23.07.2011

Hilfe, ich chauffiere die Frau des Konzernchefs!


Als ich Montagnacht den Hasen über die Straße hoppeln sah, kam mir ein Erlebnis in den Sinn, das ich vor bald zehn Jahren hatte. Damals war ich noch Angestellte in einer Agentur, und wir hatten einen besonderen Kundentermin fernab des Alltagsgeschäfts, auf einer Anhöhe mitten im Mittelgebirge.

Am Tag vorher verkündete mir mein Chef: „Dunja, du nimmst die Frau von Herrn Ganzoben mit nach Hause!“ Herr Ganzoben war der Chef und Gründer eines großen Unternehmens, seine Frau die Schirmherrin eines Projektes, das ich mit begleitete. Mir wurde schon bei dem Gedanken daran schlecht. Die Fahrt ins Gebirge dauert über eine Stunde, es geht in Schlangenlinien nach oben, und auf der Rückfahrt wird es stockfinster sein. Das allein ist schon ein Kraftakt für mich, und nun sollte ich auch noch Frau Ganzoben mitnehmen!

Wir trafen uns an besagtem Abend in einem feinen Restaurant, das Essen war mit Sicherheit ein Genuss. Aber ich war ein Häufchen Elend. Ich hatte mich so in den Gedanken verrannt, eine Stunde wortlos mit Frau Ganzoben im Firmen-Mittelklassewagen durch die Dunkelheit zu gurken, dass meine Übelkeit vom Vortag an Ort und Stelle nur schlimmer wurde. Und Frau Ganzoben wechselte den ganzen Abend mit mir kein Wort.

Dann kam irgendwann der große Moment: Dunja und Frau Ganzoben brechen auf zur Heimfahrt. Wir steigen ein. Ich parke rückwärts aus der Parkbucht am Rande einer Waldlichtung aus. Dann zeigt Frau Ganzoben nach rechts: „Schauen Sie mal! Ein Fuchs!“ Tatsächlich! Das Tier steht ganz nah beim Auto, es ist deutlich zu erkennen.

Ab diesem Moment unterhalten wir uns die ganze Fahrt über ununterbrochen. Ich merke weder, dass es dunkel ist, noch dass wir Serpentinen fahren, noch dass es sich bei meiner Gesprächspartnerin um Frau Ganzoben handelt. Ich setze sie wohlbehalten vor ihrer Villa ab und fahre völlig beschwingt zu mir nach Hause. Wer hätte das gedacht!

Warum das Leben verkomplizieren, wenn es auch einfach geht? Die vielen Gedanken und körperlichen Reaktionen vor dieser Heimfahrt hätte ich mir wirklich (er)sparen können. Auch Menschen „ganz oben“ sind nur Menschen.


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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