03.04.2013

Die das Teufelsgetier dokumentierte


Gestern zierte ein wunderschönes Doodle die Eingabemaske von Google: Eine Zeichnung anlässlich des 366. Geburtstags von Maria Merian. Und gleich schoss es mir durch den Kopf: Das war die mit den Raupen! Vor 6 Jahren, zum 360. Geburtstag, schrieb ich ein kleines Porträt über die Merian und lernte sie als Falterfreundin kennen. Ich fand es sehr imposant, was ich über sie las. Deshalb gebe ich euch heute meinen Kurzüberblick mit auf den Weg.

Wer sich noch daran erinnert: Maria Sibylla Merian (1647-1717) war auf unseren alten 500-Mark-Scheinen abgebildet! Die Malerin und Kupferstecherin war die Tochter des berühmten Verlegers und Kupferstechers Matthäus Merian d. Ä. und gilt bis heute als Begründerin der Entomologie, der Insektenkunde.

Ihr Interesse an den Kleintieren war im 17. Jahrhundert überaus ungewöhnlich: Die Barockmenschen waren der Überzeugung, dass die teuflischen Insekten einfach so aus faulendem Schlamm entstünden und sich von Unrat ernährten. Maria Merian wusste schon früh, dass dem nicht so ist: Mit 13 Jahren beobachtete sie die Verwandlung der Seidenraupe und erkannte, dass Insekten komplizierte Entwicklungsstufen durchlaufen. Davon fasziniert, sammelte sie unermüdlich Maden, Raupen und Larven und hielt ihre wissenschaftlichen Beobachtungen auf Kupferstichen fest. Ihre detaillierten Zeichnungen in der Tradition Albrecht Dürers (1471-1528) und der großen holländischen Landschaftsmaler machten sie zu einer der besten Blumen- und Insektenzeichnerinnen aller Zeiten. 

In ihren Zeichnungen stellte Maria Merian die Natur als Kunst und die Kunst als Natur dar. Mit dem Werk „Der Raupen wunderbare Verwandlung und sonderbare Blumennahrung“ (1679) – verfasst in der damals als unwissenschaftlich geltenden Sprache Deutsch und nicht in Latein – schuf Maria Merian die Insektenkunde. Bis heute ist ihre Einteilung der Schmetterlinge in Tag- und Nachtfalter gültig.

Ihre Pioniertat war es, die große Artenvielfalt der südamerikanischen Insekten- und Pflanzenwelt wissenschaftlich zu durchforsten. 1699 brach die moderne Naturforscherin nach Surinam (damals Niederländisch-Guayana) auf, begleitet von ihrer 21- jährigen Tochter. Auch hier nahm die Frau eine Vorreiterrolle ein: Damals dachte niemand daran, eine Forschungsreise zu machen. Die einzige Motivation für eine Reise nach Übersee war es, Kolonien zu erobern und Rohstoffe zu sichern. Es sollte noch ganze 100 Jahre dauern, bis der Naturforscher Alexander von Humboldt in Maria Merians Fußstapfen trat und für seine Weltreisen bewundert wurde. 

Die Künstlerin sammelte tropische Spinnen, Käfer und andere exotische Tiere wie Schlangen und Leguane. Zu Weltruhm gelangte sie 1705, als sie ihr Hauptwerk „Die Verwandlung der surinamischen Insekten“ veröffentlichte. Es ist eines der ersten naturwissenschaftlichen Bücher über den Regenwald, angereichert mit Abbildungen von Tieren und Pflanzen, die damals kein Europäer kannte. Ausstaffiert mit prächtigen Kupferstichen war dieser Band bahnbrechend für die moderne Wissenschaft und zugleich ein Höhepunkt in der europäischen Buchkunst des frühen 18. Jh. Bemerkenswert sind die ungewöhnlich naturgetreuen Abbildungen und die prächtigen Farben. Selbst der Begründer der biologischen Klassifikation, Carl von Linné (1707-1778), sprach seiner Vorkämpferin unsterblichen Ruhm zu.

Heute nimmt Maria Merian einen sicheren Platz sowohl in der Kunstgeschichte als auch in der Forschungsgeschichte der Zoologie und Botanik ein. Angesichts der abnehmenden Artenvielfalt im Regenwald sind ihre Dokumentationen aktueller denn je.

Hier bei Google bekommt ihr schnell einen Eindruck von der Ausdrucksstärke Maria Merians.


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