10.05.2012

Geschichten aus dem Leben - Woche 3: Stimmen unsere Werte überein?


Als ich noch Angestellte war, hatte ich einmal ein sehr eindrückliches Erlebnis: Ich war zeitweise verantwortlich für ein sehr großes Budget, weil es kurzfristig zu einem Mitarbeiterausfall kam. Das Projekt musste am Laufen bleiben bzw. schleunigst in richtige Bahnen gelenkt werden. Der Druck auf alle war groß. Als ich mich bei einer Telefonkonferenz mit Mitarbeitern aus anderen Standorten abstimmte, riss mir irgendwann der Geduldsfaden – die anderen konnten oder wollten nicht verstehen, dass schnelles, punktgenaues Handeln gefragt war.

Was tat ich? Ich packte den Chef in mir aus und herrschte sie an: „So und so wird’s gemacht, basta!“ Meine Chef-Kopie war erfolgreich. Danach lief die Sache. Doch ich fühlte mich nicht mehr wie ich. Sollte das wirklich Dunja gewesen sein? Es brauchte einige Zeit, bis ich mir die Antwort darauf geben konnte: Nein, das war nicht ich.

In Rachel Naomi Remens Buch schildert die Autorin zu Beginn des Kapitels „Einstimmung“ etwas sehr interessantes: Für eine Forschungsarbeit fragte sie die beteiligten Ärzte, was für sie das Wichtigste in ihrer Arbeit war und welche Werte für sie persönlich wichtig waren. Remen hatte den mehr als 70 Teilnehmern dafür eine Liste mit 21 Werten wie Mitgefühl, Kompetenz, Liebe oder Freundlichkeit bereitgestellt. Jeder sollte den Werten einen Rang zuweisen – mal für sich persönlich, mal für die Arbeit.

Das Ergebnis war erstaunlich: Die beiden Ranglisten stimmten nirgends überein, im Gegenteil. Persönlich und beruflich waren den Teilnehmern ganz andere Werte wichtig. Wie kann das sein? Einige der Ärzte meinten, es sei einfach nicht möglich, nach den eigenen Werten zu leben.

Warum ist das so? Was bewirken wir damit, dass wir gegen uns selbst handeln? Kurzfristig betrachtet schützen wir uns vielleicht vor Zurückweisung, vor Angriffen von Kolleginnen und Kollegen, wir sichern uns unseren Platz in der Arbeitswelt oder unseren Status. Langfristig gesehen kostet es uns vielleicht die Gesundheit, die Lebensfreude oder sogar das Leben.

Remen schreibt*: „Tief da drinnen klingt unsere Integrität – ob wir ihr zuhören oder nicht. Es ist ein Ton, den nur wir selbst hören können. Wenn das Leben uns schließlich dazu bringt, auf diesen Ton zu hören, dann wird er uns den Weg nach Hause weisen.“

Werner Tiki Küstenmacher hat einmal in einem Beitrag über das Tugend-Projekt (www.virtuesproject.com) die 52 Tugenden vom Englischen ins Deutsche übersetzt. Nun ist eine Tugend laut ihm nicht gleich einem Wert („Werte sind zum großen Teil kulturspezifisch“, schreibt er), aber sie können genauso als Maßstäbe dienen, um Ranglisten zu erstellen. Wer Lust hat, kann sich ja seine 10 persönlichen Favoriten heraussuchen und sie mal den beruflichen gegenüberstellen:

Anstand, Begeisterung, Bescheidenheit, Dankbarkeit, Durchhaltevermögen, Durchsetzungsvermögen, Ehrlichkeit, Einsatzbereitschaft, Entschlossenheit, Fleiß, Flexibilität, Freude, Freundlichkeit, Freundschaft, Friede, Fürsorge, Geduld, Gerechtigkeit, Großzügigkeit, Güte, Herzensreinheit, Hilfsbereitschaft, Hingabe, Höflichkeit, Idealismus, Kooperation, Kreativität, Liebe, Loyalität, Mitgefühl, Mut, Ordnung, Qualitätsbewusstsein, Respekt, Selbstdisziplin, Selbstbewusstsein, Sorgfalt, Takt, Toleranz, Treue, Verantwortungsbewusstsein, Verständnis, Vertrauen, Vertrauenswürdigkeit, Verzeihung, Weisheit, Zufriedenheit und Zuverlässigkeit.

Erläuterungen zu den einzelnen Virtues gibt es in Englisch hier beim Virtuesproject.

* Aus Liebe zum Leben, S. 56


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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