12.07.2016

Haustürgeschäfte? Nein, danke!


Gestern habe ich etwas erlebt, das mich sehr nachdenklich gestimmt hat. Zur Mittagszeit klingelte es an der Haustüre. Vorher war schon Hundegebell zu hören, denn unser Vierbeiner war draußen und hatte offensichtlich etwas gegen den Besucher. Dieser ließ sich wiederum überhaupt nicht einschüchtern und lief wagemutig bis vor unsere Haustüre.

Auch als ich öffnete, beruhigte sich unser Hund nicht. Meine Tochter kam mir zu Hilfe und sperrte ihn weg. Er bellte unaufhörlich weiter, unterdessen versuchte ich mich auf den Besucher und sein Ansinnen zu konzentrieren. Er käme aus dem Odenwald und hätte Obst sowie verschiedene andere Waren mit an Bord. Nudeln. Marmelade. Olivenöl.

Sofort schoss mir der „Händler vom Bodensee“ in den Sinn, von dem ich einmal Äpfel abgekauft hatte, die alle einen Kälteschaden hatten. Ich glaube, dieser Mann sah genauso aus ... Um die Sache abzukürzen, sagte ich direkt: „Obst und Gemüse bekommen wir wöchentlich von einem Händler geliefert! Brauchen wir nicht!“

An dieser Stelle mache ich für euch einen kleinen Einschub: Wir waren gerade am Mittagessen. Dafür hatten wir nur noch 5 Minuten, weil wir zu einem Termin mussten. Ich war also nicht erpicht darauf, mir lange Verkaufsgespräche anzuhören.

Nach meiner Ansage ließ der Händler das Obst in seinem Körbchen links liegen und ging gleich zu Nudeln und Olivenöl über. Er begann mich über die Vorzüge aufzuklären. Derweil rief meine Tochter aus der Küche: „Mama! Kann ich mir noch was aus dem Topf nehmen?“ Ich antwortete. Der Hund bellte. Der Mann redete weiter.

Beim Schöpfen der Suppe stieß meine Kleine ein Glas um. Das war nicht zu überhören. Der Hund ebenso wenig. Der Mann pries weiter sein Olivenöl an. Die Tochter rief aus der Küche „Mama! Überall ist Glas! Ich kann nicht mehr laufen!“ Der Händler redete weiter. Der Hund bellte. Im Hinterkopf sah ich unseren Zeitpuffer dahinschwinden und – das ist unglaublich! – ich machte mir wirklich Gedanken, ob ich eine Flasche Olivenöl kaufen sollte! Ich fragte sogar nach dem Preis!

Ist das zu fassen?

Man nennt dies „Überrumpelungseffekt“. Mir persönlich, wie anderen Menschen auch, fällt es unheimlich schwer in solchen Situationen nein zu sagen. Man will dem anderen einen Gefallen tun oder ihn schnellstmöglich wieder loswerden. Denn diese Hausierer sind, wie ihr an meinem Beispiel seht, mit allen Wassern gewaschen. Sie lassen sich weder von aggressiven Hunden noch vom Mittagstisch oder Glasscherben beeindrucken. Auf meine Aussage „Wir müssen leider in 2 Minuten weg“ antwortete er: „Ich kann Ihnen dieses Olivenöl in 2 Minuten verkaufen!“

Nein, ich werde an meiner Haustüre nichts mehr kaufen! Ganz einfach. Für ein gutes Olivenöl habe ich bereits meine Bezugsadresse. Und auf Obst mit Kälteschäden kann ich gut verzichten. Diejenigen, die an der Haustüre von mir einen Spenden-Überweisungsschein ausgestellt haben wollen, schicke ich bereits seit Jahren rigoros weg. Meinen Standard-Spruch „Ich unterschreibe nichts zwischen Tür und Angel“ werde ich entsprechend abändern in „Ich kaufe nichts an der Haustüre“. Punkt.


zum nächsten Artikel
zum vorherigen Artikel

simplify your life

Holen Sie sich mit dem gedruckten Beratungsbrief "simplify your life" jetzt das echte simplify-Erlebnis. Hier die aktuelle Ausgabe und GRATIS-CD sichern.

Ganz einfach Dunja

Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

Gratis E-Mail Newsletter

Gratis Download:

Best of simplify Gratis-Download

Jetzt für kostenlosen Newsletter eintragen und Sofort-Download sichern. 100% Gratis!