24.10.2011

Die Regenjacken-Schwemme - ein Problem unserer Zeit?


Im simplify-Forum flackert gerade eine Diskussion darüber auf, ob es überhaupt vertretbar ist, ein Billigprodukt (in diesem Falle Kühlschrank) zu kaufen und zu erwarten, dass es auch funktioniert. Ich für meinen Teil habe damals gut über diese Anschaffung nachgedacht. Das kann ich allerdings von manch anderen Käufen nicht behaupten. Erst am Freitag ging ich zu einem Discounter, um Lebensmittel einzukaufen. Natürlich kam ich an den Boxen vorbei, in denen allerlei Non-Food-Artikel angepriesen werden. Und ehe ich mich versah, hatte ich Socken, Funktionsunterwäsche und Gummistiefel für meine Tochter im Wagen.

Erst vor ein paar Tagen, als es so schlimm regnete, vermisste ich ein paar wasserdichte Stiefel in der richtigen Größe. Meine Tochter geht in den Waldkindergarten, wo sie im Normalfall gute, wasserdichte Wanderschuhe oder im Winter 1a-Stiefel trägt. Wenn es aber aus allen Wolken schüttet, bin ich mir bei den Schuhen unsicher, die Stiefel sind um diese Zeit eigentlich zu warm. „Ach, hätte ich doch nur ein paar Gummistiefel!“, dachte ich so bei mir. Na bitte, und hier beim Discounter, da finde ich sie! Bei 9,99 Euro kann man ja auch nicht viel falsch machen ...

Die Stiefel liegen noch unangetastet im Kofferraum meines Autos, und ich werde sie zurückbringen: Erstens ist es vermutlich eine Zumutung, mehr als eine Stunde in Gummistiefeln zu laufen. Zweitens brauchen wir für die zwei, drei schlimmen Regentage in der Übergangszeit keine extra Stiefel. Und drittens deckt sich in etwa mit erstens: Mit Gummistiefeln wandern ist schon eine Zumutung, wie ist es dann erst mit denen für 9,99 Euro vom Discounter?

Einen Tag nach meinem Kauf telefonierte ich mit Alexa. Sie: „Wir sind gerade mal wieder am Ausmisten! Es ist erstaunlich, was sich schon wieder alles angesammelt hat. Und das, obwohl wir eigentlich bewusst einkaufen.“ Eine Pause der Ratlosigkeit. „Das ist doch irgendwie ein gesellschaftliches Problem – oder ich weiß auch nicht ... Da werden Begehrlichkeiten geweckt ...“ „Ja, ich weiß genau, was du meinst“, stimmte ich ein und erzählte meine Geschichte vom Gummistiefel-Einkauf. Außerdem gab ich zu, dass ich eine leidenschaftliche (im Sinne von schafft Leiden) Kinder-Regenjacken-Käuferin bin.

„Alexa, wir haben so viele Jacken, dass die Haken nicht reichen“, klagte ich. „Und irgendwie halten sie alle nicht so dicht, wie ich das erwarte.“ Deshalb gesellt sich ja immer noch eine weitere dazu. Eine vom Flohmarkt, eine von der Nachbarin, eine aus dem günstigen Outdoor-Shop etc. Dazu Alexa: „Ja, und hättest du nur einmal das Geld für eine gute Marken-Jacke ausgegeben, würde es dir besser gehen!“ Sie hat Recht!

Wir werden mit so vielen günstigen Angeboten, Aktionen oder vermeintlichen Schnäppchen geködert, dass die Hemmschwelle für den Kauf extrem niedrig ist. Das Problem sehe ich übrigens auch bei Lebensmitteln: Neun Kiwi in einer Packung für einen Dumping-Preis. Die sind allerdings so hart und sauer, dass sie niemand essen will. Das ist nur ein Beispiel von vielen.

Ich selbst lese aus diesem Grund schon gar keine Angebote von Discountern mehr. Denn irgendetwas scheint man garantiert immer gebrauchen zu können. Leider funktioniert diese Scheuklappen-Taktik bei gewissen Produkten und live-Begegnungen nicht so zuverlässig. Ich bin eben auch nur ein Mensch. Und ich habe ein begrenztes Budget.

Das Problem gibt es übrigens auch andersgeartet, wie ich am Wochenende hörte. Achtung, es wird ein wenig kompliziert: Eine Frau verfällt regelmäßig in einen Kaufrausch. Es sammeln sich Oberteile an, die sie nie tragen wird. Sie bietet sie deshalb einer Freundin an. Die Freundin schenkt die Oberteile ihrer Tochter. Die vermüllt immer mehr, weil sie Teile besitzt, die sie nie ausgesucht, anprobiert oder gekauft hat. Jetzt zieht sie um in eine neue Wohnung und sagt sich: „Schluss damit! Ich brauche diese Sachen nicht.“ In Zukunft will sie ihre Mutter mit den Oberteilen der Freundin ganz einfach im Regen stehen lassen. Womit wir wieder beim Thema wären ...


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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