11.10.2012

Im Herzen ein Bauer


„Ich könnte mir auch vorstellen, einen Bauernhof zu haben“, sagte neulich jemand hinter mir. Ich drehte mich herum und schaute etwas verdutzt. Schon länger frage ich mich, was das ist, was die Menschen dazu veranlasst, Landwirt oder Weinbauer sein zu wollen. Ist es die Sehnsucht nach Freiheit? Die Freude an der Natur, am Ursprünglichen? Die Freude daran, etwas mit eigenen Händen tun zu können? Dem Büro zu entkommen? Alles das zusammen und noch viel mehr?

Rund 7 Millionen Menschen sahen am Montag die RTL-Kuppelshow „Bauer sucht Frau“, über die irgendwie alle reden und die doch niemand anschaut (angeblich). Mal ehrlich: Welche Frau mag heutzutage freiwillig mit den Eltern und jüngeren Geschwistern des begehrenswerten Bauern unter einem Dach leben? In einem Tapeten- und Mobiliar-Ambiente anno 1970? Sich in die eingeschworene, familiäre Wohngemeinschaft einfügen? Das Bild, das hier gezeichnet wird, macht mich sprachlos.

Die Vorstellung mancher Wunsch-Bauern ebenso. Ich bin in der Landwirtschaft groß geworden. Ich weiß, was es heißt, den ganzen Tag bei Wind und Wetter draußen zu arbeiten und nur darauf zu warten, dass die Feierabendglocken läuten. Ich weiß, wie einsam es draußen auf dem Feld sein kann. Ich weiß, wie der Körper nach Jahrzehnten von dieser Arbeit gezeichnet ist. Ich weiß, mit welchen existenziellen Sorgen und Ängsten ein Bauer zu kämpfen hat. Und ja, ich kenne tatsächlich auch Strukturen und Hierarchien in Familien, die es neuen Mitgliedern schwer machen, überhaupt jemals dazuzugehören.

Welches Bedürfnis steckt wirklich hinter dieser Lust aufs Landleben? Vielleicht habt ihr einige Ideen dazu?

Ich kann nur für mich sagen, was ich persönlich aus meiner „aktiven Zeit“ mitgenommen habe: Ich habe gelernt, Verantwortung zu übernehmen, meinen Beitrag für die Gemeinschaft und die familiäre Existenz zu leisten. Dieser Beitrag wurde ernst genommen und wertgeschätzt. Ich habe gelernt, mit anzupacken und auch bei größter Un-Lust durchzuhalten. Ich habe es genossen, täglich mit allen Helfern gemeinsam zu speisen und zu feiern, nachdem die Ernte eingeholt war. Wir haben gesungen und Geschichten erzählt, um uns die Zeit zu vertreiben. Wir konnten uns darauf verlassen: Das nächste Jahr folgt demselben Rhythmus.


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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