17.01.2013

Faszination U-Bahn


Am Wochenende brachte mein Radiosender einen Bericht über die Londoner U-Bahn. Denn am 10. Januar vor 150 Jahren fand die Jungfernfahrt auf der ersten 6,5 Kilometer langen Strecke statt. U-Bahnen finde ich schon immer spannend. Angeregt durch einen Roman („Himmel unter der Stadt“ von Colum McCann) habe ich mich einmal gefragt, warum die Menschen auf die Idee kamen, unter die Erde zu gehen. Schließlich ist damit ein riesiger Aufwand verbunden.

Für simplify Wissen habe ich das einmal recherchiert – diesen Beitrag will ich euch heute gerne mit auf den Weg schicken. Wer weiß, vielleicht nutzt die eine oder der andere von euch die U-Bahn als Verkehrsmittel!?

Warum entstanden Bahnen unter der Erde?

In der 2. Hälfte des 19. Jh. gerieten in Großstädten Massenverkehrsmittel (z. B. Pferdeomnibusse) an ihre Leistungsgrenzen, was Schnelligkeit und die zurücklegbare Wegstrecke betraf. Hinzu kam, dass sich auf der Straße mittlerweile einfach zu viele Verkehrsteilnehmer tummelten, die sich gegenseitig behinderten. Deshalb planten die Menschen Verkehrsmittel, die unabhängig von den Hauptstraßen fahren konnten – auf eigenen Strecken. Dieser Ansatz ist sehr simplify! Zunächst setzten sie auf dampfbetriebene Eisenbahnen auf innerstädtischen Gleisen. London hatte eine Entlastung der Verkehrsströme besonders nötig, da es täglich wuchs. Es war im 19. Jh. die größte Stadt der Welt und ein bedeutendes Industrie-, Handels- und Banken-Zentrum. Im Jahr 1860 startete die Londonder Bahngesellschaft Metropolitan Railway (= hauptstädtische Eisenbahn) den Bau der 1. Strecke – unterirdisch geführt. Das war eine Weltpremiere!

Wie funktionierte das mit den Tunneln?

In London zog die neue Bahn immer mehr Fahrgäste an, sodass sich das Netz erweiterte. Zunächst bauten Ingenieure dafür so genannte offene Tunnel: Sie gruben eine Strecke aus und deckten sie danach wieder ab. Auch unter kleineren Hindernissen, wie Häusern, konnte die Bahn durchfahren. Als dann jedoch größere Herausforderungen anstanden, z. B. unter der Themse hindurchzukommen, mussten  tiefere, stabile Tunnel her. Auch das lösten findige Ingenieure, indem sie den Bau geschlossener Tunnel perfektionierten. Die Bahnen lagen nun viel tiefer und die unterirdischen Bauarbeiten beeinträchtigten den oberirdischen Verkehr kaum. Allerdings kamen dampfbetriebene Loks wegen der Abgase hier nicht mehr durch. Zum Glück hatte der deutsche Ingenieur Werner von Siemens im Jahr 1866 die Dynamomaschine erfunden, die den Einsatz elektrischer Bahnen ermöglichte – die zogen sich den Strom über den Schleifkontakt aus den Gleisen.

Warum war die U-Bahn so erfolgreich?

U-Bahn-Trassen entstanden auch in anderen Städten nach Londoner Vorbild. Und sie zogen eines nach sich: Menschen. Überall dort, wo Bahnstrecken verliefen, siedelten sich Leute an. Auch Kleinstädte und Dörfer am Rande von Millionenstädten waren plötzlich erreichbar. Das kehrte das ganze Besiedlungssystem um: In den Städten wohnten immer weniger Menschen. Dort konzentrierte sich stattdessen Handel, Dienstleistung und Verwaltung. Verkehrsströme gingen in das Zentrum hinein und wieder heraus – sie zogen Massen von Menschen mit. U-Bahnen erwiesen sich hierfür als besonders leistungsfähig und flächensparend.

Übrigens: Wusstet ihr, dass die U-Bahnkarten in den großen Metropolen meist völlig entkoppelt sind von den Himmelsrichtungen? Links ist nicht automatisch der Westen und rechts nicht gleich Osten. Ein Oben und Unten gibt es teilweise gar nicht, weil die Karten sonst nicht in die Bahnen passen würden! Werden die Strecken nur in Längsrichtung angezeigt, kann jeder Fahrgast ganz einfach mitverfolgen, an welcher Station die Bahn gerade ist und wie viele es noch bis zum Zielort sind. Korrekte Himmelsrichtungen würden nur verwirren und die Darstellung verkomplizieren.


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