02.12.2011

In der Kürze liegt die Würze


Ab und zu lese ich auch Texte, die ich nicht selbst geschrieben habe. Manchmal sogar bis zum Schluss, was bekanntlich für den Autor spricht. So auch die gestrige Chefletter-Ausgabe meines Newsletter-Kollegen Dr. Marc-Wilhelm Kohfink. Er schrieb einleitend:

Der Chef des Chemiekonzerns Henkel, Kasper Rorsted ist kein Freund der elektronischen Post. "Nur weil sich irgendjemand irgendwo langweilt, muss ich keine Mails lesen. Das ist auch eine Frage des fehlenden Respekts, womit man Leute behelligt', sagte er jetzt der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Da muss ich Herrn Rorsted Recht geben. So habe ich das noch nie betrachtet! Andererseits habe ich mich bei der einen oder anderen Mail wirklich schon gefragt: „Welches Bedürfnis erfüllt es mir, diese Mail jetzt an diese Person zu schicken?“ Denn irgendwie beschlich mich das Gefühl, ich stehle damit dem anderen Zeit und Aufmerksamkeit für vielleicht wichtigere Dinge. Ich bin noch nie auf die Idee gekommen, das als Frage des Respekts zu betrachten. Doch jetzt, nachdem ich das obige Zitat gelesen habe, stimme ich dem zu.

Kollege Kohfink kündigt in seinem Newsletter Tipps und Tricks an, mit denen Rorsted der E-Mail-Flut Herr werden will. Der erste Abschnitt dazu lautet:

Klicken Sie CC-Mails einfach weg

Henkel-Chef Kasper Rorsted schaut sich grundsätzlich keine Mails mehr an, in denen er mit "CC" nur informiert wird. Das habe er durchgesetzt: "Regelt Eure Sachen, ohne ein Dutzend Kollegen in Kopie zu setzen. Jeder hat seine Rolle, seine Verantwortung", so die Überzeugung des gebürtigen Dänen.

Mit E-Mails will sich der Vorgesetzte von mehr als 50.000 Mitarbeitern auch am Wochenende nicht beschäftigen. Er schaue noch einmal am Samstagmorgen auf seinen Backberry. "Dann lege ich ihn für den Rest des Wochenendes weg, kümmere mich um die Kinder und lese keine Mails", so Rorsted.

Ich kenne dieses Phänomen: Als Freiberuflerin und oft Unterbeauftragte werde ich häufiger in CC gesetzt und fühle mich in 80 % der Fälle genervt von diesen E-Mails. Ich brauche sie nicht, um meine Arbeit zu machen. Diesen Hut will ich mir gar nicht aufziehen, die Verantwortung trägt ein anderer. Doch indem ich damit behelligt werde, hänge ich zwangsläufig mit drin – bezogen auf meine Ressourcen und meine Zeit.

Am Wochenende oder spätabends einfach keine Mails mehr zu checken – das nehme ich mir schon seit langem vor. Bisher war der Drang immer größer, es doch zu tun. Und irgendwie bin ich dann nur ein halber Mensch: Halb im Büro und halb in der Familie oder halb bei mir. Herr Rorsted zeigt auf, dass es auch anders laufen kann – selbst wenn (oder vielleicht gerade weil?) man so viel Verantwortung trägt wie er.

Jetzt kündigte er ein E-Mail-Verbot für die Zeit zwischen den Jahren an: "Zwischen Weihnachten und Neujahr haben wir eine Pause verordnet." Herr Kohfink schreibt dazu: Rorsted möchte seine gegen lange und scheinbar überflüssige E-Mails gerichtete Politik als Teil einer neuen Unternehmenskultur verstanden wissen. Dabei ist sein Ideal die SMS. Wie die Kurznachrichten müssten seiner Meinung nach auch E-Mails formuliert sein, als "Kurze, schnörkellose Botschaften - nur für den, den es wirklich angeht."

Auch das kann ich unterschreiben, auch wenn ich weit davon entfernt bin. Wie sagte Patrick Loos aus dem simplify-Team gestern noch zu mir? „Begrenzung ist manchmal gar nicht so schlecht.“ Oder positiv formuliert: „Damit beschränkt man sich wirklich auf die Essenz.“ Klingt einleuchtend. Klingt simplify.

Was ich ihn ganz vergessen habe zu fragen: Sollen meine Blog-Beiträge jetzt auch kürzer werden?


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Ganz einfach Dunja

Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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