06.06.2012

Feng Shui mit Fransen


Als ich meine jetzige Wohnung bezog, lud ich irgendwann eine Feng Shui-Beraterin ein. Diese bot Kurzberatungen an, und so lernte ich sie bei einer Freundin kennen, die ihr Büro für einen Kurzberatungstag zur Verfügung stellte. Als die Beraterin zu mir kam, lernte ich vor allem etwas über Dachschrägen. Denn meine Wohnung hat einige davon.

Dachgeschosswohnungen begrenzen mich, erfuhr ich. Dass ich mich nicht so entwickeln und entfalten kann, wie ich es vielleicht sonst täte. Von außen werden mir Grenzen gesetzt. Außerdem – wir testeten das aus – zieht eine Schräge sofort meinen Blick nach unten. Als Lösung schlug die Beraterin vor, in Augenhöhe horizontal eine rote Fransenbordüre an die Schrägen zu hängen. Damit bliebe mein Blick an der Bordüre hängen und würde nicht weiter nach unten abdriften. Außerdem würde ich mir dann weniger den Kopf anstoßen. Endlich würde ich die Grenzen setzen, aktiv, und mich nicht mehr länger begrenzen lassen.

Soweit so gut. Rote Fransenbordüre? Nein, das musste dann doch nicht sein. Auch wenn die Beraterin sagte: „Bei dir würde sie sogar passen.“ Einige Zeit nach der Beratung ging ich an die Umsetzung. Ich kaufte mir ein schönes, hochwertiges Stoffband und klebte es im Schlafzimmer auf Augenhöhe an die schräg abfallende Decke. Der Effekt verblüffte mich! Mit einem Mal wurde aus dem Zimmer ein Raum mit vier geraden Wänden! Der optische Anker führt offenbar dazu, dass unser Kopf die Schräge ausblendet. Das Raumgefühl ist ein anderes. Der Raum ist zwar kleiner, doch er wirkt vollständig, mit etwas Erweiterungsfläche im Schrägbereich unter der von mir gesetzten Grenze.

Das alles ist schon einige Zeit her. Dann hatte ich neulich ein längeres Gespräch mit einem Bekannten. Seine Frau leide so sehr unter ihrer Familie, die ihr immer und überall Vorschriften macht. Da sie im Familienbetrieb mitarbeitet, ist ein Loseisen davon schwierig. Außerdem störe sie massiv die Schrägen in ihrer Dachwohnung. Ständig stoße sie sich den Kopf an.

Ist das nicht ein schönes Bild? Die Dachschrägen begrenzen sie genauso wie ihre Familie. Sie würde gerne anders, kann aber nicht. „Ermutige sie doch, ihre Grenzen selber zu setzen“, sagte ich zu dem Bekannten und erzählte ihm von dem Trick mit der Bordüre. Er fand die Idee gut. Ob die beiden sie jemals umsetzen werden, weiß ich nicht. Ob es auf allen Ebenen wirkt, weiß ich auch nicht. Es hat eine Wirkung, das weiß ich! Und das alleine ist manchmal Impuls genug.


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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