20.03.2012

Ist das MHD abgelaufen?


Bevor ich diesen Eintrag zu schreiben begann, aß ich erst mal meine angebrochene Packung Kekse und die Wurst von gestern mit MHD 17. März leer. Nein, Spaß beiseite. Nichts dergleichen habe ich getan, außer vielleicht ein wenig schuldbewusst dreinzuschauen. Denn das Bundesverbraucherministerium startete jetzt eine Kampagne zur Aufklärung über das Mindesthaltbarkeitsdatum.

Als der Film „Taste the Waste“ in den Kinos anlief, hatten wir das Thema hier bereits schon einmal. Seither macht es die Runde. Erst am Wochenende unterhielt ich mich mit anderen darüber. Die Diskussion über das Mindesthaltbarkeitsdatum für Lebensmittel hat dazu geführt, dass viele Verbraucherinnen und Verbraucher ihr Verhalten verändert haben. Das geht aus einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag des Bundesverbraucherministeriums hervor.

In der Umfrage gab die große Mehrheit (81 %) der Bürger an, von der Diskussion gehört oder gelesen zu haben. Von diesen Befragten erklärte knapp ein Fünftel (19 %), bereits etwas am Umgang mit Lebensmitteln geändert zu haben. Am häufigsten sehen 14- bis 29-Jährige Anlass, ihr Verhalten zu überdenken - in dieser Altersgruppe sagen 26 Prozent, sie hätten ihren Umgang mit Lebensmitteln in letzter Zeit verändert. Bei den übrigen Altersgruppen sind es zwischen 16 und 19 %.

Das überrascht mich sehr! Die jungen Menschen überdenken ihr Verhalten am ehesten. Und was ist mit meiner Altersgruppe? Da die Diskussion über den Umgang mit Lebensmitteln in die Zeit fielen, in der ich keinen Kühlschrank hatte, wirkte sich das durchaus auf mein Verhalten aus. Mein Kühlschrank sieht noch immer wesentlich aufgeräumter aus als früher. Ich schaue mir Verpackungen heute bewusster an und überlege: Kann ich dieses Produkt bis zum MHD aufbrauchen? Wenn ja, nehme ich es mit, wenn nicht, suche ich mir eine Verpackung mit längerem MHD aus. Nehme ich z. B. zwei Packungen mit, platziere ich sie im Kühlschrank so, dass die bald ablaufende vorne steht oder oben liegt, die länger haltende hinten oder unten. Das klingt ganz einfach und banal, doch früher habe ich meinen Kühlschrank nicht nach solchen Kriterien bestückt.

Als ich vor einiger Zeit vor einem Hähnchen im Supermarkt stand, das als „30 % günstiger“ ausgelobt wurde, habe ich kurz innegehalten. Denn Hähnchen, deren Verbrauchsdaten noch relativ weit in der Zukunft lagen, gab es ebenfalls. Das „Bitte-kauf-mich“-Hähnchen hatte sein Datum schon fast erreicht. Früher hätte ich dazu geneigt, das frischere Geflügel zu kaufen. Was sich nun in meinem Kopf abspielte, war folgendes: „Wenn ich es jetzt nicht kaufe, was passiert damit? Dann wird es womöglich weggeschmissen. Dafür ist es zu schade. Was will ich daraus machen? Hühnersuppe. Das Hähnchen wird also über längere Zeit richtig durchgekocht. Da kommt es nicht so auf die Frische an. Kann ich es heute gleich verarbeiten? Ja, das kriege ich hin. Es landet am Abend noch in den Topf.“

Und so kam ich zu meinem Hähnchen, das von der Qualität her ausgezeichnet war. Nur das mit den 30 % hat irgendwie nicht geklappt, wie ich erst zu Hause auf meinem Einkaufszettel gesehen habe. Zuerst ärgerte ich mich. Dann dachte ich: „Ist doch egal, du hast ein vollwertiges Produkt erhalten.“

In einer früheren Umfrage im Auftrag des Verbraucherministeriums aus dem Jahr 2011 hatten rund 84 % der Deutschen angegeben, sie werfen Lebensmittel weg, weil das Haltbarkeitsdatum abgelaufen oder die Ware verdorben sei. 19 % nannten zu große Packungen als Hauptgrund. Das kann ich für bestimmte Lebensmittel bejahen. Inzwischen habe ich festgestellt, dass es manches schon in kleineren Verpackungseinheiten gibt. Ein Besucher wunderte sich schon mal, dass ich 500ml-Milch-Packungen als Kaffeemilch auf den Tisch stellte. Die seien doch viel teurer. „Ja“, sagte ich, „eine große Packung kriegen wir nie leer, und ich müsste viel zu viel wegschütten.“

Ich bin gespannt, ob sich auch langfristig etwas verändert, sodass in den Supermärkten nicht mehr diese riesigen Lebensmittelmüllberge anfallen. Die werden sich erst reduzieren, wenn wir anders einkaufen.


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