26.10.2014

Die Masse macht's


Als ich heute Morgen den Rollladen zum Hof öffnete, fiel mein Blick auf mein voll beladenes Auto. „Oh Nein!“, schoss es mir in den Kopf, „Du warst ja gestern auf dem Flohmarkt und musst alles noch ausräumen, was du nicht verkauft hast!“ Das ist der Nachteil von einem Flohmarkt-Besuch. Die Hälfte nimmt man wieder mit nach Hause. Die Hälfte von Dingen, die man eigentlich los werden wollte. Ich habe gestern Abend gleich Kisten fürs Sozialkaufhaus gepackt, die ich einfach durchreiche. Und eine Kiste kommt wieder ins Haus. Zwei große Kisten sind leer, und die sperrigen Kinderfahrzeuge sind ebenfalls weg. Das ist eine zufriedenstellende Bilanz.

Während des Tages gestern habe ich einige interessante Beobachtungen gemacht:

1. Zu fast jedem Teil, das ich auf meiner Auslage hatte, gibt es eine Geschichte. Die alten Stiefel mit genagelter Sohle gehörten mal einem passionierten Bergmann. Das hochwertige Holzspielzeug schenkte uns ein Freund, der im vorigen Jahr viel zu früh verstorben ist. Die bauchige, braune Tee-Kanne wurde bei jedem Geburtstagskaffee mit der Verwandtschaft aufgetischt. Und so weiter. Die Menschen kaufen diese Sachen und haben keine Ahnung von ihrer Vergangenheit. Die Dinge leben bei ihnen weiter und sammeln vielleicht noch mehr Geschichten an.

2. Eine einzige Besonderheit am Stand schafft es, die Leute anzuziehen und zu halten. Bei mir war das eine blaue Sammeltasse mit auffälligem Weinblatt-Muster. Alle hoben die Tasse hoch und schauten sich das Muster genauer an. Eine Frau animierte es, gleich acht Sammeltassen mit Unter- und Kuchenteller zu kaufen. Die blaue Tasse kaufte sie nicht. Diese ging erst ganz spät, gegen Ende, über den Ladentisch.

3. Kleinvieh macht auch Mist. Diese Erkenntnis kommt von meiner Stand-Nachbarin, die wohl öfter auf dem Flohmarkt unterwegs ist, um ihren Kleiderschrank zu entrümpeln. „Ich verkauf’ alles für 2 Euro“, sagte sie. „Dann ist es wenigstens weg. Nächstes Mal stelle ich ein Schild auf ‚Alles 1 Euro’. Die Masse macht’s.“ Ja, wo sie Recht hat ... Ich lag mit meinen Preisen ebenfalls eher im unteren Bereich, weil ich stets im Hinterkopf hatte, dass ich die Sachen verschenke oder sogar entsorge, wenn ich sie nicht verkaufe.

Mein Fazit: Der Flohmarkt war eine nette Erfahrung, begleitet von viel Vorbereitung und zeitlichem Aufwand. Ich werde deshalb wohl bei meinem Rhythmus bleiben: einmal in 20 Jahren.


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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