13.07.2012

Enttäuschte Verbraucher


Alles hat seine zwei Seiten. Mit der Einfachheit ist das übrigens genauso. Wenn es sich z. B. Lebensmittelhersteller einfach machen und eine Produktwelt erschaffen, die es gar nicht gibt, ist das eine Seite. Dass Verbraucher ihnen wieder vertrauen würden, wenn sie ganz einfach alles so anpreisen würden, wie es tatsächlich ist, ist die andere Seite.

Eine Studie der Universität Göttingen im Auftrag der Verbraucherzentralen belegt, dass die Aufmachung und Kennzeichnung von Lebensmitteln bei vielen Verbrauchern zu Missverständnissen führt und falsche Erwartungen weckt – ob deutscher Käse in griechischer Aufmachung, Formfleisch statt abgebildeter Hähnchenbrust oder „Acerolasaft“ mit der Hauptzutat Apfelsaft .

750 Verbraucherinnen und Verbraucher wurden zum Lebensmittelmarkt befragt. Bei den untersuchten 15 Beispielen ging es um Verpackungsaufschriften zu Regionalität, Zutaten und Herstellungstechniken, die aus Sicht vieler Verbraucher mehr versprechen als sie halten. So wird zum Beispiel deutscher Käse mit griechisch anmutendem Produktnamen und landestypischen Motiven vermarktet. Hier fühlen sich 72 % der Verbraucher getäuscht. In Deutschland sind mehr als 1.600 Lebensmittel mit dem Hinweis "ohne geschmacksverstärkende Zusatzstoffe" versehen. Eine Instantsuppe mit der Werbeaufschrift „ohne Geschmacksverstärker“ enthält z. B. anstelle von Glutamat Hefeextrakt. Dieser wirkt zwar ähnlich, gilt lebensmittelrechtlich aber nicht als geschmacksverstärkender Zusatzstoff. Über solche Kennzeichnungsmethoden ärgern sich 64 % der Verbraucher.

Das Verwirrungspotenzial betrifft übrigens alle Verbrauchergruppen – weitgehend unabhängig von Alter, Bildung und Geschlecht der Befragten und ihrer allgemeinen Einstellung gegenüber Werbung. Für knapp 80 % der Befragten ist die Kennzeichnung der Lebensmittel eher unverständlich und über 40 % vertrauen den Lebensmittelherstellern nicht. Ein Großteil der Befragten geht davon aus, dass die Ware auf der Verpackung positiver dargestellt wird als sie tatsächlich ist.  

Ich verstehe das nicht: Viele Verbraucher wären doch glücklich und würden gerne kaufen, wenn ein Produkt ehrlich vermarktet wird! Und diese Authentizität, die müsste doch einfach sein, nach meinem Verständnis. Mir genügt mittlerweile schon ein Blick auf die Zutatenliste: Es gibt zum Beispiel Backwaren, die ich immer wieder kaufe, weil dort eine überschaubare, nachvollziehbare Anzahl an Zutaten angegeben ist. Schaue ich dagegen auf die Rückseite einer Kekspackung, können mich schon mal 10 Zeilen aufgelisteter Zutaten auffordern, die Packung gleich wieder ins Regal zu stellen.

Neulich war ich in einem großen Bio-Supermarkt einkaufen. Das kommt nur selten vor, weil er nicht in meinem Einkaufsradius liegt. Überglücklich kaufte ich dort z. B. Wurstwaren ein, die mit einem Minimum an Zutaten auskommen. Der Geschmack war unglaublich gut!

Brauchen wir wirklich Produkte, die uns irgendetwas vorgaukeln? Kaufen wir sonst nicht ein? Ich erinnere da nur an das selbstgemachte Kräutersalz in der Forumsdiskussion zum Bubble Tea: Wenn die Hersteller nicht anders wollen, kaufen wir eben lieber die Grundzutaten und machen alles selbst ... bei vollem Geschmack!

Die vollständige Studie „Grauzone Lebensmittelkommunikation: Empirische Studie zur Verbraucherwahrnehmung im Spannungsfeld von Informationsanforderungen und Aufmerksamkeitsregeln“ steht zum Download bereit unter:
www.agrarmarketing.uni-goettingen.de


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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