07.02.2013

Danke fürs Neinsagen!


Während ich hier sitze und versuche zu arbeiten, flucht nebenan ein Handwerker in meinem Badezimmer. Er hat die Aufgabe, den 80-Liter-Wasserboiler zu warten. Ständig tauchen dabei irgendwelche Probleme auf, was ich lautstark mitbekomme. Meine Konzentration leidet etwas darunter – und das in einer Zeit, in der ich ohnehin mit Umzugsvorbereitungen genug im die Ohren habe.

Warum muss der Handwerker auch auf den sprichwörtlich letzten Drücker kommen? Das kann ich euch erklären: Ende Oktober rief ich einen Installateur meiner Wahl an, er möge doch bitte meinen Boiler warten. Daraufhin notierte er sich die Boiler-Nummer, um die üblichen Ersatzteile zu bestellen. „Ich rufe dann wieder an, Frau Herrmann, und wir machen einen Termin aus.“ Sechs Wochen später traf ich den Installateur zufällig auf der Straße. „Denken Sie noch an mich?“, fragte ich ihn. „Ja klar! Es ist halt so viel los im Moment. Heizungsausfälle, Wasserrohrbrüche ... Ich komme gar nicht nach!“

Ich war glücklich, mich mit diesem Zufallstreffen noch einmal ins Gedächtnis gerufen zu haben und beließ es dabei. Kurz vor Weihnachten dachte ich noch mal an meinen Installateur, entschied dann aber, mich im neuen Jahr erneut bei ihm zu melden. Das tat ich sogleich in der ersten Januar-Woche. „Wir haben Urlaub und sind ab 7. Januar wieder für Sie da“, informierte mich sein Anrufbeantworter. So erreichte ich ihn erst in der 2. Kalenderwoche. Da versicherte mir der Installateur erneut, er habe mich nicht vergessen, er sei aber noch nicht dazu gekommen und es stehe viel Dringenderes an. Ich erklärte ihm, wie wichtig es mir sei, dass ich nicht in der letzten Umzugsphase noch den Boiler versorgen müsse. Deshalb entschied er sich wohl offensichtlich und endlich zu folgender Aussage: „Frau Herrmann, ich schaffe es nicht! Vielleicht rufen Sie eine größere Firma an, die können das mit mehr Mitarbeitern besser bewältigen.“

Ich war heilfroh über diesen Satz, denn er machte mich wieder handlungsfähig. Der Installateur hatte mir ganz klar gesagt, dass er es nicht schafft, nun war es an mir, mich um Plan B zu kümmern. Für meinen Geschmack hätte das etwas früher kommen können, das „Frau Herrmann, ich schaffe es nicht!“, aber ich bin froh, DASS es kam!

Diese Aktion bewies mir wieder einmal, wie wichtig es ist, mutig zu sein. Den Mut aufzubringen, etwas abzulehnen oder zu sagen: „Es geht nicht.“ Und zwar möglichst schon dann, wenn man merkt, dass etwas ein ungutes Gefühl oder Druck verursacht. Denn mich als Kundin hat es frustiert, dass ich mein Anliegen rechtzeitig angemeldet hatte und immer wieder vertröstet wurde, weil die anderen Kunden wichtiger zu sein schienen. Ich fühlte mich ob des kleinen Auftrages nicht wertgeschätzt. In dem Moment, als er vorschlug, ich solle mir einen anderen Installateur suchen, verflog mein Frust. Jetzt war ich nur noch leicht verärgert, weil sich auch bei mir langsam ein Zeitproblem einstellte.

Aber ich lerne daraus für mich selbst: Ich sage meinen Kunden ab, wenn ich schon im Vorfeld merke, dass ich einen Auftrag nicht erfüllen kann. Und ich werde nie wieder einen Installateur zum Beginn der Heizperiode mit einer Aufgabe betrauen, die in diesem Zeitraum als „nicht dringend“ eingestuft wird!


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Ganz einfach Dunja

Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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