17.06.2011

Dirkules und der Präsentismus


Bei mir gehen täglich diverse Pressemeldungen ein, darunter die Tage auch folgende: „Deutsche Volkswirtschaft verliert mit 225 Mrd. Euro jährlich rund ein Zehntel des BIP durch kranke Arbeitnehmer. Präsentismus verursacht doppelt so hohe Kosten wie krankheitsbedingte Fehlzeiten.“ Hä? Präsentismus? Was ist das denn? Ich konnte mir keinen Reim darauf machen und ärgerte mich.

Mir haben meine Ausbilder immer eingetrichtert, ich solle so schreiben, dass es auch ein Laie versteht – vor allem in einer Überschrift! Präsentismus! Ich habe früher sogar für den Personalbereich eines großen Unternehmens gearbeitet und hätte dieses Wort kennen können. Fehlanzeige. Arbeitsmediziner kennen es wohl. Nachdem ich die Pressemeldung der Strategieberatung Booz & Company zur Hälfte gelesen hatte, lichtete sich auch bei mir das Dunkel: Präsentismus ist das Wort für das, was Mitarbeiter tun, wenn sie krank zur Arbeit gehen.

Hier ein Auszug der Meldung: Der durch reine Fehlzeiten bedingte Betrag von 1.197 Euro pro Mitarbeiter und Jahr erfasst nur rund ein Drittel der Kosten, die tatsächlich in deutschen Unternehmen durch Krankheit anfallen. Der erheblich höhere Teil entsteht jedoch dadurch, dass Arbeitnehmer trotz Krankheit am Arbeitsplatz erscheinen. Ihre eingeschränkte Einsatzfähigkeit vermindert die Arbeitsqualität, erhöht die Fehleranfälligkeit und Anzahl von Unfällen. Eine Verzögerung der Genesung kann sogar zu chronischer Erkrankung und Burn-out führen. Die Kosten für diesen sogenannten Präsentismus lassen sich auf jährlich 2.394 Euro pro Kopf beziffern.

Damit kriege ich doch glatt die Kurve zu einem ebenfalls neuen Begriff, der seit Tagen überall zu lesen ist: Dirkules. Eigentlich ist es ein Name. So heißt Dirk Nowitzki, seit der den NBA-Titel erstmals gewonnen hat.

Und was haben wir beim 4. Spiel der Dallas Mavericks erlebt? Präsentismus! Dirkules ging mit Fieber aufs Spielfeld und keuchte sich so durch. Verminderte Arbeitsqualität war das sicher. Aber kein Hindernis auf dem Weg zum Sieg.

Mein Fazit: Niemand weiß, was er seiner Gesundheit, seinen Arbeitskollegen und seiner Firma antut, wenn er weiterhin arbeitet. Wenn der Körper eine Pause verlangt, sollten wir auf ihn hören. Aber eines weiß ich sicher: Präsentismus nehme ich nicht in meinen Wortschatz auf.


zum nächsten Artikel
zum vorherigen Artikel

simplify your life

Holen Sie sich mit dem gedruckten Beratungsbrief "simplify your life" jetzt das echte simplify-Erlebnis. Hier die aktuelle Ausgabe und GRATIS-CD sichern.

Ganz einfach Dunja

Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

Gratis E-Mail Newsletter

Gratis Download:

Best of simplify Gratis-Download

Jetzt für kostenlosen Newsletter eintragen und Sofort-Download sichern. 100% Gratis!