10.11.2014

Für all jene, die sich auch fragen, warum es ein Bonusheft gibt


Am Samstag schrieb ich noch über nervige Umstände, zu denen man ruhig NEIN sagen soll. Schon heute sage ich laut und deutlich NEIN zu einer Sache, doch abschaffen kann ich sie trotzdem nicht. Es geht um das Bonusheft, das ich seit vielen Jahren zum Zahnarzt mitschleppe. Seit 1998, um genau zu sein.

Das sieht man diesem Heft auch an! Es hat schon etliche Portemonnaies kennengelernt, wo es nicht immer 1A reinpasste. Irgendwann muss es auch mal feucht geworden sein, denn die Stempelfarbe weist in vielen Feldern eine gewisse Unschärfe auf. Im Adressfeld steht noch eine Adresse, von der ich gar nicht mehr weiß, dass ich dort jemals gewohnt habe ... Sie ist inzwischen durchgestrichen und durch eine neue ersetzt worden, die auch wieder durchgestrichen wurde. Irgendwann habe ich aufgehört, die Adresse zu aktualisieren. Es ist schon erstaunlich, was sich in 16 Jahren alles verändern kann. Nur mein Bonusheft nicht, das bleibt das alte.

Ich möchte mich an dieser Stelle einmal selbst dafür loben, dieses Bonusheft in den vergangenen 16 Jahren nicht ein einziges Mal verloren zu haben!

Fazit ist, das schreibe ich mit ein wenig Ironie: Mein Bonusheft ist toll!

Was ich allerdings nicht toll finde, ist das, was kommt, wenn ich das Bonusheft einmal brauche. So geschehen vor etwa einem Monat. Die Sprechstundenhilfe beim Zahnarzt drückte mir bei der Verabschiedung einen Heil- und Kostenplan in die Hand. Denn solle ich bitte zusammen mit meinem Bonusheft bei der Versicherung einreichen. „Ach nein, nicht schon wieder!“, dachte ich bei mir.

Ich erkläre einmal das Prozedere: Heil- und Kostenplan mit nach Hause nehmen. So lange warten, bis man es nicht mehr aushalten kann und sich endlich darum kümmern muss. Bonusheft suchen. Prüfen, ob auch lückenlos alle Stempel drin sind. Bonusheft kopieren. Stopp. Kopierer sind out. Ich kenne niemanden, der einen hat. Der nächste Copyshop scheint unerreichbar weit weg. Bonusheft scannen. Wo war noch gleich das Kabel für den Scanner, den ich ungefähr einmal im Jahr benutze? Also doch nicht. Bonusheft abfotografieren. Wie schön! Die Qualität ist unterirdisch, aber Hauptsache man sieht, dass überall etwas ausgefüllt wurde.

Fotos des Bonushefts in eine Datei laden. Ausdrucken. Bonusheft-Verschnitt zusammen mit Heil- und Kostenplan kommentarlos in einen Briefumschlag stecken und Adresse der Krankenkasse darauf schreiben. Ich bin nicht immer so unfreundlich, aber in diesem Fall geht das auch ohne persönliche Worte. Den Brief auf die Küchenwaage legen. 24 Gramm. Also das nächsthöhere Porto aufkleben. Wie viel war das noch gleich? Suche im Internet. 90 Cent. Frankierten Brief in die Post geben.

Abwarten, bis die Krankenkasse den Heil- und Kostenplan bewilligt per Post an mich zurückschickt. Beim nächsten Zahnarztbesuch daran denken, den bewilligten Heil- und Kostenplan mitzunehmen. Heil- und Kostenplan der Sprechstundenhilfe beim Zahnarzt wieder in die Hand drücken. Wenn möglich nicht erst 2 Monate später ...

Ich frage nun mich und alle anderen an dieser Stelle: Wofür brauche ich ein Bonusheft? Der simplify-Weg wäre in meinen Augen: Die Sprechstundenhilfe schickt den Heil- und Kostenplan direkt zu meiner Krankenkasse. Die prüft im System, ob die Dunja jedes Jahr brav beim Zahnarzt war – das muss sich ja irgendwie abbilden lassen. Dann schickt sie den bewilligten Plan zurück zum Zahnarzt. Fertig.

Wir leben in einer Welt, in der die Technik so ziemlich alles kann. Warum lässt sich die Aussage des Bonusheftes, nämlich seit wann ich regelmäßig beim Zahnarzt war, nicht zentral verwalten? Nicht digital abrufen? Bestimmt gibt es Gründe dafür. Den Datenschutz zum Beispiel. Aber wisst ihr was: Wegen mir kann die ganze Welt wissen, seit wann ich jedes Jahr zum Zahnarzt gehe! Das tut sie spätestens jetzt, wenn ich diesen Beitrag einstelle ...


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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