01.06.2012

Früher war alles besser: Die Charakterologie


Gerade die zwischenmenschlichen Themen aus dem Hausfreund-Kalender finde ich interessant, weil sie ein stückweit die Einstellungen und Ansichten der Menschen in den 1960er-Jahren spiegeln. Umso überraschter war ich (nach der Nummer mit den Eheproblemen) über den Beitrag: „So enträtselt man seinen Nächsten.“ Bei simplify lauten solche Beiträge in etwa so: „Das Verhalten anderer Leute lesen“  oder „So entschlüsseln Sie die Gestik Ihrer Mitmenschen“ oder „Nonverbale Kommunikation: Das sagt der Körper wirklich“. Rein vom Titel her liegen wir mit „Früher“ also gar nicht so weit auseinander.

Die kleine Blickkunde zum Einstieg des Beitrages finde ich gut:

  • Blick nach unten heißt: Der andere denkt an die Vergangenheit
  • Blick nach oben heißt: Der andere denkt an die Zukunft
  • Blick geradeaus heißt: Der andere denkt über die Gegenwart nach

Einfacher geht’s nicht!

Danach wird das Gesicht in mehreren Einheiten betrachtet:

Das Gesicht selbst ist Ausdruck aller Seelenzustände – es spiegelt feine Regungen genauso wider wie „gröbste Äußerungen“ (z. B. Jähzorn oder Wut).

Die Stirn zeigt an, ob wir ruhigen oder unruhigen Gemüts sind.

Die Nase ist aussagekräftig, wenn es um Stolz oder Eitelkeit, um Begierde oder Neugierde geht.

Dem Mund ist leidenschaftliches Begehren (aufgeworfene Lippen), konzentriertes Denken (gestraffte Oberlippe) oder Zorn bzw. Wut (zusammengepresste Lippen) abzulesen.

Das Auge spiegelt den Wechsel unserer Stimmungen und den Gemütszustand im Moment der Betrachtung.

Wer zum Menschenkenner werden wolle, schreibt der Hausfreund, brauche nicht nur das Grundwissen über die Charakterologie, sondern müsse vor allem die Menschen beobachten. Außerdem weist der Verfasser auf die Gefahren hin: Man solle nicht vorschnell urteilen, nur weil man meint, etwas Bestimmtes oder „Absonderliches“ erkannt zu haben. Vor allem bei irgendwelchen Glaubenssätzen, die sich aus alten Redewendungen ergeben, müsse man vorsichtig sein. Zum Beispiel: „Die Längsten sind immer die Dümmsten!“ „Die Hauptsache ist, dass wir jeweils den ganzen Menschen beurteilen“, heißt es. Ja, dem stimme ich zu, wenn ich auch lieber von „betrachten“ als von „beurteilen“ sprechen würde. Beim Beurteilen ist man dem Urteilen gefährlich nahe ...

(Zitate aus: Hausfreund-Kalender 1966, Klambt-Verlag, Speyer, S. 50, 52)


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