14.06.2012

Geschichten aus dem Leben - Woche 7: Die Weisheit der Intuition


Gegen Regeln habe ich mich Zeit meines Lebens immer etwas gesträubt. Nicht etwa gegen Verkehrsregeln oder die Schulordnung. Nein, es ging eher um selbst auferlegte Regeln oder Vorschriften für Abläufe, für die ich glaubte keine zu brauchen. Ein Beispiel: Wie lange muss Tee ziehen? Wie viel Tee brauche ich pro Tasse? Egal, das mache ich schon intuitiv richtig!

Bei manchen Vorhaben ist es mit der Intuition schwierig. Etwa dann, wenn ich erst einmal die Regeln und Abläufe verstehen muss, bevor ich einfach so agieren kann. Ich erinnere mich an meine ersten Schacherfahrungen: In einer Projektwoche an der Schule erlernte dich das Schachspielen notdürftig. Danach wollte ich mit meinem Freund zu Hause spielen. Ich überlegte unendlich lange, bevor ich einen Zug machte. Ich wollte alle Eventualitäten vorher abschätzen und mit meinen Figuren genau richtig ziehen. Mein Freund beendete meine Schach-Laufbahn noch in dieser Partie jäh mit dem Satz: „Du kannst es doch eh nicht! Was überlegst du noch so lange?“ Danach habe ich nie wieder ein Schachbrett aufgebaut ...

Auch den Eltern von Rachel Naomi Remen mochte es so ähnlich ergangen sein. Hier war es der Vater der Autorin, der sich irgendwann weigerte, noch weiter Rommé mit seiner Frau zu spielen. Remen erzählt in ihrem Buch „Aus Liebe zum Leben“*, wie sie die beiden beim Spielen erlebt hat. Ihr Vater habe aus dem Spiel eine Wissenschaft gemacht. Er beobachtete und berechnete genau, wer welche Karten auf der Hand hat, noch zieht oder abgelegt haben mag. So konnte er immer mit ziemlicher Gewissheit das Spiel zu seinen Gunsten beeinflussen. Im Kreise seiner Freunde gewann er fast immer.

Gegen Remens Mutter war er allerdings chancenlos. Sie spielte „total intuitiv. Sie missachtete sämtliche Regeln des Spiels, brach unbekümmert Sequenzen auf, legte zu einem Satz gehörende Karten ab oder legte Karten, die sie eben erst aufgenommen hatte, wieder ab.“ Ich stelle mir das bildlich vor und sehe den Mann förmlich vor mir, wie er sich ärgert, dass so viel Unbekümmertheit trotzdem zum sicheren Sieg führen kann. Alles Wissen half ihm hierbei wenig. Irgendwann muss er zu Remen gesagt haben: „Sie spielt nicht fair.“

Für die Autorin waren diese Spiele nicht nur „zum Schreien komisch“, sondern auch eine erste Lektion „über die Tatsache, dass das eigentliche Spiel jenseits der Regeln liegen mag. (...)

* 5. Teil: „Sich mit dem Leben anfreunden“, „Das Spiel“


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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