24.04.2014

Der Voodoo-Puppen-Test


Wenn ich hungrig bin, ist mit mir nicht zu spaßen. Meine Familie warne ich immer vor, sobald ich merke, dass es kritisch wird: „Ich brauche unbedingt etwas zu essen, sonst werde ich unleidlich!“ Ist keine Nahrung in Sicht, kann ich tatsächlich sehr gereizt auf äußere Einflüsse reagieren. Der aid Infodienst verbreitete gestern eine Meldung, dass ein geringer Blutzuckerspiegel bei Ehepartnern zu erhöhter Aggression führt. Deshalb, so die Ableitung: Mit hungrigem Magen sollte man Diskussionen aus dem Weg gehen, denn diese könnten dann leichter eskalieren!

Das lässt eine US-amerikanische Studie vermuten, für die mit 107 verheirateten Paaren recht ungewöhnliche Experimente durchgeführt wurden. Zu Beginn der Untersuchung schätzten die Wissenschaftler der Ohio State University anhand eines psychologischen Fragebogens die Beziehungszufriedenheit der Frauen und Männer ein, die im Durchschnitt zwölf Jahre verheiratet waren.

Die Stärke der Aggressionen wurde für einen Zeitraum von drei Wochen anhand von Voodoo-Puppen ermittelt, die den jeweiligen Partner symbolisieren sollten. Die Methode sei bereits in früheren Studien entwickelt und geprüft worden: Jeder Proband bekam eine Puppe, in die er jeden Abend in Abwesenheit des Lebensgefährten bis zu 51 Nadeln bohren sollte. Je mehr Nadeln, desto größer waren Zorn und Ärger auf den Ehemann beziehungsweise die Ehefrau. Morgens vor dem Frühstück und abends vor dem Zubettgehen sollte jeder Teilnehmer seinen Blutzuckerspiegel messen. Das Fazit: Je geringer der Blutzuckerspiegel am Abend, desto mehr Nadeln steckten die Probanden in die Puppe und desto aggressiver waren sie demzufolge ihrem Partner gegenüber. Dieser Zusammenhang war unabhängig von der individuellen Zufriedenheit in der Beziehung.

In einem zweiten Experiment sollten die Paare in einem simulierten Computerspiel gegen ihren Lebensgefährten antreten. Der Gewinner durfte nach jeder Runde entscheiden, wie lange und wie laut der Partner über Kopfhörer einem Gemisch aus unangenehmen Geräuschen ausgesetzt war. Tatsächlich spielten sie aber nur gegen den Computer. Die Ergebnisse waren ähnlich: Je niedriger der Blutzuckerspiegel, desto heftiger die angebliche Geräusch-Attacke auf den Ehepartner.

Wenn der Blutzuckerspiegel sinkt, steht dem Körper weniger Glukose zur Verfügung, erklären die Wissenschaftler. Dadurch fehlt dem Gehirn Energie, die es unter anderem für die Selbstkontrolle braucht. Emotionen und ungewollte Impulse können schlechter gesteuert werden, und das führt offenbar zu dem aggressiveren Verhalten. Die Wissenschaftler raten daher, nicht hungrig und gereizt in schwierige Gespräche und Konfrontationen mit dem Partner zu gehen. Weitere Studien sollen folgen, um die Resultate zu untermauern.

Wie gut, dass ich mich schon gut genug kenne und meine Liebsten vorwarne ...

Info: Heike Kreutz, aid Infodienst, Quelle der Studie: Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) „Low glucose relates to greater aggression in married couples“  


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