07.06.2012

Geschichten aus dem Leben - Woche 6: So Gott will


Meine Tochter ist in einem Alter, in dem sie viele Fragen stellt. Nicht nur die klassischen Fragen nach dem „Warum“, sondern auch solche, die sich nicht so ohne weiteres beantworten lassen: „Mama, stirbst du auch nicht?“ oder „Kommt die Clara uns ganz bestimmt besuchen?“ oder „Kommst du mich ganz sicher abholen? Versprochen?“

All diese Fragen lassen sich nur mit einem „Ja, wenn ...“ beantworten. Eigentlich. Manchmal finde ich mich in einem kleinen Dilemma wieder – ich will gerne Ja sagen, ihr Gewissheit geben. Und doch kann auch ich nicht in die Zukunft blicken. Wer weiß schon sicher, ob Clara nicht etwas dazwischen kommt? Andererseits mag ich meiner Kleinen nicht alles auflisten, was auf Claras Weg zu uns passieren könnte.

Also versuchte ich bisher immer, die Dinge etwas zu relativieren: „Ja, ich hoffe, dass sie diesmal kommt. Ganz sicher können wir uns nie sein, weißt du?“ „Warum?“ ... Ich lasse das mal so stehen. Es gibt ganz einfach Dinge, die haben wir nicht in der Hand.

Im dritten Teil von Rachel Naomi Remens Buch „Aus Liebe zum Leben“ schreibt sie über ihren Großvater, der orthodoxer Jude war. Er traf Verabredungen für die Zukunft stets mit dem Zusatz „so Gott will“. Dabei war es egal, ob die Zukunft weit entfernt lag oder nah („Wir essen in einer Stunde.“) Remen dazu: „Gott könnte es immerhin vorziehen, der Welt irgendwann zwischen jetzt und der Hühnersuppe ein Ende zu machen.“ Ihr Großvater sei nicht ängstlich gewesen, er habe „sich und seine Umgebung einfach an die Natur der Dinge“ erinnert.

Als ich dieses Kapitel „Versprechen“ vorgestern las, konnte ich mich gleich damit verbinden. Ein „so Gott will“ ist das, was mir als Erklärung oder Beisatz so oft fehlt. Mir ist diese Anmerkung bekannt, und ich habe sie bisher eher floskelhaft wahrgenommen. Über den eigentlichen Gehalt dieser Aussage machte ich mir nie Gedanken. „So Gott will“ heißt, dass wir uns nicht so sehr an die Dinge klammern, dass wir dem Raum geben, was für uns (noch) nicht erfassbar ist. Es ermöglicht uns, Versprechungen zu machen und dann darauf zu warten, wie sich die Dinge wirklich entwickeln. In dieser Haltung geht Remen z. B. mit ihren Terminen um, die sie drei Jahre im Voraus in ihren Kalender einträgt.

Nächste Woche gibt es den 7. Teil aus meiner Reihe „Geschichten aus dem Leben“, so Gott will.


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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