13.02.2013

Einfach Mensch sein


Als meine Freundin und ich begannen, uns mit dem Inhalt unseres geplanten Buches „Doula-Wissen rund um die Geburt“ auseinanderzusetzen, habe ich viel über die Bindung zwischen Mutter bzw. Eltern und Kind gelesen. Lange vor meiner Zeit gab es einmal einen Versuch, für den man Babys ohne Ansprache und Zärtlichkeiten aufwachsen lassen wollte. Soweit ich weiß, sind damals alle gestorben. Wir Menschen brauchen die körperliche Nähe von Anfang an. Doch irgendwie wird es damit immer schwieriger: Wir fassen uns nicht mehr an. Viele Männer sind z. B. zurückhaltend, wenn sie mit Kindern umgehen – aus Angst, man könne eine zärtliche Geste falsch interpretieren. Auch wenn Erwachsene sich unterhalten, berühren sie sich kaum bis gar nicht. „Will der oder die etwa was von mir?“, könnte dabei als Frage aufkommen. In anderen Ländern ist es selbstverständlich, dass sich Menschen umarmen oder näher kommen. Und es ist nichts dabei.

In Deutschland entwickle sich eine körperängstliche Kultur, bedauert auch der Haptik-Forscher Privatdozent Dr. Martin Grunwald aus Leipzig in der „Apotheken Umschau“. „Berührungen sind tabu oder übersexualisiert“, sagt er. Oft würden sie auch nicht gutgeheißen, weil man dabei Keime übertragen könne. Grunwald rät, dem aktiv entgegenzuwirken, denn „ohne liebevolle Berührung ‚verhungert’ der Mensch“. Die wohltuende Wirkung beim Körperkontakt sei mit einer ganzen Hormon-Kaskade auch messbar. Wer körperliche Berührung vermisst, kann sie sich wenn nötig auch kaufen, als Wellnessangebote wie Hamam oder Massagen etwa.

Das erinnert mich an eine Passage in Talane Miedaners Buch „Coache dich selbst sonst coacht dich keiner“, in der sie von einem Single-Mann erzählt, der seinen Mangel an Körperkontakt durch eine wöchentliche Massage ausglich. Weil sein Energie-Tank dadurch wieder aufgefüllt war, konnte er bald eine neue Freundin finden. „Denn alles, was wir nicht brauchen, ziehen wir automatisch an“, schreibt Miedaner dazu.

Klingt ganz schön einfach, nicht wahr? Ich selbst habe vor etwa 20 Jahren festgestellt, dass ich es bei Unterhaltungen nie gewagt habe, jemanden anzufassen. Mir fiel das auf, weil ich eine Freundin hatte, die ständig andere anfasste, wenn sie sich mit ihnen unterhielt, z. B. sachte ihren Arm streifte. Das hat mich ermutigt, es ebenfalls zu tun. Ich mache das nicht im Überschwang, doch bei Menschen, die ich gut kenne, scheue ich mich inzwischen nicht mehr, sie zu berühren.

„Mehr Mut zur Körpernähe im Alltag“, rät Dr. Martin Grunwald. Das unterschreibe ich sofort!


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Ganz einfach Dunja

Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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