28.06.2012

Geschichten aus dem Leben - Woche 8: Von zarten Pflänzchen und vollen Gießkannen


Irgendwann habe ich einmal mit Patrick aus dem simplify-Team ausgemacht, dass eine Blog-Serie acht Wochen lang läuft. Das erschwert es mir gerade, meinen letzten Beitrag zum Buch „Aus Liebe zum Leben“* zu schreiben. Denn ich habe es noch gar nicht ganz zu Ende gelesen! Knapp 100 Seiten fehlen mir noch. Ich glaube nicht, dass ich jemals so gerne so lange für ein Buch gebraucht habe. Das hat damit zu tun, dass einem dieses Buch so viele kleine Gelegenheiten bietet, über das Leben nachzudenken. In jeder der 110 Erzählungen steckt ein neuer Gedanken-Impuls – mein Beitrag von gestern wurde auch inspiriert von dem, was Rachel Naomi Remen über das „dem Leben Dienen“ schreibt.

So las ich dann die letzten Abende fleißig weiter, um die möglichst beste Auswahl treffen zu können. Doch ich kam nicht bis zum Ende. Immerhin begegnete mir eine Geschichte, die einen bekannten simplify-Aspekt beleuchtete. Ich entschied mich, dass dies die letzte sein wird, von der ich hier erzähle. Sie handelt vom Spenden und von Wohltätigkeit. Sie trägt den Titel „Das Geschenk neuer Augen“. Wenn Remen von „neuen Augen“ schreibt, ist immer dasselbe gemeint: eine neue Perspektive einzunehmen, die Dinge anders zu sehen als vorher, bisher Ungesehenes sichtbar zu machen.

In der besagten Geschichte erzählt die Autorin von einem Geldgeschenk, das sie von einer Freundin erhalten hatte: 20.000 Dollar, die sie für wohltätige Zwecke verwenden durfte. Die Freundin hatte eine große Erbschaft gemacht, musste aber jedes Jahr einen Teil des Geldes ebensolchen Zwecken zugute kommen lassen. Also verschenkte sie an einige Freundinnen jeweils 20.000 Dollar. Remen stand nun vor der Herausforderung, Gruppen oder Menschen zu finden, die etwas Unterstützenswertes taten. Es fiel ihr schwer, so jemanden zu finden, weil sie zuvor ihr Augenmerk nie darauf gerichtet hatte. Bisher hatte sie kein Geld, das sie verschenken konnte. Ich möchte sie an dieser Stelle zitieren, weil das Geschriebene so bildhaft und deshalb eingängig ist: „Es kann sein, dass man Pflänzchen, die um ihr Überleben ringen, einfach nicht bemerkt, bis einem jemand eine volle Gießkanne in die Hand drückt. Doch jetzt sah ich sie plötzlich. Sie waren überall.“

Als Remen eines Abends mit einer Freundin in einem Restaurant war, saßen zwei Männer am Nachbartisch und unterhielten sich. Einer der Männer organisierte gemeinsam mit Kollegen ein Programm, um verwaisten Eltern zu helfen. Eltern, die in Armut lebten und deren Muttersprache Spanisch war. Sie wurden von Helfern psychologisch betreut. Bisher hatten die örtlichen Krankenhäuser das Programm unterstützt und damit einigen Familien geholfen, die ein Kind verloren hatten. Die Krankenhäuser organisierten sich neu, und die Spenden fielen weg. So stand das Programm vor dem Aus, wie der Mann erzählte.

Sein Freund fragte ihn, wie viel Geld sie bräuchten. „Viel Geld“, hatte der andere traurig geantwortet. „Viertausend Dollar.“ In diesem Moment schaltete sich Remen ein. Sie hatte die ganze Zeit schon zugehört. Sie sicherte dem Mann die benötigten viertausend Dollar zu und zog sofort ihr Scheckbuch aus der Handtasche. Sie ist überzeugt, dass sie das Gespräch gar nicht zur Kenntnis genommen hätte, wenn ihre Freundin ihr kein Geld gegeben hätte. So konnte sie einen Beitrag leisten. Innerhalb von drei Jahren gab sie ihre 20.000 Dollar für wohltätige Zwecke aus.

„Dabei geschah etwas Beachtliches“, schreibt sie. Auch heute noch, wo sie kein Geld mehr zu verschenken habe, sehe sie, wo unterstützenswerte Dinge geschehen, und sie reagiere weiterhin darauf. „Was ich zu geben habe, ist meine Zeit, meine Fähigkeiten, mein Netzwerk von Freunden und meine Lebenserfahrung. Man braucht kein Geld um wohltätig handeln zu können. Wir alle haben irgendwelche Mittel.“

Damit endet nun meine Serie über das Leben und seine Geschichten. In meiner nächsten wird es um Liebe und Partnerschaft gehen.

* Zitate aus dem 5. Teil, "Sich mit dem Leben anfreunden", S. 273 ff.


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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