03.07.2014

Eine treue Kundin


Gestern war ich mal wieder beim Frisör. Früher waren ja meine Frisörbesuche legendär. Was ich da alles gelesen und erlebt habe! Ich habe gelernt aus eckigen Tassen zu trinken, ich habe viel über Männer erfahren, dank Men’s Health, und darüber wie man glücklich wird. Das steht seit Jahren in so ziemlich jeder Illustrierten, die bei einem Frisör für gewöhnlich ausliegt.

Auch gestern erfuhr ich wieder einiges über mich selbst, Frisörinnen und die Welt im Ganzen. Startpunkt war ein schwarzes Sofa mit der Zeitschriftenauslage vor mir. Was entdecke ich beim Durchscannen ganz unten? Richtig! Men’s Health! Es gibt sie doch noch. Nachdem mein Frisörteam neue Räume bezogen hatte, schien es sie nicht mehr zu geben.

Doch irgendetwas hat sich verändert. Ob ich älter und weiser geworden bin? Oder die Männer inzwischen besser kenne? Ich finde es gar nicht mehr so amüsant, darin zu lesen. Einzig die Info, dass Mann nicht ins Schwimmbadwasser urinieren sollte, fand ich lustig.

Das schwarze Sofa durfte ich überraschend schnell verlassen. Vor lauter Schreck ließ ich meine Lieblingszeitschrift liegen. Auf dem Frisörstuhl erschien es mir dann, als sei ich in einer Wiederholungsschleife gelandet. „Und, wie war dein Urlaub?“, fragte eine Kundin eine Frisörin. Ich schwöre es: Die Frage kommt jedes Mal! Nein, das ist gelogen. Manchmal lautet sie auch: „Na, freust du dich schon auf deinen Urlaub?“

Sobald ich in diesem Laden bin, geht oder kommt besagte Frisörin in oder aus dem Urlaub! Ich bin etwas neidisch, wandle ich dieses Wort doch höchstens einmal im Jahr in eine Handlung um!

Dann hatte ich eine längere Überbrückungszeit. Es gab einen Kaffee für mich – in einer eckigen Tasse. Ich tat, als wüsste ich Bescheid, was ja auch so ist, und trank gegen Ende des Kaffees sehr vorsichtig über die Ecke. Schon rann der Kaffee über mein Kinn, das ich verstohlen abwischte. Diesmal hatte ich einen Umhang an, der meine Kleidung vor dem Schlimmsten abschirmte. Die bisherige Erfahrung zeigt (siehe auch Verschlossene Türen und eckige Tassen): Kaffee erst im Frisörstuhl trinken oder vorher bereits einen Umhang verlangen oder eine eigene Tasse mitbringen.

Neben meinem Kaffee las ich, wie ich mein Glück finden kann und befand, dass ich mich gar nicht so unglücklich fühle. Das ist doch schon mal was! Und als ich dann meinen Schnitt bekam und mich mit der Frisörin übers Älterwerden unterhielt, stellte ich fest, dass ich eine extrem treue Kundin bin. Rund dreizehn Jahre komme ich schon in dieses Geschäft! Ich kenne noch Kolleginnen und Chefinnen, von denen kaum jemand mehr weiß, dass es sie einmal gab. Etliche Generationen von Azubis habe ich schon miterlebt. Mensch, bin ich treu! Das hätte ich nicht von mir gedacht!


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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