25.06.2012

Die alten Schuhe - Ein Beispiel für gelungene Kommunikation


Meine Antennen stehen ständig auf Empfang. Das bringt die Arbeit als Bloggerin so mit sich. Wenn ich etwas aufschnappe, gibt es unterschiedlich starke Signale dafür, ob das Thema zu simplify passt. Ein besonders starkes „Ja, passt!“ empfing ich vor einer Woche. Ich war seit langem mal wieder zum Sport gegangen, wollte etwas Neues ausprobieren.

Nach dem Training ging ich mit der Trainerin in die Umkleide, weil mein Rucksack bei ihr eingeschlossen war. Wir waren die letzten. Drinnen wischte eine ältere Sportlerin gerade den Fußboden. Sie kam in unsere Richtung, griff sich ein paar Schuhe von der Decke eines Spindes und sagte: „Ich weiß nicht, warum die Leute hier alles rumstehen lassen! Die Schuhe stehen schon ewig hier. Ich schmeiße die jetzt weg!“ Sie packte das Paar und lief damit zu einem großen Mülleimer. Derweil blickte ich auf die Spinde und sah, dass hier und da einfach Schuhe obendrauf stehen.

Die Trainerin wusste den Übereifer der Sportlerin zu bremsen: „Stopp! Das ist fremdes Eigentum! Du kannst die Schuhe nicht einfach wegschmeißen! Die gehören ja jemandem. Schau mal, das ist Freds Spind, wahrscheinlich sind es seine.“ „Na und?“, erwiderte die andere, „Das kann man doch nicht alles hier herumstehen lassen! Wie das aussieht! Das stört mich einfach.“

Was sich dann abspielte, gab für mich den Ausschlag, es hier zu veröffentlichen. Die Trainerin sagte: „Ich kann sehr gut verstehen, dass dich das stört. Ich bin auch für Ordnung. Doch wir können unseren Ordnungssinn anderen Leuten nicht einfach überstülpen. Wir sind hier in einer Gemeinschaft.“

Die ältere Dame brachte daraufhin die Schuhe wieder an ihren alten Platz. Sie war wirklich drum und dran gewesen, diese zu entsorgen! Die Trainerin hatte ihr zu verstehen gegeben, dass sie keinesfalls „falsch“ war oder dachte mit ihrem Bedürfnis nach Ordnung. Sie erkannte ihr Bemühen an, zeigte der anderen aber auch die Grenzen auf. Damit hatte diese Szene einen vernünftigen Ausgang. Niemand musste heimlich Schuhe wieder aus dem Mülleimer fischen oder jemanden anschwärzen, weil etwas abhanden gekommen war. Auch der Ärger der Ordnungsliebenden war verraucht. Toll gelöst!


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Ganz einfach Dunja

Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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