06.08.2012

Die Hochzeitsschuhe


Es gibt nicht nur eckige Tassen. Es gibt auch andere ganz alltägliche Dinge, die nur scheinbar ihren Zweck erfüllen oder eben doch einen anderen haben als man gemeinhin annimmt. Ich rede von Schuhen. Genauer gesagt von Pumps und anderen schicken Tretern (das ist die männliche Variante). Wir waren am Wochenende auf einer Hochzeit. Morgens war der Himmel bewölkt, zwei Stunden vor der Kirche plötzlich fast wolkenlos. So hatte ich zunächst die geschlossenen schicken Schuhe im Gepäck, dann noch die etwas luftigeren dazugepackt.

Mit zwei Paar Schuhen dachte ich ganz gut ausgestattet zu sein. Das dritte Paar diente nur zum Autofahren und sah auch entsprechend aus. Mit 6 cm Absatz lässt sich eben nicht gut zwischen Gas und Bremse wechseln, zumal das Schuhwerk darunter sehr leiden würde. Nach zweistündiger Autofahrt bei Sonnenschein waren meine Füße leicht angeschwollen. Was soll's! Hinein in die Sommerschuhe! Wenn nun der Prinz aus Aschenputtel gekommen wäre, um die richtige Braut für seinen Schuh zu finden, er hätte mich glatt für eine böse Schwester gehalten!

Und so stakste ich vom Parkplatz zur Kirche, bereute schon, nicht ein paar flache Flip Flops mit Edelsteinimitat angezogen zu haben, und hielt tapfer alle Schmerzen aus. Zum Glück langweilte sich meine Tochter in der Kirche so sehr, dass wir dieselbe früher als geplant verließen. Schnell zum Auto und rein in die geschlossenen Schuhe! Meine Tochter wechselte ebenfalls von schick auf Gesundheitslatschen mit Glitzerperlen - immerhin! Bei der mittlerweile erreichten Temperatur und Fußgröße passte meine "zweite Wahl" nicht wirklich besser, aber sie war wenigstens nicht so schmerzhaft. Zumindest nicht gleich.

Nach der Kirche brachten wir ungefähr zwei Stunden draußen stehend zu. Und wo man auch hinsah, überall verdrehten die Frauen die Augen wegen schmerzender Füße. "Laufen in diesen Pumps geht ja noch, aber stehen ist fürchterlich!", sagte eine junge Frau zu mir und rieb sich die Füße. Wie wir so auf das Thema offen zu sprechen kamen, packten auch die Männer aus: "Ja, ich bin auch froh, wenn ich die engen Dinger wieder ausziehen kann!" Es half alles nichts. Es war nicht absehbar, dass wir unseren Standort schnell wechseln würden.

Ein paar Frauen kamen nach einer kurzen Pause irgendwann ganz erleichtert mit hübschen flachen Schuhen wieder zurück. Neidisch schaute ich auf sie (die Füße) herab. Mein drittes Paar war nun wirklich nicht geeignet, um unterm Polyesterkleidchen getragen zu werden. Ich musste durchhalten, während die anderen mit entspanntem Gesichtsausdruck neben mir standen. "Ich ziehe die Pumps einfach nachher wieder an, wenn wir im Saal sind", sagte eine zu mir. Und ich hielt tapfer durch.

Irgendwann hatte auch ich es geschafft! Meine erste Handlung im Festsaal: Hinsetzen, Schuhe ausziehen und ausruhen! Warum tun wir uns das an?


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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