05.10.2016

Hoch die Tassen, weg die Tassen: Wohin mit alten Porzellansammlungen?


Gibt es eigentlich noch so etwas wie Polterabende? In der Region, aus der ich stamme, feierte man früher ein Fest vor jeder Hochzeit, den sogenannten Polterabend. Nach dem Motto „Scherben bringen Glück“ trug jeder Gast altes Geschirr mit sich, um es laut scheppernd auf einen großen Haufen mit zerbrochenem Porzellan zu werfen. Glasscherben sind, soweit ich weiß, tabu.

Jedenfalls habe ich in den vergangenen Tagen oft überlegt, ob ich extra für diesen Zweck altes Porzellan aufheben soll. Ganz konkret geht es um Sammeltassen, die es früher zu jeder Gelegenheit als Geschenk gab. Durch den Tod mehrerer Verwandter in den zurückliegenden Jahren, haben sich zig solcher Tassen samt Untertasse und Kuchenteller bei mir angesammelt. Jedes Jahr gehe ich zum Flohmarkt, um einige davon zu verkaufen. Doch der Erfolg hält sich in Grenzen. Ich schleppe stets fast das ganze Porzellan wieder mit nach Hause.

Als die letzten September-Tage so schön waren, fing ich an, unseren Abstellraum zu entrümpeln. Wir ziehen in absehbarer Zeit um. Das motiviert enorm, sich von altem Ballast zu befreien. Bei dieser Aktion sind mir die guten alten Sammeltassen wieder begegnet. Ich entschied mich, damit nicht noch einmal auf den Flohmarkt zu gehen. Doch was mache ich sonst mit dem Porzellan?

Ich erinnerte mich an einen Porzellan-Laden, der altes Geschirr ankauft. Vor Jahren hatte ich darüber in der Zeitung gelesen. Ich grübelte: Wo hatte ich nur diesen Zeitungsausschnitt abgelegt? Ich war mir sicher, ihn aufgehoben zu haben. Irgendwann fiel es mir ein: Im Ordner „Zettelwirtschaft“ wird er sein. Unter „P“ wurde ich dort tatsächlich fündig und rief im Laden an.

„Sammeltassen kaufen wir selten an“, meinte die Dame, „schon gar nicht die eierschalenfarbenen.“ Aber ich könne gerne ein Bild schicken oder vorbeikommen mit den Tellern, damit sie die Muster durchsehen kann. Also packte ich alles ins Auto und fuhr hin.

Könnt ihr euch noch erinnern, dass ich vor vielen Monaten eine ähnliche Aktion mit alten Büchern machte? Ich schleppte sie durch die Fußgängerzone zum Antiquariat, um sie danach allesamt wieder zum Auto zu tragen ... So ähnlich ging es mir mit den Sammeltassen. Eine hätte sie mir abgekauft. Und da es sich für eine nicht lohnte, die Untertasse und die Tasse aus dem großen Karton im Auto herauszusuchen, vor ich unverrichteter Dinge mit meinen Tassen und Tellern wieder nach Hause.

Es ist wirklich ernüchternd, dass so schöne alte Dinge, wie goldumrandete Bücher oder Porzellan, heute keinen Wert mehr besitzen. Das zeigt mir einmal mehr, wie gut man sich überlegen sollte, was man wie lange sammelt.

Glücklicherweise fuhr ich mein Porzellan noch zwei Tage im Auto spazieren. Als ich in dieser Zeit eine Freundin besuchte und ihr die Teller ausgingen, bot ich ihr kurzerhand etwas aus meinen Kisten an – denn ein Kaffeegeschirr war auch noch mit an Bord. So haben einige Gedecke eine neue Besitzerin gefunden und meine Kiste ist ein bisschen leichter geworden.

Bleibt zu überlegen, was ich mit den restlichen Sammeltassen mache. Dem Sozialkaufhaus will ich sie nicht zumuten. Sie selbst zu verkaufen, hatte ich auch schon überlegt, aber direkt wieder verworfen. Ich habe noch einen alten Zettel im Ordner, von einer leidenschaftlichen Flohmarktverkäuferin. Vielleicht ist die Nummer noch aktuell und ich rufe sie an. Mal sehen, ob sie elfenbeinfarbene Sammeltassen mag. Falls alle Stricke reißen, bleibt mir noch der Polterabend. Denn meine alte Heimat wird bald wieder meine neue sein!


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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