09.03.2013

Gedanken über die Zukunft des Buchhandels


In meinem Bekanntenkreis hat gerade jemand eine Buchhandlung eröffnet. Ich wunderte mich sehr darüber, scheint dieses Vorhaben doch in heutiger Zeit eine echte Herausforderung zu sein. Den Laden selbst kenne ich nicht, ich weiß nur, dass er sich auf bestimmte Literatur spezialisiert hat. Ob seine Buchhandlung einen Mehrwert bietet? Raum, um Kaffee oder Tee zu trinken, während man sich Bücher anschaut, die man später digital einkaufen wird?

So beschreibt jedenfalls Svenja Hagenhoff, Professorin für Buchwissenschaft mit dem Arbeitsgebiet Medienwirtschaft und anwendungsbezogene Technologien an der Uni Erlangen-Nürnberg, eine mögliche Zukunft der Buchhandlung: Gedruckte Bücher sind nur noch Anschauungsobjekte, die in geringer Stückzahl im Ladengeschäft vorhanden sind. Sie dienen dem Entdecken, Stöbern, Reinlesen und darüber Palavern vor Ort bei Kaffee oder Wein. Der Leser kauft das Buch digital an der Zapfsäule im Laden und bleibt mit seinem E-Book-Reader vielleicht weiterlesend und konsumierend sitzen (schöner als in der DB-Lounge ist das allemal). Der Umsatz bleibt da wo er hingehört (am Ort des Erlebnisses), der Kunde hat eine schöne Zeit (ansprechender als auf mein-onlineshop.de) – und das Buch, aber ohne schwere Sackerln. Auch VW & Co. verkaufen heute nicht einfach nur Autos, das Abholen des Wagens im Werk wird zelebriert.

Interessant finde ich ihre Aussage, dass wir Konsumenten es einfach haben wollen. In ihrem Kommentar „Der Untergang des traditionellen Buchhandels. Ist Amazon wirklich an allem schuld?“ schreibt sie: Der Hang zur Monopolbildung hat unter anderem etwas mit der Bequemlichkeit der Konsumenten zu tun. Um Leistungen über das Internet in Anspruch nehmen zu können, sind Accounts bei den diversen Händlern erforderlich. Praktisch für den Kunden ist es, wenn er viele seiner Wünsche mit nur einem Account bei genau einem vertrauenswürdigen Akteur befriedigen kann. Er verliert nicht den Überblick über die Verteilung seiner persönlichen Daten und muss sich nicht mit verschiedenen Apps und Prozessen auseinandersetzen.

Da hat Professorin Hagenhoff absolut Recht! Wenn ich im Internet auf der Suche bin nach einem Produkt und dabei die Preise vergleiche und dann zu einem Shop geleitet werde, den ich noch nicht kenne, frage ich mich stets: Will ich mich hier jetzt auch noch registrieren? Meist habe ich dazu keine Lust, weil ich in Sorge bin, den Überblick über meine Registrierungen zu verlieren. Ja, ich hätte es gerne einfacher.

Laut Hagenhoff ist der einzige Weg für die Buchwirtschaft die Kooperation. Nicht mit Amazon, sondern untereinander: eine App zur Bestellung von Büchern, ein Account, ein Prozess, egal bei wem der Kunde sein E-Book kaufen möchte – und in Zusammenarbeit mit der Verlags- sowie Endgerätewirtschaft ein Dateiformat. Die buchhändlerische und printwirtschaftliche Kleinstaaterei ist keine Basis für die digitale Welt. Beispiele aus anderen Branchen zeigen, dass die Kooperation mit Wettbewerbern sinnvoll sein kann und machbar ist, um gegen größere Wettbewerber bestehen zu können oder neue Strukturen zu forcieren, für deren Umsetzung der einzelne zu klein ist. Bei der Star Alliance kauft der Kunde ein Ticket bei der Lufthansa und fliegt in einer Maschine der Scandinavian Airlines; den Erlös teilen sich die Partner. Zahlreiche Kommunen haben sich mit dem Angebot „Handyticket“ zusammengeschlossen, um dem Bürger den Kauf einer Fahrkarte per Handy zu erleichtern. Der Nutzer benötigt, egal in welcher Stadt er sich befindet, hierfür nur eine App und einen Account.

Klingt gut!


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