06.01.2015

Droht dem Glücklichsein das Aus?


Gibt es das überhaupt, ein einfaches und glückliches Leben? Ein Artikel in der Zeitschrift Brigitte hat mich nachdenklich gemacht. In der Januar-Ausgabe gibt es ein Dossier mit dem Titel „Wie halten wir die Welt noch aus?“ Zu Wort kommen Menschen, die sich auf ihre Art engagieren und Gedanken machen über das, was vor unserer aller Haustüren passiert oder passieren könnte. Einer von ihnen ist Wilhelm Schmid, freier Philosoph aus Berlin. Er ist ein „alter Bekannter“, zumindest für mich, die ich fast täglich die Archive von simplify your life scanne. Einige simplify-Beiträge basieren auf seinen Büchern, einen Beitrag hat er sogar selbst verfasst.

Was ließ mich nun zweifeln am herbeigesehnten Lebensglück? Es sind Schmids Aussagen*, wie „Das Leben kennt nicht nur das Positive (...). Es ist erfüllt von Polarität“ oder „Auch (...) die Gelassenheit kann zum Problem werden, wenn sie totalisiert wird und zu einer Scheinruhe führt“. Das sind harte Worte für jemanden, der auf der Suche ist nach Zufriedenheit, Gelassenheit und so etwas wie Glück. Der endlich Ruhe finden will. Der es leid ist kämpfen zu müssen gegen die großen, oft unüberwindbar erscheinenden Kräfte in einem selbst. Ich rede hier nicht nur von mir, sondern mindestens von den Menschen, denen ich in meinem Leben und Arbeiten begegne.

Sollen wir alle aufhören, nach Gelassenheit, dem Positiven und der Zufriedenheit zu streben? Nach Schmid werden wir unfähig, Störungen zu verkraften, wenn wir nur noch glücklich und zufrieden sein wollen. Wenn wir alles Negative einfach abstellen und verdrängen wollen. Die kleinste Erschütterung haut uns um. Was, wenn die ganze Welt in einer Krise steckt?

Er hat Recht. Wer stets nur das Glück sehen will, wird scheitern. Schmids Lösung ist eine „kleine Änderung in der Haltung“. Tiki Küstenmacher hat es mit seinen Worten über das andersartige Glück der Fülle (im Beitrag „Die 4 Formen von Glück und glücklich sein“) so formuliert:

Das Glück der Fülle umfasst auch die andere Seite, das Unangenehme, Schmerzliche und „Negative“. Entscheidend dafür ist eine geistige Haltung zum Leben, die auch die Gegensätze gelten lässt. Selbst das Wohlfühlglück wird erst dadurch wertvoll, dass es auf eine gegensätzliche Erfahrung folgt: Ohne Anstrengung und schwierige, sogar leidvolle Zeiten gibt es keine Zeiten des Wohlgefühls. Das Wohlgefühl bleibt leer, wenn es nur für sich steht. Das Glück der Fülle hingegen resultiert aus der Atmung zwischen den Polen des Positiven und Negativen. Erst die gesamte Weite der Erfahrungen vermittelt Ihnen den starken Eindruck, wirklich zu leben.

Das umfassende Glück der Fülle ist das philosophische Glück – nicht abhängig von bloßen Zufällen und momentanen Empfindungen. In Heiterkeit und Gelassenheit kommt es am besten zum Ausdruck: Das ist der „gute Geist“, von dem die antike griechische Bezeichnung für Glück ihren Namen hat: Eudaimonia. So finden Sie die Balance in aller Polarität des Lebens. Nicht unbedingt im jeweiligen Augenblick, sondern durch das gesamte Leben hindurch, das nicht nur aus Gelingen besteht, sondern auch aus Misserfolgen; nicht nur aus Erfolg, sondern auch aus Misserfolg; nicht nur aus Lust, auch aus Schmerz; nicht nur aus Fröhlichkeit, auch aus Traurigkeit. Es ist paradox, dieses Glück: Es umfasst nicht nur das Glücklichsein, sondern ebenso das Unglücklichsein.

Bin ich bereit, Negatives, Krisen und Unglück anzuerkennen? Mich zu fragen, was es für mich bedeutet und wie ich damit umgehen will? Diese Fragen gehören also dazu, zum einfachen und glücklichen Leben ...

* BRIGITTE 1/2015, S. 96-98


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