08.06.2011

Der Kofferstreit


In meinem Bekanntenkreis kam es am Wochenende zu einem Familien-Konflikt, weil ein Krankenhaus-Besuch der Mutter anstand. Die Kontrahenten: Die Tochter, die schon einige ihrer älteren Verwandten ins Krankenhaus begleitet hat. Der Sohn, der ständig dienstlich in der Fremde nächtigt. Streitgegenstand: Die Reisetasche. Oder der Reisekoffer. Je nachdem.

Die Vorgeschichte: Tochter und Mutter hatten die Reisetasche für den bevorstehenden Klinik-Aufenthalt schon gepackt. Das war sehr nervenaufreibend und aufregend, denn die Mutter will in ihrem hohen Alter lieber zu Hause bleiben als ins Krankenhaus müssen. Da die Spezialklinik einige hundert Kilometer entfernt liegt und der Einweisungstermin gleich am Montagmorgen war, wollte der Sohn mit seiner Mutter schon am Sonntag aufbrechen und im Hotel übernachten.

Am Samstag gab es dann ein Telefonat zwischen Mutter und Sohn, in dem die Einzelheiten der Abreise besprochen werden sollten. Dann kam die Sprache auf die Reisetasche. Wieso sie denn keinen Koffer mitnehme, fragte der Sohn die Mutter. Diese antwortete: „Die Iris hat mir die Reisetasche gepackt, weil die fürs Krankenhaus besser ist. Meinst du, ich sollte lieber einen Koffer nehmen?“ „Na ja“, antwortete der Sohn. „Mit Reisetasche geht man heute nicht mehr ins Hotel.“

Gleich nach diesem Telefonat klingelte das Telefon bei Iris. Ihre Mutter völlig verzweifelt: „Ach, mir dreht sich schon der Kopf! Günter meint, ich soll einen Koffer nehmen. Kannst du schnell kommen und alles umräumen?“ Iris reagierte verständlich: „Nein, das mache ich nicht. Die Tasche ist fürs Krankenhaus die beste Lösung, weil sie sich klein machen und im Schrank verstauen lässt. Wir bleiben dabei!“

Ich als Zuhörerin finde, das mit der Tasche ist ein echter simplify-Ansatz von einer Frau, die mittlerweile schon die vierte Seniorin für die Klinik vorbereitet. Was es mit dem Koffer auf sich hat, weiß ich nicht. Mein Fazit aus dieser Geschichte: Der Kofferstreit hat alle Beteiligten, die wegen der anstehenden Behandlung ohnehin unter Spannung standen, belastet. Manchmal ist es notwendig loszulassen von seinen eigenen Vorstellungen und die Dinge so zu belassen, wie sie sind.


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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