16.04.2013

Ich liebe dich, weil ...


Was bedeutet es eigentlich, wenn jemand „Ich liebe dich“ sagt? Sagt er es, weil es von ihm erwartet wird? Sagt er es, weil ihm danach ist? Und wenn ja, warum ist ihm danach? „Ach, man kann es auch kompliziert machen“, werden manche jetzt sagen. Ja, kann man. Man kann aber auch zu einer tiefen Verbindung mit einer anderen Person kommen. Und genau das passiert, wenn wir wissen und äußern, warum uns gerade nach einem „Ich liebe dich“ ist.

Eine Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation (GfK) erzählte uns einmal die Geschichte eines Ehepaares, bei dem einer von beiden eines Tages mehr wissen wollte. „Was passiert gerade in dir, wenn du sagst, du liebst mich?“, hakte sie nach. „Weiß ich auch nicht“, antwortete er. „Ich liebe dich halt.“ In Wirklichkeit haben wir dieses Gefühl dann, wenn bei uns ein Bedürfnis gerade erfüllt ist. Welches, ist höchst individuell und kann jeden Tag anders sein. Besagtes Ehepaar hat es irgendwann geschafft, mehr zu sagen als „Ich liebe dich“ und ist heute ziemlich glücklich damit.

Warum ich auf dieses Thema komme? Weil ich am Wochenende meine Bedürfnisliste von einem GfK-Seminar wieder ausgepackt habe, zusammen mit Listen zu Gefühlen, wenn meine Bedürfnisse erfüllt sind, und zu Gefühlen, wenn meine Bedürfnisse nicht erfüllt sind. Ich drücke es mal etwas konkreter aus:

  • Wenn ich unsicher bin, ist eines meiner Bedürfnisse gerade unerfüllt. Das könnte zum Beispiel mein Bedürfnis nach Schutz sein.
  • Wenn ich vergnügt bin, ist eines meiner Bedürfnisse gerade erfüllt. Das könnte mein Bedürfnis nach Inspiration sein oder mein Bedürfnis nach Sinn.

Vieles ist möglich. Das Bewusstwerden verhilft uns zu einem klareren Bild von uns selbst, und wir können uns anderen besser verständlich machen.

Angeregt wurde meine Listensuche von einem Leserbrief, in dem unsere Leserin eine Art Tagebuch für schöne Momente vorschlägt. Sie notiert sich zu solchen Ereignissen immer, welches Bedürfnis bei ihr gerade erfüllt war. Mit der Zeit bekommt sie ein gutes Gefühl dafür, was ihr gut tut und was sie braucht – einmal ganz abgesehen von der großen Dankbarkeit, die sie durch diese tägliche Arbeit spürt.

Mir schwebt schon lange vor, selbst ein solches Tagebuch zu führen, und ich finde den Ansatz gut, mir über den glücklichen Moment hinaus auch meiner erfüllten Bedürfnisse bewusst zu werden. Genauso ließen sich übrigens auch Konfliktstellen im Alltag betrachten: Zu welchem Bedürfnis hatte ich ein Mangelempfinden, als ich angespannt, traurig oder verzweifelt war? Ich bin immer wieder erstaunt, was dabei herauskommt – egal ob es um unangenehme oder angenehme Gefühle geht.

Besagte Listen helfen übrigens sehr dabei, das Richtige zu finden. In der Regel bleiben wir automatisch bei den Worten hängen, die uns gerade bewegen oder in einer bestimmten Situation bewegt haben. Hier bei der Seite www.junfermannkongress.de des Junfermann-Verlages findet ihr solche Beispiellisten. Im Verlag sind viele Bücher zur Gewaltfreien Kommunikation erschienen.


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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