stehe ich mit meinem Wunsch nach einer gewissen Beständigkeit alleine da?


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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